Dienstag, 25. August 2026
„Sie sind die Profis Gottes!“

Die diesjährigen Missio Canonica Kandidatinnen und Kandidaten zusammen mit Bischof em. Dr. Karl-Heinz Wiesemann (vorne Mitte), Dr. Bettina Reichmann (1. Reihe, fünfte von links), Abteilungsleiterin Religionsunterricht, und Dr. Irina Kreusch (1. Reihe, ganz rechts), Hauptabteilungsleiterin Schulen, Hochschulen und Bildung © Klaus Landry
Verleihung der Missio canonica an die neuen Religionslehrerinnen und Religionslehrer
Speyer. 38 Kandidatinnen und Kandidaten wurde bei der diesjährigen Missio canonica Verleihung durch den emeritierten Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die kirchliche Beauftragung zur Arbeit als Religionslehrerin bzw. -lehrer erteilt. Der Bischof würdigte das Engagement mit den Worten: „Es ist wunderbar, dass Sie diesen Dienst tun, dass Sie sich persönlich dafür zur Verfügung stellen.“
25 der Anwärterinnen und Anwärter werden in den Grundschulen im Bistumsgebiet tätig sein. Weitere sechs arbeiten in den Gymnasien, während drei in den Förderschulen und zwei in den Berufsbildenden Schulen (BBS) tätig sein werden. Eine Person wird an einer Realschule Plus unterrichten.
In seiner Predigt appellierte Wiesemann mit einer zentralen Kernbotschaft an die Lehrerinnen und Lehrer: „Man muss hinaus und es wagen. Wissen ist unendlich wesentlich. Aber Wagnis und Vertrauen, Glauben an sich, Glauben an einen sicheren Raum, an eine Vision, das Glauben an Gott, an einen Grund, der trägt – Das gilt für jedes menschliche Leben.“ Besonders die Tiefe wichtiger Lebens- und Glaubensfragen standen in seiner Predigt im Fokus: „Zum Leben gehört auch das, was wir nicht einfach endgültig begreifen können und doch mit dem Verstand erfassen können.“ Auch das könne der Religionsunterricht vermitteln, dass es Dinge gibt, auf die es nicht nur einfache Antworten gibt, meinte Wiesemann.
Dr. Irina Kreusch, Leiterin der Hauptabteilung „Schulen, Hochschulen und Bildung“ im Bistum, formulierte in ihrem Grußwort zu Beginn des Gottesdienstes ebenfalls gedankliche Anregungen und Appelle: „Sie sind die Profis Gottes. Christliches Handeln ist mehr als nur Unterricht – es ist ein Lebensmotto.“ Als Gläubige und Weltkirche stehe man in der Gemeinschaft der christlichen Frohen Botschaft, führte Kreusch fort. Neben der Wichtigkeit der Verleihung, würdigte sie außerdem die Präsenz des emeritierten Bischofs, der trotz seines offiziellen Rücktritts zwei Tage zuvor die heilige Messe mitfeierte.
Um die Missio canonica zu erhalten, absolvierten die Kandidaten und Kandidatinnen nach ihrer staatlichen Ausbildung noch ein vorbereitendes Wochenende, bei dem es insbesondere um die Spiritualität des Religionslehrers ging. Darüber hinaus nahmen alle Bewerberinnen und Bewerber an einer verpflichtenden Präventionsschulung teil.
Vier von den insgesamt 38 Anwärterinnen und Anwärtern sind Judith Anstett (Gymnasium), Ivo Schreiner (Förderschule), Maria Reiß (BBS) und Sarah Hien (Grundschule). Im Interview berichten sie von ihren persönlichen Einschätzungen und Zielen rund um den Religionsunterricht.
Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe als Religionslehrer:in?
Maria Reiß: Die wichtigste Aufgabe als Religionslehrkraft ist es, für die Lernenden eine ständige (Lern-)Begleitung zu sein. Als Lehrkraft an Berufsbildenden Schulen finde ich es ebenfalls wichtig, den Schülerinnen und Schülern Fragen zu religiösen Leben in ihrem Umfeld beantworten zu können und dies mit ihrem jeweiligen Berufsfeld kombinieren zu können.
Judith Anstett: Jugendliche auf ihrem Lebensweg und ihrer Persönlichkeitsbildung zu begleiten und für sie eine mögliche Bezugsperson und Ansprechpartnerin darzustellen. Deutlich machen, dass Religion und Glauben mehr ist als der sonntägliche Gottesdienstbesuch.
Wie kann der Religionsunterricht in der Schule helfen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen persönlichen Zugang zu Kirche und Glauben zu ermöglichen?
Ivo Schreiner: Zunächst geht es aus meiner Sicht darum, überhaupt Berührungspunkte mit christlich-religiösen Themen und Fragestellungen zu ermöglichen. Dabei ist mir wichtig, dass Schülerinnen und Schüler Religion nicht als etwas Vergangenes oder Lebensfernes erleben, sondern als einen Ort, der sich mit grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens beschäftigt. Wenn es gelingt, bei Schülerinnen und Schülern Interesse zu wecken, sie zur persönlichen Auseinandersetzung mit solchen Fragen anzuregen und vielleicht sogar im christlichen Glauben Orientierung oder mögliche Antworten zu entdecken, ist aus meiner Sicht bereits ein sehr großer Schritt hin zu einem eigenen Zugang zu Glauben und Kirche getan.
Sarah Hien: Ich denke, ein persönlicher Zugang entsteht vor allem dann, wenn Kinder merken, dass Religion etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Deshalb finde ich es wichtig, religiöse Themen mit den Fragen und Erfahrungen der Kinder zu verbinden. Gerade für Kinder, die zwar getauft sind, aber wenig Bezug zur Kirche haben, kann der Religionsunterricht eine erste Möglichkeit sein, Glauben kennenzulernen – ohne Druck, sondern durch Neugier und eigene Erfahrungen.
Worauf freuen Sie sich am meisten in Ihrer künftigen Arbeit als Religionslehrer:in?
Judith Anstett: Auf die Aha-Momente mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen und auf die Zeit, in der man den Jugendlichen ermöglicht, eigene Erfahrungen mit dem Glauben zu sammeln und sich zu vielen Themen eine eigene Meinung zu bilden. Ich freue mich auf viele gemeinsame Diskussionen und auf die Wegbegleitung der jungen Menschen.
Sarah Hien: Ich freue mich darauf, die Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten. Besonders spannend finde ich es, wenn Kinder eigene, manchmal überraschend tiefe Fragen zum Glauben entwickeln und dabei Perspektiven einbringen, an die man als Erwachsene vielleicht zunächst gar nicht denkt.
Ivo Schreiner: Besonders freue ich mich darauf, mit den Schülerinnen und Schülern für einen Moment aus dem hektischen Schulalltag herauszutreten und einen Raum zu schaffen, in dem Zeit für Ruhe, Reflexion und persönliche Fragen bleibt. Eine solche „Insel der Ruhe“ kann dazu einladen, das eigene Leben und persönliche Erfahrungen aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Gemeinsam möchte ich mit den Schülerinnen und Schülern nach Orientierung und möglichen Antworten im christlichen Glauben suchen. Dabei wünsche ich mir einen offenen Austausch, bei dem nicht nur die Schülerinnen und Schüler neue Erkenntnisse gewinnen, sondern auch ich selbst durch ihre Gedanken und Perspektiven neue Sichtweisen kennenlernen kann.







