Freitag, 13. März 2026

Schlag auf Schlag

Leonie Klein und Dr. Christoph Kohl © Domkapitel Speyer, Klaus Landry 

Die Passion Jesu Christi gelesen und musikalisch kommentiert

Speyer. Am Mittwoch der Karwoche, 1. April, um 19:30 Uhr, findet im Dom ein ungewöhnliches Konzert statt. In ihm wird die Passion Jesu Christi auf besondere Art und Weise erfahrbar gemacht. Domdekan em. Dr. Christoph Kohl liest die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Matthäus in 17 Abschnitten, und nach jedem Textabschnitt interpretiert die Schlagzeugerin Leonie Klein das Gehörte musikalisch mit 50 Schlaginstrumenten – eine eigene Komposition für dieses Konzert. „Schlag auf Schlag“ gestaltet so in Kombination von Wort und Musik die Passion Jesu Christi. Das Schlagwerk kommentiert den Text und überführt ihn in eine körperlich-emotionale Ebene. Die vielfältigen Klangräume deuten dabei u.a. die unterschiedlichen Persönlichkeiten wie die von Petrus und Pilatus aus. Darüber hinaus wollen sie die inneren Bewegungen zwischen Angst und Gottvertrauen nachvollziehbar machen.

„In den Passionserzählungen, gerade in der Fassung des Matthäus-Evangeliums, spielen Emotionen eine große Rolle, die mit den existentiellen Fragen verbunden sind, die im Passionsgeschehen aufleuchten – es geht dabei ja um ein hochdramatisches Geschehen zwischen Leben und Tod!“, sagt Dr. Christoph Kohl, der das Konzertformat gemeinsam mit der Musikerin Leonie Klein entwickelt hat. Ziel der Beiden ist es, dem Wort durch die Musik eine Dimension hinzuzufügen, die das Gesprochene verdichtet und auf besondere Art und Weise erfahrbar macht – nicht etwa durch eingängige Melodien, sondern durch ausdrucksstarke Klänge und Geräusche, die auf den unterschiedlichsten Schlaginstrumenten erzeugt werden. Die Passionsgeschichte wird durchlebt, in Wort und Musik, wobei die Charakterzüge und das Innenleben der Protagonisten in Klänge übersetzt werden. Vor dem Hintergrund der einzigartigen Akustik im Dom zu Speyer stellt die Auswahl des Instrumentariums und die Wirkung des sich im Raum ausbreitenden Klangs eine Besonderheit dar – jeder Schlag, jeder Klang erzählt hier seine ganz eigene Geschichte.

Die „Uraufführung“ dieses besonderen Passions-Konzertes hat am 16. April 2025 im Dom zu Speyer stattgefunden. Aufgrund des überwältigenden Echos der Zuhörer und in der Presse werden Leonie Klein und Christoph Kohl ihre Interpretation der Passion dieses Jahr noch einmal im Dom darbieten.

 

Christoph Maria Kohl

Dr. Christoph Maria Kohl war bis Ende 2025 in Speyer Domdekan und Domkustos. Während seines Studiums hat er den C-Kurs zum Kirchenmusiker im Nebenamt abgeschlossen und neben dem Orgelspiel den Jugendchor und Kirchenchor einer Pfarrei geleitet.  Er hat eine journalistische Zusatzausbildung bei der Journalistenschule ifp in München absolviert und arbeitet seit 1988 in der Rundfunkverkündigung mit (Morgenansprachen in SWR 1 und 4 und im SR). Darüber hinaus ist er nach entsprechenden Ausbildungen bei der GwG (Gesellschaft für Personenzentrierte Psychotherapie und Beratung) und GCL (Gemeinschaft Christlichen Lebens) seit über 25 Jahren als Geistlicher Begleiter und Exerzitienbegleiter tätig. Auch die Ökumene und die EineWelt- und Menschenrechtsarbeit sind ihm ein Herzensanliegen.

Christoph Kohl wurde 1955 geboren. Nach der Priesterweihe 1988 war er Kaplan, Jugendpfarrer, Hochschulpfarrer und Leiter der Hauptabteilung „Schulen, Hochschulen und Bildung“ im Bischöflichen Ordinariat Speyer – immer Felder des Dialogs und der Vermittlung, die ihm sehr liegen. Das kommt schon im Leitspruch für seinen priesterlichen Dienst zum Ausdruck: „Wir sind nicht Herren über euren Glauben, sondern Mitarbeiter eurer Freude.“ (2 Kor 1, 24)

 

Leonie Klein

Leonie Klein hat sich der Neuen Musik verschrieben und ist sowohl als Solistin als auch im Ensemble tätig. Die 1993 geborene Schlagzeugerin war Jungstudentin an der Hochschule für Musik Karlsruhe und schloss dort den Masterstudiengang Schlagzeug bei Isao Nakamura sowie den Masterstudiengang Musikjournalismus ab. Zudem absolvierte sie den Begleitstudiengang Angewandte Kulturwissenschaft am Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft (ZAK) Karlsruhe. Aktuell promoviert sie im Bereich Neue Musik für Schlagzeug Solo. Ihre musikalische Entwicklung wurde maßgeblich durch die Zusammenarbeit mit Helmut Lachenmann, Vinko Globokar, Nicolaus A. Huber, Dieter Schnebel und Péter Eötvös geprägt. Ihre Debüt-CD „gathering thunders“ (2018) sowie ihre ebenfalls bei WERGO veröffentlichte CD „chattering birds“ (2023) stießen auf breite Anerkennung. Seit 2023 ist sie als Konzertgestalterin tätig. Eigene Konzertformate entwickelte sie bereits für das Kammertheater Karlsruhe (1000 beats per minute - eine Schlagzeug-Performance) und das Mozartfest Würzburg (Das MozartExotikum - ein interaktives Hörspiel-Konzert), wo sie in der Saison 2026 als erste Artiste d´avenir - Zukunftskünstlerin - Konzerte und Veranstaltungen kuratiert und gestaltet. Leonie Klein war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und wurde 2020 mit dem Mamlok-Preis für Interpretinnen zeitgenössischer Musik ausgezeichnet. 2022 wurde sie als Stipendiatin in die Kunststiftung Baden-Württemberg aufgenommen. Leonie Klein ist Yamaha Artist. Nach mehreren Jahren als Musikredakteurin bei SWR2 war sie im Wintersemester 2023/24 Vertretungsprofessorin im Fach Schlagzeug an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Weiterhin arbeitet sie als Musikjournalistin u. a. für Deutschlandfunk Kultur.

 

Mittwoch, 1. April 2026, 19:30 Uhr
Schlag auf Schlag
Musikalische Meditation zur Karwoche
Die Passion Jesu Christi nach Matthäus,
gelesen und musikalisch kommentiert
Domdekan em. Dr. Christoph Kohl, Lesung
Leonie Klein, Schlagzeug