Mittwoch, 22. April 2026
Bischof Wiesemann beauftragt fünf Mitarbeitende mit Entwicklung neuer Formen von Kirchen

Bischof Karl-Heinz Wiesemann (rechts) und Stabsstellen-Leiter Felix Goldinger (hinten Mitte) mit den gesegneten neuen Pionieren und Pionierinnen © Andrea Daum
Segens- und Sendungsfeier in Pirmasens setzt Zeichen für neue Wege von Kirche
Pirmasens. Im Rahmen eines Gottesdienstes in Pirmasens hat Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann am 18. April fünf Frauen und Männer mit der Entwicklung neuer Formen von Kirche im Bistum Speyer beauftragt. Es handelt sich um theologisch und religionspädagogisch qualifizierte Personen, die vielfach bereits langjährige Erfahrung in der Seelsorge in ihren neuen Arbeitsbereich einbringen. Als sogenannte Pionierinnen und Pioniere verbinden sie Elemente aus innovativem Projektaufbau, sozial-caritativem Engagement und Seelsorge. Ziel ist es, neue Formen von Kirche zu entwickeln, die nah an den Lebensrealitäten der Menschen sind und im Alltag erfahrbar werden.
- Ute Garth, die zusammen mit einem Team von Ehrenamtlichen die „Bücherei Plus“ in Bann weiterentwickelt – als offenen Ort der Begegnung und als sozialräumlich wirksamen Raum von Gemeinde.
- Sibylle Meyer-Kuhn, die im Raum Glan-Westrich mobil unterwegs ist und Treffpunkte für Seniorinnen und Senioren gestaltet, die Begegnung ermöglichen und Einsamkeit entgegenwirken.
- Christine Mootz, die im Bereich Wald- und Naturspiritualität arbeitet und neue Zugänge eröffnet, um Verbundenheit zwischen Mensch, Schöpfung und Glauben erfahrbar zu machen.
- Tanja Rieger, die digitale Glaubenskommunikation entwickelt – als Raum für Auseinandersetzung mit Spiritualität sowie als Impuls für Pfarreien, eigene Wege im digitalen Raum zu gehen.
- Thomas Forthofer, der im Dekanat Saarpfalz neue Formen von erprobt, die Alltag, Beruf und Glauben in gemeinschaftlichen Lebensrhythmen verbinden.
Ein weiterer Pionier, Manfred Heitz, konnte an der Feier nicht teilnehmen. Er startet zeitgleich in Ludwigshafen mit seiner Arbeit und geht der Frage nach, wie in neu entstehenden Quartieren alltagsnahe Angebote entstehen können, die Glauben und Leben im Sozialraum miteinander verbinden.
Die Segens- und Sendungsfeier, die musikalisch von Joachim Lauer und Steven Schöner gestaltet wurde, bildete den Höhepunkt eines Netzwerktreffens, zu dem Pionierinnen und Pioniere sowie Weggefährtinnen und Weggefährten aus dem Bistum Speyer in Pirmasens zusammengekommen waren. Im Mittelpunkt des Tages stand ein gemeinsamer Erfahrungsprozess, der sich an der biblischen Exodus-Erzählung orientierte und Fragen von Aufbruch, Unsicherheit und Vertrauen aufgriff. Verschiedene Formate – darunter ein Stationenparcours und der „Dialog im Geist“ – eröffneten Raum, die eigene Situation in den Blick zu nehmen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Pionierarbeit wurde dabei nicht als exklusives Sonderfeld verstanden, sondern als gemeinsamer Lern- und Erfahrungsraum für die ganze Kirche. Haupt- und Ehrenamtliche sowie Menschen aus unterschiedlichen Kontexten kamen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch. Dabei wurde deutlich: Neue Wege entstehen nicht ohne Reibung, offene Fragen und unterschiedliche Geschwindigkeiten. Gerade im Zusammenspiel von Bewahren und Verändern braucht es gegenseitiges Vertrauen und Wohlwollen.
In seinem Impuls betonte Bischof Wiesemann die zentrale Aufgabe von Kirche heute: „Kirche hat die Aufgabe, Räume zu eröffnen, in denen Menschen die Menschenfreundlichkeit Gottes erfahren können.“ Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen auf der Suche nach Sinn, Orientierung und Resonanz sind und Kirche zugleich mit unterschiedlichen Erwartungen, Vorbehalten oder auch schwierigen Erfahrungen begegnen, gehe es weniger darum, Inhalte zu erklären, als vielmehr darum, Erfahrungsräume zu eröffnen, die berühren und neue Zugänge zum Glauben ermöglichen.
„Pionierarbeit bedeutet oft, unterwegs zu sein, ohne den ganzen Weg zu kennen“, sagte Felix Goldinger, Leiter der Stabsstelle Innovation und Transformation im Bistum Speyer. „Als Pionierinnen und Pioniere verstehen wir dabei Menschen, die neue Formen von Kirche erproben und mutig vorangehen – nah an den Fragen der Menschen und offen für das, was sich entwickelt. Gerade deshalb ist es wichtig, Räume zu haben, in denen wir Erfahrungen teilen, einander stärken und gemeinsam hören, wohin der nächste Schritt führen kann.“
Die Feier machte spürbar, was den gesamten Tag getragen hatte: Kirche ist im Aufbruch – nicht als fertiges Konzept, sondern als gemeinsamer Weg, auf dem Menschen neue Formen entdecken, Glauben im Alltag leben und Segensorte entstehen lassen.







