Montag, 30. März 2026
“Am Ende ist es halt auch einfach Barmherzigkeit“
Caritas-Zentrum Saarpfalz verabschiedet Andreas Heinz in den Ruhestand – Peter Zwing tritt Nachfolge an
St. Ingbert. Nach 40 Jahren engagierter Arbeit für Menschen in sozialen Notlagen wurde Andreas Heinz, langjähriger Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz, in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. In einer Feierstunde würdigten zahlreiche Gäste sein außergewöhnliches Engagement, darunter der saarländische Sozialminister Magnus Jung, Dekan Erik Klein, Landrat Frank John sowie Mitarbeitende und Weggefährten.
Andreas Heinz begann 1981 sein Studium der Sozialarbeit in Ludwigshafen. „Früh spezialisierte er sich auf die Nichtsesshaften-Hilfe und Suchtberatung, initiierte Kindergruppen für suchtbelastete Familien und entwickelte für diese Zielgruppe Projekte, wie die Kindergruppe ,Wiesel‘“, zählte die Laudatorin und Direktorin des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, Barbara Aßmann, auf. „2008 übernahm er die Leitung der Suchtberatung in Homburg, 2012 schließlich das Caritas-Zentrum Saarpfalz.“
„Sie gaben der Caritas vor Ort ein Gesicht der Menschlichkeit und Nächstenliebe“
Unter seiner Führung wurden zahlreiche Projekte realisiert: „Der Ausbau der Migrationsarbeit während der Flüchtlingskrise von 2013 bis 2015 und die fortlaufende Unterstützung ukrainischer Geflüchteter. Die Förderung des Ehrenamts und der Aufbau von Netzwerken zwischen Pfarreien, Einrichtungen und Verwaltungen“, zählte Aßmann auf. „Ein Meilenstein waren auch die Gründung des Palliativnetzwerks Saarpfalz und der Aufbau der Ehrenamtsarbeit mit ambulanten Hospizbegleitern.“ Auch die stetige Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Suchtberatung nannte die Caritasdirektorin, und nicht zuletzt die professionelle Steuerung des Caritas-Zentrums während der Corona-Pandemie, inklusive digitaler Beratungsangebote und Krisenmanagement.
Die Aßmann würdigte Andreas Heinz als Impulsgeber, Netzwerker und Brückenbauer, dessen Arbeit stets fachliche Exzellenz mit Menschlichkeit verband. Er habe der Caritas im Saarland ein Gesicht gegeben. Sie überreichte ihm als Anerkennung seines Engagements die Dankmedaille des Deutschen Caritasverbandes mit einer Würdigung der Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa.
„Zur richtigen Zeit beim richtigen Arbeitgeber“
Andreas Heinz benannte in seiner Abschiedsrede die Erfolge seines Dienstes: Die Hospizarbeit und das Engagement von rund 110 Ehrenamtlichen sei ihm immer besonders wichtig gewesen. Das Tagesangebot für Wohnungslose im „Treff em Gässje“ in St. Ingbert habe eine große Lücke in der Arbeit mit Menschen ohne Wohnung geschlossen. „Gleiches habe ich mir dringend auch für Homburg gewünscht. Leider konnte ich das nun nicht mehr zu einem Abschluss bringen. Ich hoffe und wünsche aber sehr, dass dieses Angebot noch an den Start gehen wird“, gab er seinem Nachfolger schon eine Agenda mit auf den Weg. „87 Postadressenkunden zeigen, dass die Zahl der Menschen ohne Meldeadresse ständig steigt. Wohnungslosigkeit ist in Homburg ein drängendes Problem.“
Auch die Arbeit mit geflüchteten Menschen habe ihm sehr am Herzen gelegen. „Ich halte es für falsch, dass die aktuelle Sozialstaatsdebatte auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten ausgetragen wird“, mahnte er. Man vergesse bei dieser Debatte, die oft mit falschen Zahlen hantiere, die Erfolge bei der Integration. Heinz dankte seinen Mitarbeitenden und Kooperationspartnern für die gute Zusammenarbeit und betonte: „Ich war zur richtigen Zeit mit den richtigen Menschen beim richtigen Arbeitgeber.“
Nachfolge mit Erfahrung und Engagement
Sein Nachfolger, Peter Zwing, 48 Jahre, bringt Erfahrungen aus der Eingliederungshilfe, der Alten- und Behindertenhilfe sowie aus der 14-jährigen Leitung des Caritas-Altenzentrums St. Josef in Blieskastel mit. Annette Martin, Leiterin der Abteilung Soziales im Caritasverband für die Diözese Speyer, sagte: „Peter Zwing wollte nach seinem Abitur eigentlich Chemie-Ingenieurwissenschaften studieren, entschied sich zuvor jedoch für einen Zivildienst im Edith Stein Haus in Blieskastel.“ Diese Erfahrung habe ihn so sehr beeindruckt, dass er diese ursprünglichen Pläne über Bord warf, um Soziale Arbeit zu studieren. „Er ist kein Theoretiker am Schreibtisch, sondern hat die Caritas von der Pike auf gelernt. Vom Zivildienst über die Arbeit mit psychisch Kranken bis hin zur Leitung des Altenzentrums hat er bewiesen, dass er sowohl Bodenhaftung als auch Weitblick besitzt. Diese Multiperspektivität ist ein großes Pfund für die Leitung des Caritas-Zentrums Saarpfalz.“
Peter Zwing betonte in seiner Antrittsrede: „Ich trete in große Fußstapfen. Diese sind Ehre und Bürde zugleich.“ Ein prägendes Erlebnis für Zwing während der Einarbeitung im Caritas-Zentrum war ein Gespräch mit Heinz, in dem es um die Auszahlung von Nothilfe für Menschen in finanzieller Bedrängnis ging. „Ich habe nach den Kriterien für die Auszahlung gefragt. Er erklärte mir dieses und jenes, und dann sagte er ,Am Ende ist es halt auch einfach Barmherzigkeit‘. Und da war er, mein persönlicher Caritasmoment. Am Ende ist es halt auch einfach Barmherzigkeit.“ Ein Motto, das ihn künftig als persönliche Caritas-Jahreskampagne leiten werde.
Grußworte von Politik und Kirche
Sozialminister Magnus Jung würdigte die Caritas als „starken Partner, der den Sozialstaat unterstützt“ und betonte: „Andreas Hein Wirken war geprägt von Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit.“ Ein Staat alleine könne die sozialen Aufgaben nicht bewältigen und brauche dafür starke und verlässliche Partner. „Ich will aber auch nicht verhehlen, dass wir der Caritas pro Jahr auch Fördermittel in Höhe von einer Million Euro zukommen lassen“, habe er extra für diese Feier nochmal zusammengezählt.
Dekan Erik Klein und Landrat Frank John dankten Andreas Heinz für die konstruktive Zusammenarbeit, seine Menschlichkeit und seinen Einsatz für das Gemeinwohl. Mit Peter Zwing an der Spitze setzt das Caritas-Zentrum Saarpfalz auf Kontinuität, Fachkompetenz und ein hohes Maß an persönlicher Nähe zu den Menschen.
In Stellvertretung für die 56 Mitarbeitenden des Caritas-Zentrums dankten drei Mitglieder der Mitarbeitervertretung für die gute Leitung und Führung des Zentrums und für die enge und vertrauensvolle Arbeit im Team.
Die Veranstaltung zeigte, wie sehr Andreas Heinz die soziale Landschaft des Saarpfalzkreises geprägt hat und wie engagiert die Caritas dort auch künftig die Zukunft mitgestalten wird.
Text: Melanie Müller von Klingspor
