Dienstag, 12. Mai 2026
„Wir werden dich schmerzlich vermissen“

Diözesan-Caritasdirektorin Barbara Aßmann überreichte Michael Gerst Urkunde und Dankmedaille © Justine Köhler
Michael Gerst geht nach 37 Jahren Caritasarbeit in den Ruhestand
Speyer. „Da geht ein Caritas-Urgestein. Ein Allrounder. Der Mann für alle Fragen.“ Mit diesen Worten würdigte Diözesan-Caritasdirektorin Barbara Aßmann ihren langjährigen Vorstandreferenten Michael Gerst. Nach 37 Jahren beim Caritasverband für die Diözese Speyer wurde er am Freitag, 8. Mai, in der Speyerer Caritas-Zentrale in den Ruhestand verabschiedet. Im Namen der Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva-Maria Welskop-Deffaa, überreichte Aßmann ihm Urkunde und Dankmedaille des Deutschen Caritasverbandes.
Rund 60 Weggefährtinnen und Weggefährten waren gekommen, um sich von Michael Gerst zu verabschieden – darunter Kolleginnen und Kollegen aus der Zentrale, ehemalige Mitarbeitende, Vertreter des Ordinariats, des Deutschen Caritasverbandes sowie der Caritasratsvorsitzende Theo Wieder und der frühere Caritasvorsitzende Karl-Ludwig Hundemer.
Begonnen hatte Michael Gerst seine Tätigkeit beim Caritasverband als Referent für den Zivildienst. An seine ersten Arbeitsjahre erinnerte er sich mit einem Schmunzeln: „Damals gab es in meinem Büro noch keinen eigenen Telefonanschluss.“ Auch die Arbeitsbedingungen hätten sich seitdem grundlegend verändert. „Mein erstes Mobiltelefon bekam ich 2008“, erzählte er.
Im Laufe seiner Tätigkeit übernahm Gerst zahlreiche Aufgaben und Projekte. „Michael Gerst war in den unterschiedlichsten Bereichen unterwegs und hervorragend vernetzt“, sagte Aßmann. Nach seiner Zeit als Zivildienstreferent arbeitete er unter anderem als Verbandsentwickler und pflegte enge Kontakte auf Bundesebene. Zu seinen Aufgaben gehörten außerdem die Einführung der ersten Verbandssoftware, die Organisation von Schulungen sowie die Betreuung der Zentralstatistik und des Schematismus.
Darüber hinaus engagierte sich Gerst in der Vernetzung von Caritas und Bistum, wirkte mit bei den Schülerbegegnungstagen, organisierte Einführungstage für neue Mitarbeitende und war langjähriger Protokollant der Sitzungen des Caritasrates. „Nicht immer eine leichte Aufgabe, denn manchmal wurde auch hitzig debattiert“, betonte Aßmann.
Ein besonderer Meilenstein war der Umzug der Caritas-Zentrale von der Oberen Langgasse in den Neubau in der Nikolaus-von-Weis-Straße. Gemeinsam mit Markus Anstötz plante und koordinierte Gerst das Großprojekt bis ins Detail. „Er wusste genau, welcher Schrank, welcher Schreibtisch, welcher Bürostuhl wo steht“, sagte Aßmann schmunzelnd.
Auch die Vorbereitungen zum 100-jährigen Bestehen des Caritasverbandes für die Diözese Speyer trug Gerst maßgeblich mit. Zwar mussten viele Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, dennoch entstand das Jubiläumsbuch „Hundert Jahre. Hundert Gesichter“. Dafür organisierte Gerst gemeinsam mit Fotograf Klaus Landry zahlreiche Fototermine in der gesamten Diözese.
Neben seiner organisatorischen Arbeit prägte Gerst das Verbandsleben auch musikalisch. „Wo gefeiert wurde, war Michael mit seiner Gitarre dabei – bei Gottesdiensten, Adventsfeiern oder Mitarbeiterfesten. Das werden wir schmerzlich vermissen“, sagte Aßmann.
Für die Mitarbeitervertretung dankte deren Vorsitzende Beate Volandt Michael Gerst für die langjährige Zusammenarbeit. Mit humorvollen Erinnerungen blickte sie auf die Zeit des Umzugs und der Einrichtung der neuen Zentrale zurück.
Auch Kollegin Marie Blechschmidt verabschiedete ihren langjährigen Wegbegleiter mit persönlichen Worten und einem symbolischen „Bauchladen“ voller Geschenke für den Ruhestand – vom Fahrradflickset bis zur Mundharmonika.
Michael Gerst selbst erinnerte an viele Stationen seiner Zeit bei der Caritas: Leitbildprozesse, Jubiläumsfeiern, Besuche in den Pfarrverbänden und zahlreiche Begegnungen mit Menschen in Kirche und Caritas. „Zusammen mit anderen Menschen etwas bewegen für die Kirche und die Caritas – das macht uns aus“, sagte er.
Bewegt erinnerte er an seinen verstorbenen Freund und Wegbegleiter Markus Herr. Zum Abschluss dankte Gerst seinen Kolleginnen und Kollegen sowie seiner Frau Judith für die langjährige Unterstützung. Mit einem Augenzwinkern sagte er schließlich: „Ich bin kein Homeoffice-Typ. Deshalb lasse ich das Büro hier – und gehe einfach nach Hause.“
Text: Melanie Müller von Klingspor