Donnerstag, 11. Juni 2026

Mit den Armen für die Armen

Alois Eichenlaub © Privat 

In Peru starb im Alter von 94 Jahren Pfarrer Alois Eichenlaub

Speyer/Peru. „Heute verabschiedet Cajamarca einen aufrechten Menschen, einen Freund des Volkes, einen Verteidiger der Menschenrechte und einen Hoffnungsträger, der sein Leben dem Aufbau einer gerechteren und geschwisterlichen Gesellschaft gewidmet hat.“ Mit diesen Worten würdigte ein örtlicher Fernsehsender in der peruanischen Andenstadt Cajamarca den Tod von Pfarrer i.R. Alois Eichenlaub. Der aus Herxheim bei Landau stammende Priester starb dort am 2. Juni im Alter von 94 Jahren.

Die Reaktionen aus seiner Wahlheimat zeigen, welche tiefen Spuren er in Peru hinterlassen hat. Weggefährten nennen den Priester und Befreiungstheologen einen „unermüdlichen Verteidiger des Lebens, der Würde des Volkes und der Kinder“, einen Hirten, „der bis zum letzten Tag an der Seite der Armen stand“. Dankbar erinnern sich viele an seinen gelebten Glauben, seine Menschlichkeit und seinen Einsatz für eine gerechtere Welt. 

Als junger Priester des Bistums Speyer ging Alois Eichenlaub 1962 nach Peru. Was als missionarischer Einsatz begann, wurde zu einer Lebensentscheidung. Mehr als sechs Jahrzehnte lebte und wirkte er in Cajamarca und teilte dabei den Alltag der Campesinos, der Landbevölkerung. Seit 1996 war er im Ruhestand.

Prägend wurde für Alois Eichenlaub die Zusammenarbeit mit Bischof José Dammert, einer Schlüsselfigur des kirchlichen Aufbruchs in Lateinamerika nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dammert gehörte zu den Wegbereitern jener Kirche, die sich bewusst an die Seite der Armen stellte. Diese Haltung bestimmte auch das Wirken von Alois Eichenlaub. „Mit den Armen für die Armen“, machte er zu seinem Leitmotiv. Seelsorge verstand er als gemeinsames Unterwegssein mit den Menschen. Die Armen sollten nicht Objekt kirchlichen Handelns sein, sondern Subjekt, sie sollten selbst Verantwortung übernehmen und Zukunft mitgestalten. 

Der Einsatz von Pfarrer Eichenlaub galt den Menschenrechten, er stellte sich an die Seite der Benachteiligten und machte immer wieder auf die Folgen der Ausbeutung von Mensch und Natur aufmerksam. Sein kompromissloses Eintreten brachte ihm dabei nicht selten Konflikte ein, auch innerhalb der Kirche.

Besonders am Herzen lagen ihm die Kinder und Jugendlichen. 1986 gründete er in Cajamarca MANTHOC, eine Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher. Für viele junge Menschen eröffnet die Initiative mit ihren Angeboten und Einrichtungen bis heute neue Perspektiven. Ebenso wirkte Alois Eichenlaub am Aufbau eines wegweisenden Medienzentrums mit und unterstützte zahlreiche Bildungs- und Sozialprojekte. 

Auch im Bistum Speyer wurde die Nachricht von seinem Tod mit großer Trauer aufgenommen. Familie, Freunde und Weggefährten erinnern an einen Priester, der unermüdlich Brücken zwischen Peru und Deutschland baute. Bei seinen regelmäßigen Heimatbesuchen berichtete Alois Eichenlaub über das Leben der Menschen in Cajamarca, über Jahrzehnte war er so ein lebendiges Bindeglied zwischen der Pfalz und Peru. Er förderte Partnerschaften zwischen Gemeinden und Schulen und ermöglichte zahlreichen jungen Menschen aus Deutschland einen Freiwilligendienst in Cajamarca. In einem Nachruf für Pfarrer Eichenlaub heißt es dankbar: „Dein Vermächtnis lebt fort in jedem Keim der Hoffnung, den Du gesät hast.“                                                           

 

Text: Norbert Rönn