Dienstag, 24. März 2026
Hilfe anzunehmen, ist kein Grund für Scham

Caritas-Mitarbeiterin Lydia Dauengauer und ihre Mutter in der Tagespflegeeinrichtung im Caritas-Altenzentrum St. Martha © Dr. Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer
Tagespflege-Angebote entlasten Angehörige und die Gäste kommen gerne
Speyer. Wenn die Pflege der eigenen Eltern oder des Partners zur Belastung wird, ist Unterstützung besonders wertvoll. Die Tagespflegeeinrichtungen der Caritas in Speyer – eine im Caritas-Altenzentrum St. Marta und eine von Caritas Dienste Mobil in der Petronia-Stein-Straße - entlasten Angehörige und bereiten den Senioren einen schönen Tag.
Pflege fordert Angehörige heraus. Manchmal so sehr, dass die eigenen Grenzen längst überschritten sind, bevor man sich eingesteht, dass die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen ohne Hilfe nicht mehr zu stemmen ist. Entlastung im Alltag, ein bisschen Zeit für sich selbst – es fällt schwer, sich das zu wünschen, denn oft scheint es selbstverständlich, dass man sich aufopferungsvoll um den Ehemann oder die eigenen Eltern kümmert.
Lydia Dauengauer kennt das nur zu gut. Die 65-jährige examinierte Krankenschwester arbeitet seit 1991 in der Altenpflege, zunächst im Caritas-Altenzentrum St. Matthias in Schifferstadt und nach dessen Schließung im Caritas-Altenzentrum St. Martha in Speyer. Aufgrund gesundheitlicher Probleme ließ sie sich zur sozialen Betreuerin umschulen und arbeitet nun in dieser Funktion. Sie weiß also, wie man mit betagten und dementiell erkrankten Menschen umgeht. Das ist ihr Job und der macht ihr viel Spaß.
Trotzdem ist auch sie als Pflegeprofi an ihre Grenzen gekommen, als sich bei ihrer heute 90 Jahre alten Mutter, die bei ihr zu Hause lebt, vor einigen Jahren die ersten demenziellen Veränderungen zeigten und immer mehr zunahmen. Lydia Dauengauer kümmert sich hingebungsvoll um die Mutter, unternimmt viel mit ihr. Doch das für sie manchmal herausfordernde Verhalten der geliebten Mutter, deren Stimmungsschwankungen, Verwirrtheit und Unruhe brachten Lydia Dauengauer an den Punkt, wo sie sich eingestehen musste: „Mein Mann und ich kommen mit ihr nicht mehr zurecht. Ich brauche eine Auszeit“. Das sei ihr unglaublich schwer gefallen und sie habe sich geschämt, als sie ihre Mutter vor einem halben Jahr zum ersten Mal in die Tagespflege des Caritas-Altenzentrums St. Martha brachte.
Die Einrichtung wurde 2008 eröffnet und ist an das Altenzentrum angegliedert. Sie bietet zehn Plätze pro Wochentag, jeweils von 8.30 bis 16.30 Uhr. Eine weitere Tagespflegeeinrichtung wird von den Caritas-Diensten Mobil (CDM) seit 2024 in der Petronia-Stein-Straße in Speyer betrieben. Das ist eine solitäre Einrichtung, also nicht an ein Altenzentrum angekoppelt. Sie hat 12 Plätze für Tagesgäste an Werktagen in der Zeit von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr.
Gudrun Wolter, Einrichtungsleiterin des Caritas-Altenzentrums St. Martha, und Monika Watzke, Pflegedienstleitung in der Tagespflege der CDM, erklären das Prinzip einer Tagespflegeeinrichtung. Die Gäste werden morgens von den Angehörigen oder gegen eine geringe Selbstbeteiligung von einem Fahrdienst der Malteser gebracht. Nach einem gemeinsamen Frühstück gibt es ein abwechslungsreiches Programm. Dazu gehören Gedächtnistraining, gemeinsames Zeitungslesen, Erzählrunden, Gymnastik und Bastelrunden. „Unsere Gäste basteln gern, denn die Mitarbeiterinnen haben immer schöne Ideen“, erzählt Monika Watzke. Sie seien mit viel Herzblut dabei und würden auch in ihrer Freizeit an der Dekoration für den Raum basteln oder sich neue Bastelprojekte ausdenken. An manchen Tagen kommen auch ehrenamtlich Mitarbeitende zu Besuch und machen zum Beispiel Musik mit den Tagesgästen. Nach dem Mittagessen wird ein bisschen in den gemütlichen Sesseln ausgeruht oder ein Nickerchen gehalten, bevor am Nachmittag wieder Programm ist. Den Tagesgästen gefällt es meist so gut, dass sie es schade finden, wenn sie am Nachmittag wieder abgeholt werden.
Die Gäste der Tagespflege am Caritas-Altenzentrum St. Martha sind auch eingeladen, wenn im Pflegeheim besondere Veranstaltungen stattfinden oder Feste gefeiert werden. Außerdem können sie den schönen Garten für einen Mittagsspaziergang nutzen, erklärt Gudrun Wolter. „Das gibt es bei uns nicht, aber wir stellen selbst viel auf die Beine“, sagt Monika Watzke.
Auch Lydia Dauengauers Mutter gefällt es in der Tagespflege sehr gut. Sie kommt inzwischen an drei Wochentagen und hätte nichts dagegen, noch häufiger zu kommen. Vom Besuch der Tagespflege profitieren also nicht nur die Angehörigen, die in der Zeit frei haben, sondern natürlich auch die Tagesgäste, die die Abwechslung im Alltag und die Gesellschaft genießen. Das stellen auch viele neue Besucher fest, die, bevor sie sich für eine Tagespflege entscheiden, gerne zum Schnuppern kommen dürfen.
Die Tagesgäste sind zwischen 60 und weit über 90 Jahre alt und haben in der Regel mindestens Pflegegrad 2. Das ist wichtig für die Finanzierung, erklärt Gudrun Wolter: „Was viele nicht wissen: für den Besuch einer Tagespflegeeinrichtung gibt es bei der Pflegekasse einen Extra-Topf. Ein Zusatzbetrag, der unabhängig von Pflegegeld und Pflegesachleistungen genutzt werden kann.“
Lydia Dauengauer hat ihre Geschichte gerne erzählt, sie möchte anderen Angehörigen Mut machen, Hilfe anzunehmen und eine Tagespflege auszuprobieren. „Es muss sich niemand dafür schämen“, sagt sie. Ihrer Mutter würde es wohl auch gefallen, ins benachbarte Pflegeheim einzuziehen. Sie hat es bereits kennengelernt. „Aber ich bin noch nicht so weit, sie ins Heim zu geben“, sagt sie und streichelt ihrer Mutter über den Arm.
Kontakt:
Tagespflege Caritas-Altenzentrum St. Martha, Schützenstraße 18c, Telefon: 06232-1351800
Tagespflege am Priesterseminar, gemeinnützige CDM, Petronia-Steiner-Straße 3, Telefon: 0174-2193212
Text: Dr. Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer