Dienstag, 12. Mai 2026
Tag der Religionslehrkräfte 2026: Franz und Klara von Assisi als Impulsgeber für religiöse Bildung heute
Speyer. Rund 60 Religionslehrkräfte kamen zum Tag der Religionslehrkräfte 2026 im Pastoral- und Pristerseminar Speyer zusammen, der in diesem Jahr unter dem Thema „Franz und Klara von Assisi“ stand. Im Mittelpunkt des Fortbildungstages standen die spirituellen, pädagogischen und gesellschaftlichen Impulse, die von den beiden Gründergestalten der franziskanischen Bewegung bis heute ausgehen.
Die Teilnehmenden setzten sich in Vortrag, Austausch und Workshops mit der Frage auseinander, welche Bedeutung die Botschaft von Franz und Klara für Gesellschaft und Schule, besonders den Religionsunterricht heute haben kann. Schon am Vormittag wurde klar: Franz und Klara stehen nicht nur für eine vergangene Frömmigkeitsgeschichte, sondern für eine Haltung, die auch gegenwärtige Herausforderungen berührt – etwa das friedliche Zusammenleben verschiedenster Menschen und ihren Religionen und Weltauffassungen, der Umgang mit Schöpfung, Armut, Macht, Gemeinschaft und einer glaubwürdigen Kirche.
Einen zentralen Akzent setzte Dr. Martina Kreidler-Kos, Leiterin des Seelsorgeteams des Bistums Osnabrück, die als ausgewiesene Kennerin der franziskanischen Spiritualität gilt. In ihren sehr lebendigen Ausführungen machte sie deutlich, dass Franz und Klara Menschen waren, die ihr Leben radikal aus dem Evangelium heraus verstanden. Ihre Botschaft sei deshalb auch heute relevant: Sie ermutige dazu, einfacher, achtsamer und beziehungsorientierter zu leben, Gott mehr zuzutrauen als gesellschaftlichen Konventionen und Kirche immer wieder von ihren Ursprüngen her neu zu denken. Kreidler-Kos beschreibt Klara von Assisi an anderer Stelle als eine Gestalt, deren Weg Mut macht, „aufs Ganze zu gehen“ und Glauben nicht nur als innerliche Überzeugung, sondern als konkrete Lebensform zu verstehen.
Auch Franz von Assisi wurde nicht nur als „Heiliger der Schöpfung“ betrachtet, sondern als herausfordernde Figur für Gegenwart und Unterricht: Seine Sensibilität für die Geschöpfe, sein Einsatz für Frieden und seine Nähe zu den Armen und Ausgegrenzten eröffnen Zugänge zu aktuellen Fragen religiöser Bildung. Gerade im schulischen Kontext kann seine Botschaft helfen, mit Schülerinnen und Schülern über Verantwortung, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Menschenwürde ins Gespräch zu kommen.
Die Workshops zu Franz und Klara vertieften diese Impulse praxisnah und zeigten, dass die Lebensgeschichten von Franz und Klara vielfältige didaktische Möglichkeiten eröffnen: Sie können Schülerinnen und Schüler dazu anregen, eigene Lebensmaßstäbe zu reflektieren, religiöse Sprache neu zu erschließen und Glauben als Haltung zu entdecken, die sich in konkretem Handeln zeigt.
Besonders eindrücklich war die Verbindung von theologischer Vertiefung und unterrichtspraktischer Umsetzung. Der Tag bot Raum für fachlichen Austausch, persönliche Reflexion, kollegiale Vernetzung und spiritueller Impulse. Viele Teilnehmende nahmen Anregungen mit, wie die franziskanische Tradition im Religionsunterricht nicht museal, sondern existenziell und gegenwartsbezogen erschlossen werden kann.
Der Tag der Religionslehrkräfte 2026 machte deutlich: Franz und Klara von Assisi haben auch heute etwas zu sagen – nicht als unerreichbare Idealfiguren, sondern als Menschen, die durch ihre Konsequenz, ihre Gottesbeziehung und ihre Sensibilität für Mensch und Schöpfung Orientierung geben können. Für den Religionsunterricht liegt darin eine besondere Chance: Die Botschaft von Franz und Klara eröffnet Lernräume, in denen Glaube, Verantwortung und Lebensgestaltung miteinander ins Gespräch kommen.
Text: Bettina Reichmann
