Freitag, 23. Oktober 2020

Familienbund verschiebt Mitgliederversammlung

Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes 

Präsident Ulrich Hoffmann im Interview zu den Auswirkungen der Corona Pandemie auf Familien

Ludwigshafen. Der Familienbund hatte für Montag, den 26. Oktober 2020 zu seiner diesjährigen Diözesanversammlung ins Heinrich-Pesch-Haus, Ludwigshafen, eingeladen. „Wegen der stark steigenden Corona Fall Zahlen haben wir uns schweren Herzen entschlossen die Veranstaltung auf das kommende Frühjahr zu verschieben“, so teilt der Vorsitzende Manfred Gräf mit. Geplant war unter anderem ein Themenabend „Der synodale Weg und der Visions-prozess Segensorte – Auf der Suche nach einer erneuerten Gestalt von Kirche“. Ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion hatten zugesagt: Katharina Goldinger, Ansprechperson Synodaler Weg im Bistum Speyer; Theo Wieder, Mitglied im Synodalen Weg und Mitglied Zentralkomitee d. Katholiken; Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes.

„Mit unserem Präsidenten konnten wir dennoch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation zu den Auswirkungen der Corona Pandemie auf Familien ein Interview führen“, so Gräf.

Interview mit Ulrich Hoffmann

Herr Hoffmann, wie reagieren Sie als Familienbund der Katholiken auf die aktuelle Corona-Pandemie?                                                               
Hoffmann: Wir beobachten die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie sehr genau, insbesondere auch die staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Davon ausgehend leiten wir unsere Forderungen an die Politik für Familien ab, die in ihrer Lebensführung ja besonders betroffen sind. Es darf sich im Herbst nicht wiederholen, was im Frühjahr und Sommer allzu schnell bei der Hand war, nämlich die Schließung von Schulen, Kitas und Spielplätzen oder die Isolation von alten, pflegebedürftigen und sterbenden Menschen in Heimen oder Krankenhäusern. Mit Blick auf die Menschenwürde ist es uns in der aktuellen Situation besonders wichtig, dass sich die Generationen untereinander solidarisch zeigen.

Was wünschen Sie sich von der Politik?
Hoffmann: Die Politik sollte Familien in ihrer aktuell sehr herausfordernden Lebenssituation nach Kräften unterstützen. Dazu gehören nicht zuletzt die Finanzen, also ein auf die Dauer der Krise angepasstes „Corona-Elterngeld“, damit insbesondere Eltern mit kleinem und mittlerem Einkommen mehr Geld für die Lebensführung mit Kind bleibt. Und die Politik sollte endlich zeitpolitische Konzepte weiterdenken. Zukunftsweisende Wege, Familie und Erwerbsarbeit in Einklang zu bringen, liegen in einem planvollen Nacheinander, entschleunigt und lebensphasengerecht. In der Wissenschaft seit Jahren diskutierte Modelle wie das der „Atmenden Lebensläufe“ ermöglichen Eltern Optionszeiten über die gesamte Erwerbsbiografie mit der Möglichkeit, beruflich kürzerzutreten, wann immer das familiär für die Sorge von Kindern oder Angehörigen nötig ist. Gerade die Corona-Pandemie zeigt, dass die Familienpolitik in Deutschland endlich ihren instrumentellen Charakter abstreifen, ihre Arbeitsmarktorientierung überwinden und die Zeitpolitik entdecken muss.

Und von der Wirtschaft?
Hoffmann: Die Tarifparteien und die Arbeitgeber müssen mit Blick auf die jetzt besonders stark unter Druck stehenden Väter und Mütter unter den Beschäftigten Lösungen finden und etablieren, die den Eltern größtmögliche Flexibilität und Sicherheit bei ihrem Spagat zwischen Familie und Beruf ermöglicht. Home-Office ist davon ja nur ein Aspekt. Eine staatliche Aufgabe muss es sein, Unternehmen unter die Arme zu greifen, die durch die aktuelle Krise in eine Schieflage geraten. Denn wenn wegen Insolvenzen und Arbeitslosigkeit Gehälter komplett ausfallen, wäre das für Familien eine echte Katastrophe.

Was ist die Rolle der Kirche in dieser Krise?     
Hoffmann: Ich wünsche mir eine Kirche, die in diesen Zeiten Hoffnung macht, eine Kirche, die für die Botschaft steht, dass Gott den Menschen nicht im Stich lässt. Ich wünsche mir eine Kirche, die gerade auch in dieser Krise den Blick über unser Land hinaus richtet und solidarisch ist und Solidarität organisiert im weltweiten Maßstab. Die Pandemie lädt dazu ein, den eigenen Lebensstil zu überdenken, sei es ganz persönlich und privat, sei es aber auch gesamtgesellschaftlich und wirtschaftlich. Wir erleben, wie machtlos wir sind, wie schnell Pläne durchkreuzt werden können, dass eben vieles nicht machbar ist. Ich wünsche mir eine Kirche, welche die Diskussion anregt, wie wir zukünftig leben wollen. Und schließlich wünsche ich mir eine Kirche, die gerade angesichts von Covid19 die weit verbreitete Tabuisierung menschlichen Sterbens aufbricht und eine Deutung des Todes in einer Hoffnungsperspektive wagt.

Welche konkreten Empfehlungen für Mütter, Väter und Kinder haben Sie als katholischer Verband?           
Hoffmann: In der aktuellen außergewöhnlichen Lage sind klare und hoffnungsvolle Botschaften für Eltern ganz entscheidend: Die meisten Eltern leisten auch in dieser Ausnahmesituation für ihre Kinder und Angehörigen Großartiges! Diese Kraftanstrengungen lohnen sich und sind ein ganz entscheidender Beitrag, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten. Eltern können sich außerdem immer wieder sagen: Es wird auch wieder ein unbeschwertes Familienleben nach Corona geben. Sicher nicht morgen und nächste Woche, aber Pandemien werden immer überwunden und die Entwicklung eines Impfstoffs und hilfreicher Medikamente rückt in immer greifbarere Nähe. Wir müssen aber auch sagen: Die Krise wird umso schneller überwunden sein, je größer die Selbstdisziplin ist, mit der jetzt die Menschen in unserem Land ihr Leben führen. Folgen wir also in jedem Fall den Empfehlungen von Politik und Behörden, damit wir alle rasch wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können. Als Christ bin ich voller Hoffnung und Zuversicht, dass wir die Pandemie bald überwunden haben werden.


Dem Familienbund der Katholiken im Bistum Speyer gehören 11 Mitgliedsverbände beziehungsweise Einrichtungen an. Der Familienbund der Katholiken ist der mitgliederstärkste Familienverband Deutschlands. Ihm gehören 25 Diözesan-, 10 Landes- und 15 Mitgliedsverbände auf Bundesebene an.

Text/Foto: Familienbund