Mittwoch, 09. Dezember 2020

„Seelsorge verlässlich und nah bei den Menschen gewährleisten“

Dr. Thomas Kiefer, Leiter der Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen 

Interview mit Dr. Thomas Kiefer zum neuen Leitungsmodell für die Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg

Speyer/Homburg. Im Februar dieses Jahres startete im Bistum Speyer eine Arbeitsgruppe mit dem Auftrag, auf der Basis des Kirchenrechts ein neues Leitungsmodell für die Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg zu entwickeln. Dr. Thomas Kiefer, Leiter der Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen, gab bei der Diözesanversammlung einen Rückblick auf die Entstehung des Modells und präsentierte das Ergebnis der Arbeitsgruppe. Mit der Erprobung eines neuen Leitungsmodells in der Pfarrei Heilig Kreuz Homburg will das Bistum Speyer auf veränderte personelle Voraussetzungen und pastorale Anforderungen eine Antwort geben. Vorgesehen ist die Bildung eines Pfarreiteams von Haupt- und Ehrenamtlichen, dessen Mitglieder in unterschiedlichem Umfang Leitungsaufgaben wahrnehmen.
 
Aus welchen Gründen hat das Bistum den Plan gefasst, für die Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg ein neues Leitungsmodell zu entwickeln?

Thomas Kiefer: Hier sind gleich mehrere Gründe zu nennen: Es gibt immer weniger Menschen, die sich für einen pastoralen Beruf entscheiden. Und es nimmt die Zahl der Priester ab, die bereit sind oder auch die Kraft haben, einer großen Pfarrei mit mehreren Gemeinden vorzustehen. Gleichzeitig zeigt uns die Ehrenamtsforschung, dass sich Ehrenamtliche viel eher finden, wenn ihnen ein verlässlicher Verantwortungsbereich zugeschrieben wird, wo sie selbstverantwortlich agieren können.

In der Pfarrei Heilig Kreuz Homburg verabschiedete sich im Jahr 2020 Pfarrer Markus Hary, um einen  neue Pfarrei zu übernehmen. Und gleichzeitig signalisierten die verbleibenden Mitglieder im Pastoralteam der Personalabteilung, dass sie sich durchaus vorstellen könnten, zusammen mit Ehrenamtlichen gemeinsam Verantwortung für die Seelsorge in Homburg zu übernehmen. Nun galt es, einen Priester zu suchen, der ebenfalls Interesse hat, im neuen Pfarreiteam mitzuarbeiten. Und dieser Priester wurde in Pfarrer Andreas Jacob gefunden. Aktuell steht man in der Pfarrei Heilig Kreuz vor der Aufgabe, vier Ehrenamtliche dafür zu gewinnen, sich in das Pfarreiteam hineinwählen zu lassen. Deshalb wurde in Homburg eine Werbeaktion gestartet und dafür eine Art „Stellenanzeige“ veröffentlicht. Nun sind alle gespannt, wer sich für diese Aufgabe interessiert.

 
Welchen Spielraum gibt das Kirchenrecht für alternative Leitungsmodelle in Pfarreien?

Thomas Kiefer: Grundsätzlich gibt das Kirchenrecht vor, dass im „Normalfall“ eine Pfarrei von einem geweihten Priester als Pfarrer geleitet wird. Im Kirchenrecht ist auch vorgesehen, dass mehrere Priester gemeinsam diese Leitungsaufgabe übernehmen können. Aus den soeben aufgeführten Gründen werden in den deutschen Diözesen zurzeit noch weitere, ganz unterschiedliche Modelle ausprobiert: So gibt es Diözesen, in denen sich der leitende Pfarrer die Leitungsaufgabe mit Diakonen, Gemeinde- oder Pastoralreferentinnen/Gemeinde- und Pastoralreferenten teilt. Mir ist auch bekannt, dass es Diözesen gibt, in denen man neben der Leitungsvollmacht des Pfarrers auch eine Leitungsvollmacht von Haupt- oder Ehrenamtlichen auf Gemeindeebene kennt.

In sieben deutschen Diözesen hat man sich entschieden, die Leitung einer Pfarrei nach  Canon 517 § 2 des kirchlichen Gesetzbuches zu regeln. Dieser besagt, dass aufgrund von Priestermangel die Verantwortung für die Seelsorge auch einem Diakon oder anderen Personen oder einer Gemeinschaft von Personen, die keine Weihe erhalten haben, übertragen werden kann. Voraussetzung ist allerdings, dass die Verantwortung für die Pastoral noch einmal rückgebunden sein muss an einen sogenannten „moderierenden Priester“. Von den sieben Bistümern haben sich die Bistümer Essen, Limburg, München und Speyer entschieden, Ehrenamtliche in diese Gemeinschaftsverantwortung mit einzubeziehen.

Gerade die Einbindung von Ehrenamtlichen war ein wichtiges Anliegen von Bischof Dr. Wiesemann. Gleichzeitig wollte er die Neueinführung eines neuen Leitungsmodells auf einer kirchenrechtlich abgesicherten Grundlage wissen. Für die Pfarrei Heilig Kreuz Homburg ist als moderierender Priester Domkapitular Vogelgesang vorgesehen, der als Leiter der Hauptabteilung Seelsorge das Pfarreiteam fachlich begleiten soll, die Prozesse in der Pfarrei beobachten, Fehlentwicklungen zum Beispiel im Hinblick auf Konflikte oder auch im Hinblick auf Vorgaben der Diözese oder des Kirchenrechts entgegensteuern und für eine Verbindung von Pfarrei und Bistum sorgen soll.

 
Beabsichtigt das Bistum, das Leitungsmodell der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg auch auf andere Pfarreien im Bistum zu übertragen?

Thomas Kiefer: Die von Generalvikar Andreas Sturm eingesetzte Arbeitsgruppe „Neue Leitungsmodelle“ hat zum einen den Auftrag bekommen, zusammen mit den Engagierten in der Pfarrei Heilig Kreuz für eine Umsetzung des oben genannten Leitungsmodells zu sorgen. Zum anderen soll die Arbeitsgruppe – ausgehend von den Homburger Erfahrungen – ausloten, ob und wo das Homburger Modell auch hilfreich sein kann für andere Pfarreien. Dabei ist durchaus denkbar, mit anderen Pfarreien noch andere Varianten von Leitung zu testen. Uns kommt es in der Arbeitsgruppe drauf an, zusammen mit den Betroffenen Lernerfahrungen machen zu können, um diese dann wieder unseren Pfarreien zur Verfügung zu stellen.  
 

Faltblatt zum neuen Leitungsmodell zum Herunterladen