Freitag, 22. Januar 2021

Impfaktion im Altenzentrum nervenaufreibend

Kleiner Piks, hoffentlich große Wirkung: Jonas Braun vom mobilen Impfteam des DRK Enkenbach-Alsenborn impft Maria Walz als erste Bewohnerin des Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl. 

Im Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl 108 Personen geimpft – Turbulenzen um den Termin und die Anzahl der Impfdosen

Landstuhl. „Links- oder Rechtshänderin“, fragt Jonas Braun vom mobilen Impfteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Enkenbach-Alsenborn. „Rechtshänderin“, sagt Maria Walz. Deshalb heißt es für sie, den Ärmel am linken Arm hochkrempeln. Braun setzt an ihrem freigelegten Oberarm die Spritze an. „Nur ein kleiner Piks“, verspricht er. Und er hält sein Versprechen. Damit ist Maria Walz die erste Bewohnerin des Caritas-Altenzentrums St. Nikolaus in Landstuhl, die gegen Covid 19 geimpft wird.

Ein kleiner Piks für die 98-jährige Bewohnerin, ein größerer Schritt für die Einrichtung, in der am Donnerstag 90 Prozent der Bewohner und 75 Prozent des Personals die erste von zwei Covid-19-Impfungen erhielten. Nach nervenaufreibenden Tagen, denn der seit geraumer Zeit für das Seniorenheim geplante Impftermin rutschte genau in die Phase, in der im Land und bundesweit wieder alle Impfpläne auf den Kopf gestellt werden, weil es auf Lieferantenseite Engpässe gibt. Rheinland-Pfalz erhält bis Mitte Februar voraussichtlich 30.000 Impfdosen weniger als geplant.
Nervenaufreibend, so schildert Einrichtungsleiter Thomas Matz die Tage und Stunden vor dem Impfbeginn. Am 12. Januar hatte Matz die Einrichtung in Landstuhl als impfbereit gemeldet. Am 13. Januar gab es Aufklärungsgespräche mit den Hausärzten, „und bei diesem Termin habe ich auch Impfärzte gewonnen“, schildert Matz. Er rief daraufhin wieder bei der Impfkoordinationsstelle in Mainz an und wies darauf hin, dass Impfärzte für die Einrichtung zur Verfügung ständen. Deshalb habe er gebeten, dass schnellstmöglich ein Impftermin angesetzt wird. Vorsorglich wurden den Koordinatoren in Mainz – in Absprache mit den Hausärzten – drei mögliche Termine genannt. Am 15. Januar wurde der Impftermin 21. Januar von Mainz bestätigt. Just an dem Tag wurde aber auch publik, dass es bundesweit zu einem Impfdosen-Engpass kommt.

Der schien auch das Caritas-Altenzentrum in Landstuhl zu treffen - trotz aller akribischer Vorbereitungen, um den Impftermin so zügig wie möglich durchziehen zu können. „Am 20. Januar, einen Tag vor dem geplanten Impftermin, erhielt ich den Anruf aus Mainz, dass der Impftermin abgesagt ist. Als Grund wurde der Mangel an Impfdosen genannt“, erzählt Matz. Das gesamte Team des Hauses – vom Verwaltungs- über das Pflege- bis hin zum Betreuungspersonal -- war gefordert, „ quasi alles wieder rückgängig zu machen, was wir vorbereitet hatten. Alle Betroffenen mussten informiert werden“, sagt Matz.  Kaum war das geschehen, gab es die erneute Rolle rückwärts. Am Nachmittag erhielt Matz den Anruf: „Es wird doch geimpft!“ Sein Team habe hervorragende Arbeit geleistet, lobt er, denn es wurde binnen kurzer Zeit alles wieder auf Impf-Anfang gestellt. Erneut hieß es unzählige Beteiligte informieren. Jetzt darüber, dass doch geimpft wird. „Es ist schon fast unglaublich, was den Teams in den Seniorenheimen zugemutet wird“, sagt Matz.

Am 19. Januar meldete Matz, dass im Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus 108 Impfdosen benötigt werden. Dann am Impftag selbst die nächste Hiobsbotschaft. Es kamen nur 90 Impfdosen. Matz setzte alle Hebel in Bewegung, weil „es für mich nicht darstellbar war, dass ich impfbereiten Mitarbeitern sagen muss, ihr werdet jetzt doch nicht geimpft“, schildert er das Dilemma, das sich um 10.30 Uhr abzeichnete. Eine halbe Stunde vor dem geplanten Impfbeginn. Ein großes Lob verteilt Matz an die zuständigen Mitarbeiter der Kreisverwaltung Kaiserslautern. „Auch die haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und haben uns die fehlenden Impfdosen besorgt“, freute er sich riesig über diese schnelle Hilfe.

Das Impfteam unter der Leitung von Sabrina Putz, dem die niedergelassenen Ärzte Udo Scherer und Klaus Klug angehörten, konnte mit dem Impfen beginnen. „Einen kleinen Piks habe ich gespürt. War nicht schlimm“, sagte Maria Walz, die ursprünglich aus Breitenbach kommt. „Für mich war klar, dass ich mich gleich impfen lasse“, sagt die 98-Jährige und hofft, dass durch die Impfung – eine zweite ist noch notwendig, um den erhofften Schutz tatsächlich zu entwickeln – wieder ein etwas normaleres Leben möglich wird.

Vorerst sei aber klar, sagt Matz, dass es trotz Impfstarts für die Besucher bei den aktuellen Regelungen für Heimbesuche, die die jeweils gültige Landesverordnung vorgibt, bleiben wird. Das heißt an sieben Tage pro Woche ist aktuell sechs Stunden Besuchszeit. Wer ins Caritas-Altenzentrum möchte, muss zunächst einen Corona-Schnelltest absolvieren oder einen negativen Test vorweisen und eine entsprechende Maske tragen.

Für die Vorbereitungen seitens des Heimes gab es vom Impfteam viel Lob. Und auch die Geimpften, die nach dem kleinen Piks noch überwacht wurden, kamen gut klar. Beim gemeinsamen Gulaschsuppe-Essen endete der Impftag, dem so viel Aufregung vorangegangen war, doch noch entspannt. Zu Ende ist die Arbeit rund ums Impfen aber noch nicht. Die erstellten Dokumentationen sind fertigzustellen und dann gilt es den zweiten Impftermin inklusive neuerlicher Dokumentationen vorzubereiten. Wann der stattfindet? Voraussichtlich in etwa vier Wochen. Bedingt durch die aktuelle Impfstoffknappheit.

Text/Foto: Andrea Daum für den Caritasverband für die Diözese Speyer