Sonntag, 04. April 2021

„Der Tod ist immer schon hinter uns, vor uns ist die Liebe“

In der Vorhalle des Domes wurde am Osterfeuer die Osterkerze entzündet. 

Weihbischof Otto Georgens ermutigt in Ostergottesdiensten dazu, dem auferstandenen Jesus inmitten des Alltags mit all seinen Widersprüchen zu begegnen

Im Speyerer Dom zelebrierte Weihbischof Otto Georgens in Vertretung für den erkrankten Diözesanbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die Feier der Osternacht. In der Vorhallte des Domes wurde das Osterfeuer entzündet. Von dort aus wurde die brennende Osterkerze in den dunklen Dom getragen.

„Die Osterbotschaft nimmt uns nicht aus unserer Welt. Im Gegenteil: Die Osterbotschaft schickt uns in unsere Welt“, betonte Weihbischof Georgens in seiner Predigt. Er rief dazu auf, dem auferstandenen Jesus inmitten des Alltags mit all seinen Widersprüchen und in der „konkreten Welt, in der wir leben“, zu begegnen. „Hier und nirgendwo anders ist der Ort unserer Bewährung, der Ort unseres Glaubens, der Ort unserer Begegnung.“ Die Zusage „Er geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen“ enthalte den Hinweis, Jesus in all denen zu erkennen, mit denen er sich solidarisiert hat: „mit den Gebeugten, mit den Zerschlagenen, mit den Unterdrückten, mit den Fremden, mit den Arbeitslosen, mit den Gefangenen.“ Ohne Angst sei Jesus auf die Menschen zugegangen und habe mit ihnen das Brot gebrochen. „Er hat die Menschen geliebt, schrankenlos und grundlos, bedingungslos und umfassend - bis zum letzten.“ Die Botschaft von der Auferstehung erzähle mehr als nur vom leeren Grab. „Sie erzählt vom lebendigen Herrn, auf den hin, ja mit dem wir leben können.“ Weihbischof Georgens machte Mut zu einem Leben ohne Angst. Jesus habe durch seinen Tod und seine Auferstehung gezeigt: „Der Tod ist immer schon hinter uns, vor uns ist die Liebe.“

Predigt von Weihbischof Georgens in der Osternacht

Streaming-Übertragung der Osternacht

„Gott hat uns nicht zum Frust geschaffen, sondern zum Glück“

In der Predigt beim Gottesdienst am Ostersonntag ging Weihbischof Georgens der Frage nach: Wann ist Ostern? „Wenn die Ostersträucher blühen, die Mandelbäume an der Weinstraße, wenn Narzissen aufgehen?“ Die Natur bezeichnete Georgens als ein Zeichen des Lebens und der Freude. „Es soll ja die ganze Schöpfung erlöst werden. Was dürr ist, soll blühen.“ Die große Auferstehung erschließe sich in kleinen Erfahrungen des Lebens und der Auferstehung. Ostern finde auch nicht für alle zur gleichen Zeit statt. „Manche sind noch beim Gründonnerstag der Angst, andere beim Schweigen des Karsamstags, viele leben vor dem Aschermittwoch in der Erlebnisgesellschaft ohne Verantwortung und ohne Entschiedenheit. Manche sind einfach verlassen wie Jesus am Karfreitag.“

Ostern ereigne sich mitten im Alltag als „Auferstehung aus Sorgen, aus festgefahrenen Situationen, aus Stress und Qual“. Auferstehung, das seien „Erfahrungen des Glücks, der Lebensfreude und der intensiven Beziehung“. Gott sei ein Freud des Lebens und habe sich diese irdischen Freuden für die Menschen ausgedacht: „Er hat uns nicht zum Frust geschaffen, sondern zum Glück.“ Für Weihbischof Georgens sind es die „Erfahrungen der kleinen Auferstehung und der kleinen Freude im Alltag, die uns die Auferstehung Jesu erschließen“.

Predigt von Weihbischof Otto Georgens am Ostersonntag

 

Text: is / Fotos: Klaus Landry