Mittwoch, 21. April 2021

Der Speyerer Dom 2021 - Rückblick und Ausblick

Dombaumeisterin Drabik zeigt die Schäden an der Vierung des Domes. 

Virtuelles Mediengespräch zu aktuellen Themen und Herausforderungen

Speyer. In einem virtuellen Mediengespräch gab das Dom-Team Auskunft am 21. April 2021 zu den aktuellen Themen und Herausforderungen am Dom. Domdekan und Domkustos Dr. Christoph Kohl machte deutlich, dass man sich am Dom tagtäglich Gedanken macht, wie der Dom auch zu Zeiten der Corona-Pandemie als Ort des Glaubens und als Denkmal erhalten und erfahren werden kann.

„Diese Zeit ist für uns alle nicht einfach und hat uns vor ungeahnte Herausforderungen gestellt“, sagt Domdekan Dr. Christoph Kohl. „Wir konnten den Dom immer geöffnet halten, Gottesdienste sind mit Abstand und ohne gemeinsamen Gesang möglich und bei den Baumaßnahmen gibt es nur wenige Corona-bedingte Verzögerungen. In der Musik leidet die Nachwuchsarbeit, und wir haben viel weniger Besucherinnen und Besucher hier vor Ort, was einfach sehr schade ist. In allen Bereichen suchen wir mit großer Energie nach Wegen, Menschen zu erreichen und zu unterstützen. Ich versende wöchentlich einen Impuls zum Leben in der Corona-Ausnahmesituation und für die Andachten im Advent, der Fastenzeit und zuletzt nach Ostern haben wir sehr viel positiven Zuspruch bekommen. Überhaupt sind die Menschen sehr dankbar für das, was möglich ist. Diesen Dank möchte ich hier ausdrücklich weiter geben an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dom-Teams, an die Ehrenamtlichen und unsere Förderer.“

Raum für Gebet und Gottesdienste
Der Dom war seit Beginn der Pandemie keinen Tag geschlossen. Nachdem die öffentlichen Gottesdienste im Frühjahr 2020 vorübergehend ausgesetzt wurden, werden seit 11. Juni 2020 wieder durchgehend Gottesdienste gefeiert - immer in Absprache mit den Behörden und nach den geltenden Corona-Regeln. Gottesdienste werden derzeit mit maximal 100 Teilnehmern, Datenerfassung, festen Sitzplätzen und ohne gemeinsamen Gesang gefeiert. „Es gibt viele Angebote für Menschen, die zu Hause bleiben müssen oder möchten. Wir wollen aber auch Angebote für die machen, die in den Dom kommen möchten, um zu beten oder eine Messe zu feiern“, so der Domdekan.  Als Neuerung wurden in der Adventszeit Andachten mit besonderer musikalischer Gestaltung angeboten, die in der Fastenzeit, nach Ostern und nun auch im Mai weiter geführt werden. In diesen Andachten wird immer auch der an und mit Corona verstorbenen Menschen gedacht.

Bauerhalt
Bei den Maßnahmen zum Bauerhalt lief 2020 alles nach Plan. Auf Grund der sinkenden Kirchensteuereinnahmen ist für die Folgejahre jedoch mit einem Sparkurs zu rechnen. Umso wertvoller sei daher, so Kohl, die Unterstützung durch die Förderinstitutionen. Der Dombauverein ermögliche mit seinen jährlichen Zuwendungen von aktuell 130.000 Euro, dass große, mehrjährige Baumaßnahmen angegangen werden könnten. Die Europäische Stiftung fördert jeweils bestimmte Projekte – aktuell liegen Zusagen für die Finanzierung einer neuen Pfeifenorgel in der Afrakapelle, des Chorpodestes im Königschor und die Finanzierung der Erneuerung der Lautsprecheranlage vor. Über die Stiftung fließen auch zweckgebundene Einzelspenden an den Dom, wie von Dr. Manfred Fuchs, der mit 15.000 Euro die Sanierung der Vierungskuppel unterstützt, und von S.K.H. Henri, Großherzog von Luxemburg, der mit 11.000 Euro die Vergoldungsarbeiten am Epitaph seines Urahns Adolf von Nassau finanziert. Weitere Unterstützung kommt von der Dr. Albrecht und Hedwig Würz-Stiftung der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Südliche Weinstraße. Durch deren Mittel werden Untersuchung und Restaurierung des berühmten Habsburg-Epitaphs in der Krypta des Doms finanziert. Alle substanzerhaltenden Maßnahmen unterstützt das Land Rheinland-Pfalz mit einer Kostenübernahme in Höhe von 40 Prozent.

Weitere Informationen zu den Baumaßnahmen: https://www.dom-zu-speyer.de/news/baumassnahmen/

Clip zu den Arbeiten an der Vierung auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=rkRGZs5uLTA

Besucherbetrieb
Die gravierendsten Auswirkungen der Pandemie erlebt der Besucherbetrieb. Bei den Führungen war es 2020 nur ein Fünftel, bei den Besuchern etwa ein Drittel der Menge der „Vor-Corona“-Jahre. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern für Krypta und Kaisergräber sowie Turm und Kaisersaal haben sich etwa halbiert. Der Verlust zeigt sich zum einen finanziell, vor allem aber fehlt hier der direkte Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern, da keine Führungen angeboten werden können und die Dom-Info seit November geschlossen ist. Im laufenden Jahr fährt der Bereich Besucher- und Kulturmanagement auf Sicht. Es bleibt die Hoffnung, dass das große Jubiläum „40 Jahre UNESCO-Welterbe Dom zu Speyer“ Ende Oktober live und vor Ort gefeiert werden kann. Unterdessen denkt sich das Team neue Formate aus – von Online-Führungen bis zu „Dom im Dunkeln“.

Weitere Informationen zum Besucherbetrieb: https://www.dom-zu-speyer.de/news/besucherbetrieb/

Dommusik
Bei der Dommusik besteht die größte Herausforderung darin, die Chorarbeit aufrecht zu erhalten. Des Weiteren mussten hier immer wieder Wege gesucht werden, wie Gottesdienste in der weltgrößten romanischen Kirche auch in kleinster Besetzung würdig und angemessen musikalisch gestaltet werden können. Die dabei überaus erfolgreiche Andachtsreihe „Halte.Punkt.Advent“ wurde zunächst in der Fastenzeit mit „Halte.Punkt.Kreuz“ und dann in der Osterzeit mit „Halte.Punkt.Ostern“ und im Marienmonat Mai mit „Halte.Punkt.Maria“ fortgesetzt. Freuen kann sich die Dommusik in diesem Jahr über eine neue Orgel in der Afrakapelle, dem Ort, an dem im Dom die meisten Gottesdienste gefeiert werden. Ein Chorpodest für den Königschor ist derzeit in Planung.

Weitere Informationen zur Dommusik: https://www.dom-zu-speyer.de/news/dommusik/

Foto: Domkapitel/Videoausschnitt