Donnerstag, 23. September 2021

Fest der Domweihe mit Bischof Wiesemann

Luftaufnahme des Doms von Südost 

Pontifikalamt zum 960. Jahrestag der Weihe der romanischen Kathedrale

Speyer. Aus Anlass des 960. Jahrestages der Domweihe feiert Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann am Sonntag, 3. Oktober, im Speyerer Dom ein Pontifikalamt. Der festliche Gottesdienst beginnt um 10 Uhr. Um 16.30 Uhr sind die Gläubigen zu einer Pontifikalvesper mit dem Bischof Wiesemann in den Dom eingeladen. Der Konzertchor des Mädchenchores und die jungen Männerstimmen der Domsingknaben singen im Pontifikalamt die "Missa secunda" von Hans Leo Hassler sowie die Motette "Laudate Dominum" von Christopher Tambling. Die Vesper wird von der Schola Cantorum Saliensis gestaltet. Die Orgel in allen Gottesdiensten spielt Domorganist Markus Eichenlaub.

Eine Voranmeldung zum Gottesdienst wird empfohlen:
Online unter https://www.kirchen-in-speyer.de/de/was-angebote/gottesdienste/katholische-gottesdienste/im-dom/ oder über das Pfarramt der Dompfarrei, Telefon: 06232 / 102-140, E-Mail: pfarramt.speyer@bistum-speyer.de

Es wird darum gebeten, zum Besuch des Gottesdienstes einen Immunisierungsnachweis mitzubringen.

Zum Hintergrund: Die historische Domweihe

An der Weihe des Speyerer Doms im Jahr 1061 nahmen Kaiserin Agnes (+ 1077) und der junge Thronfolger Heinrich IV. (1056-1106) teil – der Enkel des Domgründers Konrad II. Wie auch in anderen Fällen führte die Weihe nicht der Ortsbischof durch, sondern ein Gast von außerhalb, in diesem Fall der Eichstätter Bischof Gundekar II.

Aus diversen historischen Aufzeichnungen lässt sich eine Abfolge von Handlungen rekonstruieren, mit denen wohl auch der Speyerer Dom geweiht wurde: ln die Kirche schloss sich ein Diakon ein, der dort zwölf Kerzen entzündete. Der Bischof stimmte vor der Kirchentür den Gesang „Tollite portas – Hebt euch ihr Tore“ an. Während der Psalm 23 gesungen wurde, umschritt der Bischof die Kirche und besprengte sie Weihwasser. Hatte der Bischof die Kirche umrundet, sprach er ein Gebet, bevor er mit dem Stab an die Schwelle der Kirchentüre klopfte und einen Dialog mit dem darin befindlichem Diakon begann. Nach zweimaliger Wiederholung – Gebet, Dialog, Umrunden der Kirche – klopfte der Bischof wieder an das Portal und forderte die Öffnung der Kirche. Mit zwei oder drei Helfern betrat der Bischof dann die Kirche und betete vor dem Altar auf dem Boden liegend die Litanei.

In der Kirche selbst folgte eine Reihe von Gebeten und Weiheriten unter der Verwendung von Chrisam und dem sogenannten „Gregoriuswasser“, das durch zahlreiche Exorzismen und die Beimischung von Salz, Asche und Wein bereitet wurde. Eine Altarweihe wurde dabei wahrscheinlich nicht vollzogen, da der Hochaltar bereits 1046 geweiht worden war. Sicher dürfte der Bischof allerdings drei Mal in der Kirche herumgegangen sein und die Wände der Kirche mit dem Wasser besprengt haben. Anschließend ging der Bischof in Kreuzform durch die Kirche und besprengte den Fußboden. Ebenso salbte er die Wände an zwölf Stellen kreuzförmig mit Chrisam und bat dabei jedes Mal um Heiligung der Kirche.

Die Kirchweihe war ein eigenständiger Akt, der nicht organisch mit der „ersten“ Messfeier in der Kirche verbunden war, sondern dieser vorausging. Die Weihe machte den Raum also erst geeignet für die Feier der Eucharistie. Diesen Aspekt unterstreichen grundlegend die vielen Riten, durch die der Teufel und alle teuflischen Mächte vertrieben und gebannt werden sollten.

Quelle: Winfried Haunerland: Die Weihe des Speyerer Domes –Gestalt und Gehalt, in: Die Salier. Macht im Wandel. Essays. Speyer –München 2011, 217-223. ISBN 978-3-938832-63-9

Foto: Klaus Landry