Donnerstag, 14. Oktober 2021

„Ein langer Herbst ist dazu gekommen“

Bei der Eröffnungsveranstaltung der 10. Hospiztage im Saarpfalz-Kreis (v. l.): Andreas Heinz (Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz), Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, Landrat Dr. Theophil Gallo, Heribert Prantl und Gaby John-Neumann 

Heribert Prantls Vision vom Altern bei den 10. Hospiztagen

Homburg. Mit einem prominenten Gastredner haben die 10. Hospiztage im Saarpfalz-Kreis 2021 bei ihrer Eröffnungsveranstaltung in Homburg auf sich aufmerksam gemacht: Prof. Dr. Heribert Prantl. Bekannt als früherer Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, ist Prantl heute ein mit etlichen Preisen ausgezeichneter Autor und Kolumnist. „Die Würde des Menschen ist unantastbar – bis zuletzt“ – So sind die 10. Hospiztage überschrieben, die noch bis zum 5. November andauern, und die mit einem Liederabend, mit Kino, Ausstellungen, Kabarett, einer Wanderung und einem Gottesdienst sich der Hospizarbeit im Allgemeinen und mit dem genannten Motto im Speziellen öffentlichkeitswirksam beschäftigen.

Schirmherr Landrat Dr. Theophil Gallo begrüßte alle anwesenden Gäste im Homburger Forum, unter ihnen zahlreiche in der Hospizarbeit tätige Ehrenamtliche, und er dankte dem Organisationsteam der Hospiztage rund um Gabriele John-Neumann vom Ökumenischen Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz. „Es ist kein leichtes Thema, das den Menschen immer wieder nähergebracht werden soll, sogar nähergebracht werden muss. Über die Hospiztage kann es sicher gelingen, die notwendige Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Sterben eingängiger zu vermitteln. Daher bin ich froh und dankbar, dass die Hospiztage in diesem Jahr wieder stattfinden können. Dankbar bin ich auch, dass wir mit dem Hospiz- und Palliativnetz Saarpfalz Akteure und Aktionen zusammenführen können. Viele Vertreterinnen und Vertreter des Netzwerkes sind heute hier. Sie sorgen in ihrer täglichen Arbeit für eine angst- und schmerzreduzierte Begleitung schwerstkranker, sterbender Menschen. Ihnen und allen Ehrenamtlichen gilt mein Respekt.“

Grüße überbrachte auch Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, der wertschätzende Worte für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes fand, die einfühlsam auf die Würde sterbender Menschen achten und deren Angehörigen konsequent zur Seite stehen.

Sodann freuten sich alle auf den zu erwartenden anspruchsvollen Vortrag von Herbert Prantl, der 1999 den Siebenpfeiffer-Preis erhielt und 2019 beim Saarpfalz-Gipfel sprach.  In die Tiefe ging es in der Tat bei dessen auf eigene Visionen bauenden Vortrag zum Thema „Die Würde des Menschen ist unantastbar – bis zuletzt“.

Das Alter, so meinte Heribert Prantl, sei ein großes, ungeheuer wichtiges Zukunftsthema genauso wie das Klima. Warum? Weil die Zukunft auch der jungen Menschen das Alter sei. Es gehe für die Gesellschaft darum, das Altern zu lernen. Und es gehe darum zu verstehen, dass Hilfebedürftigkeit im Alter keine Störung ist, „sondern zum Menschsein gehört“, so Prantl. Er wehrte sich dagegen, das Alter nur als Last und als schlimmes Schicksal zu betrachten. Die Gesellschaft habe es sich angewöhnt, über das Alter zu stöhnen, gerade so, als ob dieses Altern nur aus Leid bestünde. Das längere Leben sei aber auch eine Auferstehung. Es sei etwas Wundersames geschehen: „In nur einem Jahrhundert haben die Menschen zwanzig Jahre an Lebenszeit gewonnen. Früher bestand ein Leben aus Frühling, Sommer und Winter, also aus Kindheit, Arbeit und Sterben. Mit den geschenkten Jahren ist nun ein langer Herbst dazu gekommen.“ Prantl erläuterte seinen Zuhörerinnen und Zuhörern seine Vision. Es werde, wenn es gut geht, einen neuen Gesellschaftsvertrag geben: „Die Menschen in der dritten Lebenszeit, die die Erziehung ihrer Kinder hinter sich haben, werden sich um die Menschen in der vierten Lebenszeit, also um die ganz Alten kümmern.“ Es werde einen neuen kategorischen Imperativ, nämlich einen gerontologischen Imperativ geben. „Pflege die sehr Alten so, wie Du selbst in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren gepflegt werden willst!“, schloss Prantl.

Danach galt es die schwere Kost des kurzweiligen Abends zu verdauen, wenngleich die Zuhörerinnen und Zuhörern sie für „sehr genießbar“ hielten. Ein Genuss waren auch die Liedbeiträge. Die wunderschöne klare Stimme von Zara Weiskircher und das virtuose Gitarrenspiel von Marc Sauer, die für den musikalischen Rahmen sorgten, wurden mehrfach gelobt.

Die verbleibenden Termine der 10. Hospiztage im Saarpfalz-Kreis finden Interessierte im Internet unter www.hospiz-saarland.de.

Foto: Sandra Brettar