Donnerstag, 21. Oktober 2021

Nardini-Preis für Netz der kleinen Hilfen

 

Der Caritasverband für die Diözese Speyer zeichnet das Netz der kleinen Hilfen der Gemeinde St. Gertrud in Leimersheim mit dem Nardini-Preis 2021 aus. Das Netzwerk hilft als erweiterte Nachbarschaftshilfe im Alltag.

Leimersheim. Die Einwohnerinnen und Einwohner in Leimersheim mit Fahrdiensten, Botengängen, Einkäufen oder beim Ausfüllen von Formularen zu unterstützen, hat sich das Netz kleine Hilfen bei seiner Gründung 2013 vorgenommen. Insbesondere in der Corona-Zeit konnte die Gruppe aus rund 18 Männern und Frauen die Leimersheimer*innen  bei Fahrten und Begleitung zum Impfen – ob ins Impfzentrum oder zum Hausarzt – unterstützen. Nun wurde das karitative Engagement mit dem Nardini-Preis 2021 gewürdigt.

Hilfe kommt dort an, wo sie gebraucht wird

Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Er erinnert an den Pfälzer Priester Paul Josef Nardini, der sich in Pirmasens Mitte des 19. Jahrhunderts in der Armen-, Kranken- und Waisenfürsorge einsetzte. Nardini wurde am 22. Oktober 2006 seliggesprochen. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Engagierten aus der Gemeinde St. Gertrud erkannt haben, dass es oft die kleinen Dinge sind, die den Unterschied machen. Wenn jemand keine Familie (mehr) hat, ist es oft schwierig, in Zeiten von Krankheit Einkäufe zu erledigen oder zum Arzt zu kommen – gerade auf dem Land. Und dieser Schwierigkeit wollten die Gründer*innen der Initiative mit einfachen Mitteln etwas entgegenstellen: das Netz der kleinen Hilfen. Mit dem Angebot von Einkaufshilfen oder Fahrten zum Hausarzt leisten sie niederschwellig Unterstützung: Die Hilfe kommt dort an, wo sie gebraucht wird.

2012 wurde der Bedarf für Hilfen für kleine Probleme im täglichen Leben erkannt und die Idee des Netzes der kleinen Hilfen geboren. Über ein Handy, das unter den Ehrenamtlichen weitergegeben wird, kann die Initiative erreicht werden. Mittlerweile ist die Gruppe der Aktiven im Alter von 20 bis 80 Jahren auf rund 18 Personen angewachsen. Auch das Spektrum der Hilfesuchenden ist breit:  „Zu Beginn waren es hauptsächlich Senioren, doch inzwischen rufen uns auch junge Menschen an“, berichtet Rita Torka, die die Gruppe leitet. Wenn eine Mutter von drei Kindern einen Arztbesuch machen möchte und Betreuung für ihre Kinder braucht, hilft das Netzwerk ebenso wie älteren Menschen, die inzwischen zur Hausarztpraxis in die umliegenden Gemeinden müssen und gerne den Fahrdienst in Anspruch nehmen.

Dankbare Rückmeldung

Aber auch Botengänge oder Einkäufe erledigen die Aktiven, ebenso wie Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder aktuell beim Beantworten des Fragebogens für den „Zensus“. Und ganz wesentlich für alle: „Es ist auch immer Zeit für ein Gespräch - der Kontakt ist uns wichtig“, betonen alle, die mitwirken. Das komme auch sehr gut an. „Die Leute sind glücklich“, geben die Aktiven die begeisterte und vor allem dankbare Rückmeldung der Leimersheimer wieder, denen sie helfen konnten.

Aber auch ihre eigene Begeisterung ist zu spüren: „Wir können helfen, das bereitet uns Freude“, heißt es, oder: „Wir können etwas zur Gemeinschaft beitragen und sie unterstützen“, „es ist ein gutes Gefühl, jemanden geholfen zu haben“, „es gibt einem selbst auch etwas“. Die  Teilnehmer wechseln sich jeweils wochenweise am Handy ab. Hier können Menschen, die Hilfe benötigen, montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr anrufen. Dadurch ist einerseits gewährleistet, dass die Hilfe an Werktagen erreichbar ist und gleichzeitig die Aktiven, die zum Teil auch berufstätig sind, nicht überstrapaziert werden.

Bekanntheit wächst

Die Mobilnummer des Netzwerks ist inzwischen  im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Rülzheim, in Seniorengruppen, aber auch von den Seniorenbeauftragten der Nachbargemeinden immer wieder veröffentlicht worden. Ebenso gut sei auch die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde und ihrem Verbandsbürgermeister, der auch Ortsbürgermeister von Leimersheim ist. Mittlerweile kann sich das Netz der kleinen Hilfen auf einen gewachsenen Bekanntheitsgrad stützen: „Am Anfang hatten wir ein bis zwei Anrufe im Monat, in diesem Jahr hatten wir 58 Anrufe - das ist stark“, freuen sich Rita Torka und die Engagierten der Gruppe über die große Resonanz.

Die Freude über den Nardini-Preis ist in der Gruppe groß. Bei ihrem ersten „richtigen“ Treffen nach der Corona-Zwangspause stoßen die Mitglieder*innen daher auch mit Sekt auf das Ereignis an. Der Preis soll am Elisabethentag, 19. November, im Speyerer Dom im Rahmen eines Pontifikalamts mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann überreicht werden.

Informationen zum Nardini-Preis

Der Caritasverband für die Diözese Speyer hat 2010 den Nardini-Preis zum ersten Mal vergeben. Der Preis würdigt das Engagement ehrenamtlich tätiger Gruppen, die in ihrer Pfarrgemeinde oder in Zusammenarbeit mit kirchlich-caritativen Einrichtungen neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen. „Das Lebenswerk und Glaubenszeugnis des Seligen Paul Josef Nardini sind auch für Christen von heute Vorbild und Ansporn“, erklärt der Caritas-Vorsitzender Karl-Ludwig Hundemer. Ehrenamtlich tätige Gruppen sollen ermutigt werden, sich in der Caritasarbeit der Diözese Speyer zu engagieren, und dafür neue Impulse erhalten. Die Verleihung erfolgt beim jährlich stattfindenden Caritas-Tag der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Fest der Heiligen Elisabeth. Vorgeschlagen werden können ehrenamtlich tätige Gruppen.

Die Jury

Der Preisträger wird von einer Jury ausgewählt. Diese besteht aus Sr. Roswitha Schmid (Oberin der Mallersdorfer Schwestern im Nardinihaus Pirmasens), Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer (Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, DiCV), Norbert Rönn (Chefredakteur der Kirchenzeitung „Der Pilger“), Melanie Müller von Klingspor (Öffentlichkeitsreferentin des DiCV), Christiane Arendt-Stein (Referentin für Ehrenamtliches Engagement im DiCV Speyer) und Christine Stolle (Mitglied im Vorstand des Caritas Forum Ehrenamt.

Paul Josef Nardini (25. Juli 1821 – 27. Januar 1862)

Paul Josef Nardini wirkte Mitte des 19. Jahrhunderts als Priester im westpfälzischen Pirmasens. Um der Armut und der Not in der jungen Industriestadt zu begegnen, gründete er 1855 die Schwesterngemeinschaft der "Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie" (Mallersdorfer Schwestern). Die Ordensfrauen nahmen sich der verwahrlosten Kinder in seiner Pfarrei an und kümmerten sich um alte und kranke Menschen.

Paul Josef Nardini starb 1862 im Alter von nur 40 Jahren. Sein Lebenswerk und sein Glaubenszeugnis aber blieben unvergessen. Auch für Christen von heute sind sie Vorbild und Ansporn.

Im Jahr 2006 wurde Paul Josef Nardini selig gesprochen, anlässlich des Datums der Seligsprechung wird der jeweilige Preisträger stets am 22. Oktober bekannt gegeben. Verliehen wird der Preis im November, beim jährlichen Caritastag.

Weitere Informationen im Internet unter: www.nardini.de

Text: Caritasverband für die Diözese Speyer