Dienstag, 09. November 2021

101 Jahre Klerusverein Speyer

Der Klerusverein feierte Jubiläum in der Wallfahrtskirche in Maria Rosenberg. 

Pontifikalamt mit Bischof Wiesemann und Festvortrag von Bischof Jung in Maria Rosenberg

Waldfischbach-Burgalben. Nachdem aufgrund der Coronabeschränkungen des vergangenen Jahres das 100-Jahr-Jubiläum des Klerusvereins Speyer im letzten Jahr ausfallen musste, wurde in diesem Jahr mit dem 101. Jubiläumsjahr die Feier nachgeholt. Der Klerusverein lud dazu nach Maria Rosenberg ein, wo sich neben 50 Mitgliedern des Vereins auch Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Mitglieder der Speyrer Bistumsleitung sowie Bischof Dr. Franz Jung aus Würzburg und Vertreter des Klerusverbandes, der Vorsitzende des Klerusverbandes Monsignore Simbeck und dessen Geschäftsführer Dr. Deißenböck, zur Feier einfanden.

Pontifikalamt in der Wallfahrtskirche
Bei einem feierlichen Pontifikalamt in der Wallfahrtskirche ging Bischof Karl-Heinz in seiner Predigt auf die Selbstbezeichnung Jesu als „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ein. Dies, so der Bischof, verweise auf das priesterliche Amt Jesu, das als Hirten- und Leitungsamt den Weg weisen, im Lehramt die Wahrheit des Evangeliums verkünden und im sakramentalen Priesteramt das ewige Leben insbesondere in der Feier der Eucharistie vermitteln soll. Gerade auch im Blick auf die Priester und ihren Dienst heute ging der Bischof dabei auch auf eine Art Selbstvergewisserung ein. Im geistlichen Leben eines jeden Getauften, der in der Taufe Anteil am allgemeinen Priestertum Jesu erhält, und insbesondere dann für diejenigen, die sich von Jesus ins besondere Priestertum rufen lassen, könne Jesus als der Weg eine Richtung im Leben weisen, die Halt gibt. Weiterhin helfe er in seiner Wahrheit, die auch seine Treue zeigt, sich der eigenen Lebensentscheidung zu vergewissern und schließlich von Jesus als dem Leben die Kraft für ein Leben in seinem Dienst und aus dem Glauben zu erhalten. Die festliche Messfeier wurde von Domkapellmeister Markus Melchiori an der Orgel und 4 Solisten musikalisch gestaltet.

Festvortrag von Bischof Dr. Franz Jung
Im Anschluss an die Heilige Messe versammelten sich die Gäste zu einem Festvortrag von Bischof Dr. Franz Jung. Er ging dabei im Blick auf das Zusammenwirken des Klerus mit dem Bischof, eine zentrale Aufgabe des Klerusvereins, auf die Gründungsurkunde des Klerusverbandes ein.
Kardinal Faulhaber legte in dieser Gründungsurkunde fest, dass die Klerusvereine eine Standesvertretung sein sollen. Hierbei sei zur Gründungszeit die politische Neugestaltung mit demokratischen Verhältnissen als ein wichtiges Anliegen zu nennen, in die die Kirche einwirken wollte. Gerade in der heutigen Zeit erscheine die Einflussnahme der Kirchen in politische Prozesse immer mehr hinterfragt. Dies zeigten Fragen von Lebensschutz, Sterbehilfe oder auch der Umgang mit Staatsleistungen. Dennoch bleibe das Anliegen, sich in ebensolche Prozesse einzubringen und dabei als Standesvertretung Anliegen des Klerus an die Bistumsleitung heranzutragen, bestehen.

Als zweiten Punkt nannte Bischof Franz die „Pflege eines standesgemäßen Lebens“. Priesterliches Leben hat sich seit der Gründung des Klerusverbandes stark verändert. Nicht nur, dass man heute kaum von einem Standesdenken sprechen kann, das auf ein vormodernes Standeswesen in der Gesellschaft verweist. Die „Sonderstellung“ des Priesters, die sich noch am Gehorsamsversprechen bei der Weihe zeige, bleibe zwar sakramental begründet, bringe aber keine automatische Autorität mehr mit sich. Priester müssen sich, wie andere Mitarbeiter auch, durch eine sachgerechte Aufgabenerfüllung profilieren, was den Priester als „Funktionär“ nicht selten auch gesellschaftlich angefragt mache. Eine charismenorientierte Aufgabenverteilung werde heute neben der sakramentalen Struktur immer mehr in den Mittelpunkt gestellt, bei der gerade auch die Klerusvertretung in den Austausch mit den diözesan Verantwortungstragenden treten müsse. Hier ist auch der dritte von Bischof Franz angemerkte Punkt zu nennen: die „vertrauensvolle Fühlungsnahme“ zwischen Bischof und Diözesanklerus. Es brauche eine Sorge des Bischofs um seine Mitarbeiter, die eine Kontaktpflege erfordere, um nicht zuletzt Fehlentwicklungen vorzubeugen und Rückhalt zu geben.

Zuletzt ging der Bischof auch auf die gegenseitige Förderung, wie auf die „Weckung und Auswertung der ideellen und materiellen Kräfte im Klerus“ ein, die als Aufgaben der Klerusvertretung aus der Gründungsurkunde entnommen werden können. Hierbei seinen der mitbrüderliche Austausch auch über eigene Ressourcen, Erwartung und Anforderungen sowie die notwendige Selbstvergewisserung in einem sakramentalen geistlichen Leben wesentliche Punkte, die sich dann auch an einem konkreten Engagement für die Armen und Notleitenden zeigen müsse, wie auch Papst Franziskus immer wieder betone, so Bischof Franz.

Im Anschluss an den Vortrag dankte der neue Vorsitzende, Dekan Michael Kapolka, Bischof Franz für seine Worte und dankte neben Bischof Karl-Heinz für die Feier des Festmesse insbesondere auch verdienten Mitgliedern des Vereins, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im Vorstand und darüber hinaus einbrachten. Neben den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Dekan Frank Aschenberger, Pfarrer Bernhard Spieß, Pfarrer Bernhard Braun und Pfarrer Tobias Heil, dankte er dem letzten Vorsitzenden Dekan Steffen Kühn und Pfarrer Arno Vogt, der von 2016 bis 2021 2. Vorsitzender und davor 2001 bis 2016 1. Vorsitzender des Diözesanvereins war.

Abschließend kamen die Gäste noch zu einem festlichen Abendessen und einen persönlichen Austausch im Speisesaal des geistlichen Zentrums Maria Rosenberg zusammen, wo die Feier auch kulinarisch begangen wurde.

Text: Pfr. Dominik Geiger, Foto: Kaplan Thomas Ott

Gemeinsame Feier mit (v.l.n.r.): Monsignore Andreas Simbeck, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof Dr. Franz Jung, Dekan Michael Kapolka, Pfr. Alexander Klein.