Mittwoch, 11. Mai 2022

Fülle an Ideen für gelingende ehrenamtliche Caritas-Arbeit

Ehrenamtliche tauschen sich aus über verschiedene Persönlichkeitstypen 

40 ehrenamtlich Engagierte der Caritas Treffen sich – Aktuelle Krisen und Chancen für das Ehrenamt als Thema

Neustadt. „Krisengebeutelt oder krisenerfahren?“- Diese Frage stellte Stefanie Horn-Wolniewicz bei der diesjährigen Jahresversammlung des Forum Caritas-Ehrenamt im Kloster Neustadt bei ihrem Eingangsvortrag der Zusammenkunft. Zum ersten Treffen seit der Corona-Pandemie wieder in Präsens, waren rund 40 ehrenamtlich Engagierte zusammengekommen, um sich über aktuelle Herausforderung im Ehrenamt auszutauschen.

Die Referentin Gemeindecaritas und Engagementförderung musste die Teilnehmenden nicht extra darauf hinweisen, wie viele Krisen Deutschland derzeit zu bewältigen hat, „für die wie ad-hoc keine Lösungen parat haben“. Sie wies aber auch darauf hin, dass seit 2015 beispielsweise viele Strukturen geschaffen wurden, um mit den jetzigen ukrainischen Geflüchteten umgehen zu können. Und auch die Hochwasserkatastrophe im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass mit Hilfe von Ehrenamtlichen und der Caritas viel bewegt werden konnte.

Passend hierzu stellte Horn-Wolniewicz kurz eine Studie „Corona Lebensgefühl“ vor, die acht unterschiedliche Personae entwickelte – Persönlichkeiten, die jeweils verschieden mit der Pandemie umgehen.  In einer kurzen Murmelrunde konnten sich die Teilnehmenden über die einzelnen Charaktere austauschen, um zu verstehen, dass in jedem Menschen ein bestimmter Anteil von allem enthalten ist.

Dies alles stand unter dem Titel „#DasMachenWirGemeinsam“. In einem „World Café“ konnten sich die Teilnehmenden über die Arbeit mit Flüchtlingen austauschen. Sie konzentrierten sich auf die Bereiche Begegnung, Patenschaften, Kinderbetreuung und Spendenaktionen. Dabei wurde schnell deutlich, dass sich die Ideen und Aktionen auf alle Menschen und Sozialräume übertragen lassen – und nicht nur in der Flüchtlingsarbeit funktionieren.

In der gut einstündigen Arbeitsphase wurden viele Ideen ausgetauscht und diskutiert, gemeinsam entstanden aber auch neue Überlegungen, wie die Caritas-Arbeit vor Ort gelingen kann. Als Beispiel dafür wurde das Konzept „Türöffner“ beleuchtet: „Türöffner“ ist ein Projekt für Ehren- und Hauptamtliche in der Caritasarbeit, die einen etwas anderen Besuchsdienst aufbauen oder einen bestehenden Dienst verändern wollen. Ulrich Böll arbeitet im Bundesverband der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) und stellte das Projekt vor.

In seinem Vortrag machte er anschaulich deutlich, dass sich dieses Konzept von den meisten Besuchsdiensten unterscheidet, die die Pfarrgemeinden und Caritas-Kreise seit vielen Jahren anbieten. Bei den „Türöffnern“ geht es nämlich im Kern darum, dass die Besuchten und die Besucher zusammenpassen. Dieses „Matching“ gelingt durch ein gutes Organisationsteam, das die Fäden in der Hand hält. Über Öffentlichkeitsarbeit macht es auf sich aufmerksam, und die Mitglieder des Teams sind Ansprechpartner für Menschen, die ein bestimmtes Anliegen an einen Besuchsdienst haben. „Es geht also um die Frage: Was sind das für Menschen, die wir in den Blick nehmen?“, erläuterte Ulrich Böll. Dabei gehe es um Biografie-Arbeit, um das Erkennen von Erfahrungen, Ressourcen und Wünschen der Menschen, die besucht werden sollen. Wenn das geklärt ist, geht das Orgateam auf die Suche nach dem richtigen Ehrenamtlichen. Denn es muss passen: Wieviel Zeit möchte der Ehrenamtliche einbringen, passen seine Hobbys und Interessen, was ist ihm oder ihr wichtig?

„Türöffner ist ein Projekt, das an vielen Orten schon erprobt wird mit insgesamt guten Erfahrungen. Es funktioniert!“, ist Böll überzeugt.

Wollen Sie mehr erfahren? Kommen Sie am 7. Juli zum Austauschabend zum Türöffnerkonzept. Weitere Informationen und Anmeldung unter gemeindecaritas@caritas-speyer.de

An dieses Referat schloss sich der Bericht über die Arbeit der „Task Force Flüchtlingshilfe“ des Domkapitulars Karl-Ludwig Hundemer, Vorsitzender des Caritas-Verbands für die Diözese Speyer, an. Domkapitular Hundemer erinnerte daran, dass Flüchtlingshilfe auf mehreren Ebenen geschehe, und dass diese gut koordiniert werden müssen. Da sei zum einen die direkte unmittelbare Hilfe vor Ort für die Flüchtlinge, die er als „sehr beeindruckend“ bezeichnet. Dabei gehe es um Unterbringung, Spenden und Betreuung. Aber es gebe auch organisatorische Fragen zu klären, sei es die Arbeitserlaubnis, Schul- und Kitabesuch – aber auch die Schwierigkeit, dass viele Flüchtlinge traumatisiert sind. Er erinnerte die Aktiven daran, dass es für einzelne Angebote auch finanzielle Hilfe durch den Caritas-Verband gebe.

Manfred Traub und Christine Stolle berichteten aus dem Caritas-Forum Ehrenamt. Zwei positive Nachrichten zu guter Letzt: Vorschläge für den Nardini-Preis werden noch bis zum 31. August entgegengenommen. Und der diesjährige Caritastag findet nach zweijähriger Coronapause am 19. November in Landau statt.

Kontakt bei weitergehenden Fragen:
Christiane Arendt-Stein, Telefon 06232 / 209-156 oder
Stefanie Horn-Wolniewicz, Telefon 06232 / 209-158; gemeinsame Mailadresse: gemeindecaritas@caritas-speyer.de

Text/Foto: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer