Dienstag, 05. Juli 2022

„Das Förderzentrum steht vor vielen Herausforderungen“

Martin Schuberth (53) ist der neue Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus. 

Martin Schuberth ist neuer Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus – Chef von 800 Mitarbeiter*innen in einer Einrichtung mit vielfältigem Angebot

Landau. Seit dem 1. April dieses Jahres ist Martin Schuberth der neue Gesamtleiter des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus in Landau und Herxheim. Der 53-jährige Sozialpädagoge und Sozialwirt wechselte von seiner Stelle als Bereichsleiter des Kinder- und Jugendwohnens in Herxheim auf die Einrichtungsleiterstelle. Er ist Nachfolger von Thomas Moser, der in den Ruhestand gegangen ist. 

Martin Schuberth hat sein gesamtes bisheriges Berufsleben der Pädagogik gewidmet, entweder in der Kinder- und Jugendhilfe oder in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. „Soziale Fragen waren in meinem Elternhaus immer präsent. Die Sonntage waren reserviert für Diskussionsrunden über Spirituelles, Philosophisches und auch Politisches“, erinnert sich Schuberth. So war für ihn auch klar, dass er nicht zur Bundeswehr gehen, sondern einen 20-monatigen Zivildienst machen würde. „Den habe ich im Krankenhaus, teils auf der Intensivstation und teils auf einer Kinderstation verbracht, in Ulm, denn von dort komme ich eigentlich her“, erzählt er. Zwar folgte dann ein kurzer Abstecher in ein Technik-Studium, aber das überzeugte ihn nicht. „Ich habe das abgebrochen und eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger gemacht. Der Träger war der Michaelshof-Ziegelhütte e.V. in Weilheim an der Teck in Baden-Württemberg. Danach habe ich mich immer weiterqualifiziert.“ Ein Studium der Sozialpädagogik, Ausbildung zum Qualitätskoordinator und schließlich eine Weiterbildung zum Sozialwirt folgten – und dann viele Jahre in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, inklusive zweier Jahre in vollstationären Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen in Frankreich. Martin Schuberth hatte unter anderem Positionen im vollstationären Gruppendienst, war Gruppenleiter, Personalleiter, kaufmännischer Leiter, Heimleiter und Geschäftsführer bei verschiedenen Freien Trägern der Jugend- und Eingliederungshilfe. Auch räumlich hat er sich über die Jahre immer mehr der Pfalz genähert. Von Baden-Württemberg über Träger in Velbert, Wuppertal und Dortmund nach Rheinhausen, dann Mannheim, und über Neustadt an der Weinstraße schließlich nach Landau. „Die Leitungspositionen, die ich bisher innehatte, waren bei kleineren Trägern. St. Laurentius und Paulus mit rund 800 Mitarbeitern und rund 600 stationären Kund*innen plus die vielen ambulanten Kund*innen – das ist zwar schon eine andere Größenordnung, aber die Aufgaben einer Führungsrolle sind ja überall die gleichen“, sagt Schuberth. „Allerdings wird es bestimmt noch bis in den Herbst hinein dauern, bis ich überall, in jeder Außenwohngruppe mal war, um das Angebot und die Menschen kennenzulernen. Neben der fließenden Einarbeitung in die einrichtungsspezifischen Prozesse stehen einfach viele Besuche an.“ Denn das Förderzentrum sei ja eine Komplexeinrichtung mit einem sehr vielfältigen Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Herausforderungen, die die Einrichtung in der Zukunft bewältigen muss, sind ihm auch schon bewusst: „Wie alle anderen auch kämpfen wir sehr mit dem Fachkräftemangel. Außerdem geht es immer noch um die vielen Folgen der Corona-Pandemie.“ In Herxheim stehe der Neubau der Förderschule auf der Agenda und auch in Landau laufen die Bauplanungen für einen Ersatzneubau, für die Küche und umfassende Sanierungen in der Schule. „Außerdem müssen wir auf den ständig steigenden Bedarf an intensivpädagogischen Plätzen sowohl im Kinder- und Jugend- als auch im Erwachsenenbereich reagieren.“ Intensivpädagogische Plätze sind ein Angebot für Menschen mit Behinderung, die zusätzlich zu ihren kognitiven und körperlichen Handicaps psychische Erkrankungen und ein stark herausforderndes Verhalten mitbringen. „Diese Diagnosen werden immer häufiger und es gibt bundesweit zu wenig Plätze für den immer größer werdenden Bedarf. Dem wollen wir uns stellen“, blickt der Pädagoge in die Zukunft.

In der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion um Inklusion wird immer wieder Kritik an solchen Komplexeinrichtungen wie dem Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus geäußert, weil diese Einrichtungen Menschen mit Behinderung an einem Ort konzentrieren, anstatt sie mitten in der Gesellschaft in kleinen und überschaubaren Einheiten Teil des Sozialraums sein zu lassen. Für die Landauer Einrichtung teilt Schuberth diese Kritik nicht: „Ich halte den Standort unserer Einrichtung für eine Stärke. Das hier ist ein weitläufiges Gelände mit vielen Grünanlagen und altem Baumbestand, nah an der Innenstadt, gut angebunden an den öffentlichen Nahverkehr und integriert in die Stadt. Es ist für unsere stationären Kund*innen ein schönes Zuhause. Und das vielfältige Angebot sorgt dafür, dass wir sozusagen alle Hilfen aus einer Hand anbieten können.“ Außerdem seien die vielen Außenwohngruppen überall gut in die Nachbarschaft integriert, das fördere die Inklusion.

Auch Martin Schuberth selbst schätzt die Pfalz als Zuhause: „Ich gehe gerne wandern und Fahrrad fahren. Außerdem werkle ich gerne in unserem Garten, lese und übe mich in Qi Gong.“ Als Vater von vier Kindern zwischen 16 und 27 Jahren sei er natürlich auch familiär stark gefordert.

Text und Foto: Melanie Müller von Klingspor / Paul van Schie