Freitag, 23. September 2022

Kirchen bei Mitbestimmungsmesse präsent

Die Referentin und der Referent des Fachbereichs Arbeitswelt im Bistum Speyer, Regina Wilhelm und Andreas Welte. 

Veranstaltung für Betriebs- und Personalräte in Mainz

Mainz. Obwohl die Auftragslage gut ist, herrscht in vielen Betrieben Unsicherheit. So zumindest der Tenor bei den meisten der gut 60 Teilnehmer der Mitbestimmungsmesse, die diese Woche in Mainz stattfand. Sie wurde organisiert von der TBS gGmbH mit dem DGB. Vertreten war auch der Fachbereich Arbeitswelt im Bistum Speyer zusammen der Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft  

Für die zahlreichen Betriebs- und Personalräte – je nach Größe der Unternehmen waren zwischen vier und sechs gekommen – diente die zweitägige Messe vor allem als Plattform zum Austausch. Die meisten drücken nämlichen dieselben Sorgen: Ganz oben stehen die steigenden Energiepreise und der Fachkräftemangel. „Wir finden einfach niemanden“, hieß es an etlichen Ständen. Selbst der Markt der Leiharbeiter sei leergefegt. Das bedeutet für die Beschäftigten Überstunden schieben oder am Wochenende arbeiten. Doch nicht nur ausgebildetes Personal, auch Auszubildende fehlen. Ein großes Manko allerorten. Dass sich immer weniger Arbeitnehmer organisierten, beklagten indes die Gewerkschaftler. „Dabei erkennen viele leider nicht, dass wir nur gemeinsam stark sind“, meinte ein Teilnehmer.

In ihrem Grußwort zeigte Ministerpräsident Malu Dreyer Verständnis für die Nöte der Betriebe. „Zuerst die Pandemie und jetzt der unsägliche Krieg in der Ukraine.“ Wenngleich das Land nicht alle Sorgen lindern, sämtliche Finanzlücken schließen könne, wolle sie sich gemeinsam mit den Politikern auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Energie bezahlbar bleibe oder Rettungsschirme für diejenigen aufgespannt werden, die besonders leiden. Die Unterstützung solle aber nicht nur Betrieben, sondern auch Arbeitnehmern mit geringem Einkommen gewährt werden, betonte sie. Dreyer wörtlich: „Wir sind an Ihrer Seite.“ Im Anschluss ging die Ministerpräsidentin von Stand zu Stand, um sich persönlich ein Bild von der Lage in den einzelnen Betrieben – vertreten waren auch Stadtwerke und Krankenhäuser - zu machen.

Für die Referenten des Fachbereichs Arbeitswelt, Andreas Welte und Regina Wilhelm, war es relevant „Präsenz und Solidarität in diesem Rahmen zu zeigen“. Andreas Welte erachtete die Messe einmal mehr „als gute Gelegenheit, mit Arbeitnehmern, mit der Welt draußen in Kontakt zu treten“. Kirche müsse Flagge zeigen, müsse dorthin gehen, wo die Menschen sind, wo sie arbeiten, „wo sie uns brauchen“ - gerade in diesen schwierigen Zeiten. „Mir wurde bei dieser Messe richtig bewusst, wie wichtig Betriebsseelsorge ist“, meinte Regina Wilhelm, die seit Mitte August die zweite Stelle im Fachbereich besetzt. „Sicher, wir können keine Lehrlinge und Fachkräfte herbeizaubern. Aber wir können Menschen, die im Stress sind, die sich überfordert, gemobbt oder ungerecht behandelt fühlen, anhören und zuhören und Hilfsangebote unterbreiten.“ Dass Kirche nah bei den Menschen ist, haben die die beiden gemeinsam mit den evangelischen Kollegen bei der Mitbestimmungsmesse demonstriert. Und die zahlreichen Interessenten am Stand verstärkten den Eindruck.

Text/Foto: Fachbereich Arbeitswelt