Donnerstag, 15. Januar 2026
Erinnern – Gedenken – Mahnen

- Am NS-Gedenktag gestalten Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Speyerer Schülerinnen und Schüler eine Gedenkstunde in der Synagoge Beith-Shalom © Klaus Landry/Pilger-Archiv
Mit einer Gedenkstunde in der Synagoge Beith-Shalom und zwei Begleitveranstaltungen wird in Speyer an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Dabei stehen die Schicksale der Kinder in den Jahren 1933 bis 1945 im Mittelpunkt.
Speyer. Kinder benötigen Schutz und Fürsorge. In der Regel erfüllen Eltern diese Aufgabe. Doch wenn Bevölkerungsgruppen staatlich gezielt verfolgt werden oder Kinder in Kriegszeiten aufwachsen, gehen Schutz und Fürsorge häufig verloren. Vor diesem Hintergrund stellt eine Gedenkstunde mit Begleitprogramm zum diesjährigen Erinnerungstag für die Opfer des Nationalsozialismus die Jüngsten in den Mittelpunkt und betrachtet Kindheiten in den Jahren 1933 bis 1945. Die Veranstaltungen der Reihe „Erinnern – Gedenken – Mahnen“ finden in Speyer in Kooperation mit der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, der Stadt Speyer, der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz und der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Speyer statt. An der Gedenkstunde am NS-Gedenktag, 27. Januar, um 18 Uhr, in der Synagoge Beith-Shalom der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz (Am Weidenberg 3) wirken die Oberbürgermeisterin der Domstadt, Stefanie Seiler, sowie Schülerinnen und Schüler von Speyerer Schulen mit.
Filmvorführung mit Austausch
Der deutsche Spielfilm aus dem Jahr 2016 „Nebel im August“ beruht auf einer wahren Begebenheit. Er erzählt die Geschichte des 13-jährigen Ernst Lossa, der der ethnischen Minderheit der Jenischen angehört, die seit Jahrhunderten in Europa leben und früher ein nomadisches Leben führten. Ernst wird 1933 seiner Familie entrissen, in ein Kinderheim und weitere Einrichtungen eingewiesen und schließlich in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee verlegt. Dort gilt er als „schwer erziehbar“. Was zunächst als (staatlich verordnete) Fürsorge erscheint, entpuppt sich bald als Teil der NS-Medizinverbrechen, in deren Rahmen Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen systematisch ermordet werden. Ernst versucht, dem unmenschlichen System etwas entgegenzuhalten und sich und seine Freunde zu retten. Der Film wird am Freitag, 30. Januar, um 19 Uhr, im Alten Stadtsaal (Rathaushof, Maximilianstraße 12) gezeigt. Im Anschluss an die kostenfreie Vorführung findet ein Gespräch mit der Historikerin mit Schwerpunkt NS-Geschichte, Leonie Otters, statt.
Anmeldung unter Telefon 06232/102-180, E-Mail: keb@bistum-speyer.de oder www.keb-speyer.de (Veranstaltungen/Erinnern – Gedenken – Mahnen).
Vortrag über Janusz Korczak
„Kinder im Krieg: Die fürsorgliche Begleitung von Kindern in Krisenzeiten durch Janusz Korczak“ lautet der Titel eines Vortrags mit Professor Dr. Agnieszka Maluga am Dienstag, 3. Februar, um 19.30 Uhr, im Friedrich-Spee-Haus (Edith-Stein-Platz 7). Janusz Korczak war ein polnischer Arzt und Kinderbuchautor: Als Leiter eines jüdischen Waisenhauses in Warschau verwirklichte er seine Ideen zu Kinderrechten – und begleitete „seine“ Kinder im August 1942 in die Gaskammern von Treblinka. Die Professorin für das Lehrgebiet „Bildung, Erziehung, Betreuung und Prävention in der Kindheit“ an der Hochschule Koblenz sowie Vorsitzende der Deutschen Korczak Gesellschaft e.V. spannt einen Bogen von Korczaks Erfahrungen als Militärarzt bis zur Begleitung der Kinder im Warschauer Ghetto. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung unter Telefon 06232/102-180, E-Mail: keb@bistumspeyer.de oder unter www.kebspeyer.de (Veranstaltungen/Erinnern – Gedenken – Mahnen).
Eine Übersicht über alle Termine bietet der Flyer zur Veranstaltung.
Zum Hintergrund
Am 27. Januar jährt sich der Tag, an dem die Rote Armee 1945 die Vernichtungs- und Konzentrationslager in Auschwitz befreite. Aus diesem Anlass erklärte ihn 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog zum gesetzlichen Gedenktag in Deutschland.
Text: KEB/PILGER
