Dienstag, 03. Februar 2026

Synodalität als Eckpfeiler der Kirche von heute

© Dekan Michael Kapolka 

Pirmasens. Am Gedenktag des Seligen Paul Josef Nardini lud Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann gemeinsam mit dem Klerusverein die Priester und Diakone des Bistums Speyer ans Grab des Seligen in Pirmasens zum gemeinsamen Austausch und Gebet. Zu Gast war neben Weihbischof em. Otto Georgens auch der Bischof der Partnerdiözese Cyangugu in Ruanda, Edouard Sinayobye, der den Festvortrag hielt.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Klerusvereins, Dekan Michael Kapolka, führte Bischof Sinayobye aus, wie wichtig die Synodalität für die Weltkirche ist, wie der synodale Weg im Bistum Cyangugu verläuft und welche notwendigen Schritte in der Partnerschaft der beiden Diözesen Speyer und Cyangugu in den nächsten Jahren gegangen werden müssen. Übersetzt wurden die Ausführungen von Weihbischof em. Otto Georgens.

Bischof Edouard Sinayobye berichtete als Teilnehmer der Weltbischofssynode von seinen Erfahrungen mit der Synodalität. Sie sei ein wesentlicher Bestandteil der Kirche. Schon bei den Kirchenvätern, so zum Beispiel Johannes Chrisostomos, wird die Wichtigkeit von Synodalität betont, die den Weg bezeichnet, auf dem das Volk Gottes gemeinsam geht. Synodalität muss aber immer auch eine spirituelle Erneuerung sein. Die Kirche ist durch das Sakrament des Leibes des Herrn als Leib konstituiert (vgl. LG 7) und damit selbst ein Organismus. Daher sind die Diözesen nicht irgendwelche kirchlichen Inseln, sondern müssen in ihrer Gesamtheit Ausdruck des sensus fidei fidelium, des gemeinsamen Glaubenssinns der Gläubigen, sein. Die Gemeinschaft der Gläubigen kann sich nicht im Glauben irren, der der Glaube des ganzen Volkes Gottes ist. Dies ist aber nicht mit der öffentlichen Meinung zu verwechseln. Hier übernimmt das Lehramt in seiner Hirtenfunktion eine konstitutive Rolle. Dabei darf die Ausübung von Autorität nicht willkürlich einen Willen aufzwingen, sondern alle Gläubigen sind aufgerufen, mit den Hirten synodal zusammenzuarbeiten und so das Volk Gottes zu leiten. Während der ganzen Synode wurde der Klerikalismus als eine abwegige Art der Auffassung von Autorität angeprangert.

Anschließend berichtete Bischof Edouard Sinayobye von den synodalen Aufbrüchen in seinem Land und in seiner Diözese. Der Synodenprozess sei dort als gemeinsame Sitzung von Vertretern der Diözesen und Ordensgemeinschaften konzipiert, die in gemeinsamen Sitzungen ein Schlussdokument erarbeiten. Insgesamt werde der Prozess sehr positiv von den Gläubigen wahrgenommen und die Entwicklungen war sehr segensreich. Beim Zuhören sei deutlich geworden, dass die Gläubigen erwarten, dass sie gehört werden und klerikaler Stolz überwunden wird. Gleichzeitig verfolgen sie das Leben in den Diözesen sehr aufmerksam. Hierzu und zum gesamten synodalen Prozess waren die Massenmedien entscheidend.

Bischof Edouard Sinayobye betonte noch einmal die Notwendigkeit einer pastoralen Leitlinie zum Thema Einheit und Versöhnung, aber auch wie wichtig eine Kultur des Zuhörens sei und dass insbesondere den Menschen am Rande der Gesellschaft Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Hierzu erzählte er von gelungenen Projekten in seiner Diözese. Bewusst sein man dort auf diese Menschen zugegangen, insbesondere auf Straßenkinder, Prostituierte und Menschen mit Handicap, und habe Angebote entwickelt. Hier sei deutlich geworden, dass durch die aktive Zuwendung zu den Bedürftigen, deren Glaubenserfahrung gestärkt wurde. Alle Anwesenden spürten, dass Bischof Sinayobye hier über seine Herzensprojekte sprach.

So war es nicht verwunderlich, dass Bischof Sinayobye auch hinsichtlich der Partnerschaft der beiden Diözesen Speyer und Cyangugu große Erwartungen äußerte. So können beide Diözesen über- und voneinander lernen, weshalb er den Austausch auf persönlicher Ebene fördern will. Auch könne er sich Gebetsgemeinschaften (z.B. zwischen den beiden Karmelklöstern) vorstellen. Die Ausbildung von Seminaristen und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern könnte von der Partnerschaft profitieren. Zuletzt regte er eine gemeinsame Gebetswoche für die beiden Diözesen Speyer und Cyangugu an.

Dies bekräftigte auch Weihbischof em. Otto Georgens, der unterstrich, dass gegenseitige Unterstützung in der Weltkirche heißt, voneinander zu lernen, füreinander zu beten und solidarisch zu sein.

In der anschließenden Fragerunde wurde die Situation und die Struktur der Partnerdiözese Cyangugu angesprochen. Außerdem wurde der Umgang der katholischen Kirche in Ruanda mit den Auswirkungen des Genozids der 1990er Jahre thematisiert.

Dekan Kapolka dankte dem Gast für seine Ausführungen mit einem Pfälzer Weinpräsent.

Gemeinsam mit den anwesenden Bischöfen und den Mallersdorfer Schwestern feierten die Teilnehmer in der Kapelle des Nardinihauses in Pirmasens die Nardinivesper am Grab des Seligen Paul Josef. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann betonte in seiner Predigt die Wichtigkeit der Partnerschaft der beiden Diözesen hinsichtlich des gemeinsamen Austausches, des Betens und des synodalen Prozesses in der Weltkirche. Der Selige Paul Josef Nardini ist ein Vorbild für den christlichen Liebesdienst, weil er die Grenzen seiner Zeit überwunden und sich bewusst um die Armen gekümmert hat. Sein Lebenswerk kann uns auch in unserer Zeit inspirieren, sich ganz in die Liebe Gottes hineinnehmen zu lassen und so Versöhnung untereinander zu stiften. Musikalisch umrahmt wurde die Nardinivesper von einer Schola der Priester und Dekanatskantor Timo Ziesche an der Orgel.

Text: Diakon Stefan Kopf