Freitag, 13. Februar 2026
„Wertvoller Player für die Stadt“

Peter Lehmann, links vor ihm Ulrike Schwarz vom Sozialreferat, links neben ihr Rosa Gosbee, samt Team und Kooperationspartnern © Friederike Jung
Neujahrsempfang in der „Glockestubb“ Kaiserslautern
Kaiserslautern. Kaum hat sich die Tür geöffnet, schnuppert die Nase den Duft von würziger Suppe. Jeder Platz an den Tischen ist besetzt. Kein Wunder, das Mittagessen in der Kaiserslauterer Glockestubb ist beliebt. Doch der 11. Februar ist ein besonderer Tag. In dem Tagestreff in der Pariser Straße 23 findet der Neujahrsempfang statt.
„Etwas verspätet, aber ein guter Grund, positive Bilanz zu ziehen“, sagte Peter Lehmann, Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus. Die Einrichtung der Wohnungslosenhilfe ist seit 2023 Träger der Glockestubb, während die Stadt weiterhin die Räumlichkeiten für das ursprünglich von ihr initiierte Projekt stellt. Eine Kooperation, die Früchte trägt.
„Ich möchte mich bei allen bedanken, die zur Erfolgsgeschichte der Glockestubb als Tagesstätte und ambulante Fachberatungsstelle beitragen. Bei den Hauptamtlichen, den Ehrenamtlichen und all den Institutionen in der Stadt, wie etwa das Jobcenter und die Stadtwerke, für ihr Engagement und die gute Kooperation“, sagte Lehmann in seiner Begrüßung. „Aber ich möchte auch den Gästen danke sagen, die uns ihr Vertrauen schenken. Und ich will eine Lanze für die Stadt brechen, die viel tut und uns gut unterstützt“, so Lehmann. „Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.“
Dem schloss sich Rosa Gosbee von der ambulanten Fachberatung an. „Wir sind froh, einen Teil zur Gemeinschaft hier in der Glockestubb beizutragen. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen zusammensitzen, miteinander spielen oder erzählen.“ Ihr Team und sie hätten stets ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen der Kunden und versuchten schnell und unbürokratisch Lösungen zu finden.
Monika Kowatsch schwingt nicht nur in der Küche den Kochlöffel, sie ist auch zuständig für das tägliche Geschäft in der Tagesstätte. „Ich bin sozusagen Mädchen für alles“, meint sie schmunzelnd. „Die Atmosphäre bei uns ist angenehm, das spricht sich herum. Die Menschen kommen gerne her und sind sogar hilfsbereit, wenn viel zu tun ist.“ „Die Stadt ist froh, dass die Caritas die Glockestubb übernommen hat“, versicherte Ulrike Schwarz vom Sozialreferat. „Sie ist eine wichtige Unterstützung für die Menschen und ein wertvoller Player für die Stadt. Die Kooperation läuft sehr gut.“
Während sich die Gäste im Anschluss die Kartoffelsuppe mit diversen Toppings und danach den Hefezopf und gefüllten Kranz schmecken ließen, konnten sie für diese Zeit ihre Probleme vergessen. Die sind ganz unterschiedlich und oft sehr groß. „Die Kunden, die unsere Fachberatungsstelle aufsuchen, befinden sich in einer kritischen Lebenssituation. Die häufigsten Themen sind die drohende Zwangsräumung der Wohnung oder schwierige Wohnungssuche, Schulden, Gas- und Stromsperre“, erklärt Rosa Gosbee. „Manchmal kommen noch andere Faktoren dazu.“ In einem Jahr hätten rund 1000 Beratungsgespräche stattgefunden, wobei 450 Menschen beraten wurden, wirft Gosbee einen Blick zurück auf die vergangenen drei Jahre.
Unterstützt von ihrer Kollegin, der Sozialarbeiterin Siglinde Lauer, tut sie alles, um zu helfen. Dabei leistet sie auch Aufklärungsarbeit und allgemeine Sozialberatung, leitet bei Bedarf an andere Hilfe- oder Fachberatungsstellen weiter. „Da ist es von Vorteil, dass wir ein gut funktionierendes Netzwerk haben und uns immer wieder mit unseren Kooperationspartner über die Bedarfe austauschen.“ Ein Krankenpfleger biete bei Bedarf Beratung in Gesundheitsfragen, drei Psychologinnen stehen alle 14 Tage im Wechsel für entlastende Gespräche zur Verfügung. Eine von ihnen ist Kerstin Fischer. „Mir liegen Menschen in prekären Situationen am Herzen. Deshalb ist es mir wichtig, ihnen dieses niederschwellige Angebot zu ermöglichen, das super gut angenommen wird.“
Die Glockestubb ist für Menschen in Bedrängnis eine Anlaufstelle in vielerlei Hinsicht. Sie finden hier nicht nur ein offenes Ohr und Unterstützung. Für einen Euro bekommen sie Frühstück und Mittagessen, können kostenlos duschen, ihre Wäsche waschen und sich in der Kleiderkammer mit dem eindecken, was ihnen fehlt. Außerdem haben sie hier Gesellschaft, können sich mit anderen austauschen, neue Kontakte knüpfen, an den Spielenachmittagen teilnehmen und sich sogar von zwei ehrenamtlichen Friseurinnen die Haare schneiden lassen.
„Die Ehrenamtlichen sind sehr wichtig. Ohne ihr Engagement könnte es die vielfältigen Angebote nicht geben. Sie tragen dazu bei, dass die Glockestubb ein zentraler Platz ist, an dem wir viele Probleme abfedern können“, betont Rosa Gosbee.
Text: Friederike Jung