Freitag, 13. März 2026
„Der Auftrag der Caritas ist eine Sache des Herzens“

Holger Maar ist neuer Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Diözese Speyer © Mario Moschel für den Caritasverband für die Diözese Speyer
Holger Maar in Landstuhl als neuer Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Diözese Speyer eingeführt
Speyer, 11. März 2026 – Am Mittwoch, 11. März, wurde Holger Maar offiziell als neuer Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Diözese Speyer in sein Amt eingeführt. Im Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl hatte der Verband zu einer Feier mit Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft zur Begrüßung von Holger Maar eingeladen.
Der 53-jährige Betriebswirt kommt aus der freien Wirtschaft und war unter anderem bei Unternehmen tätig, die Medizingeräte entwickelt und vertrieben haben. Maar entschied sich bewusst für einen Wechsel in die freie Wohlfahrtspflege und für den Caritasverband Speyer, um seine berufliche Erfahrung künftig für soziale Verantwortung und die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen einzubringen.
Theo Wieder, Vorsitzender des Caritasrates – des Aufsichtsgremiums des Caritasverbandes – erinnerte an das herausfordernde vergangene Jahr, das geprägt war von einer angespannten wirtschaftlichen Lage des Verbandes, der zeitweise kurz vor der Insolvenz stand. Zur Stabilisierung wurde die externe Beratungsfirma TMC Turnaround Management Consult hinzugezogen. Gemeinsam mit dem Interimsvorsitzenden Markus Bennemann von TMC, und Caritasdirektorin Barbara Aßmann wird Holger Maar in den kommenden zwei Monaten den Verband und seine aktuellen Herausforderungen kennenlernen. Nach dieser Übergangsphase wird Maar gemeinsam mit Aßmann den neuen zweiköpfigen Vorstand bilden. „Die Situation ist nach wie vor herausfordernd. Die Caritas ist auf dem Weg, aber noch lange nicht am Ziel“, sagte Wieder und dankte Holger Maar für dessen bewusste Entscheidung für einen Sozialverband in einer schwierigen Lage. „Aber sie bringen alles Nötige mit, um die Caritas gut aufzustellen.“ Er freue sich auf die künftige Zusammenarbeit, so Wieder.
Der Generalvikar des Bistums, Markus Magin, verwies auf die Bergpredigt im Matthäusevangelium: „Jesus sagt: Selig sind die Armen, die Hungernden, die Traurigen, denn ihnen wird geholfen. Die Hungernden bekommen zu essen, die Traurigen werden getröstet, die Kranken besucht. Die Menschen spüren eine Sehnsucht nach Trost und Annahme, die über irdische Bedürfnisse hinausgeht – sie reicht bis in den Himmel.“ Magin betonte, dass der so definierte Auftrag der Caritas eine Sache des Herzens sei, gleichzeitig aber Strukturen, Verstand und eine solide Finanzierung benötige. Auch er dankte Holger Maar für seine Bereitschaft, sich der anspruchsvollen Aufgabe der Verbandssanierung zu stellen. Magin überreichte die Ernennungsurkunde im Namen des Bischofs Dr. Karl-Heinz Wiesemann.
Grußworte für den neuen Caritasdirektor sprachen zudem der saarländische Sozialminister Dr. Magnus Jung, der stellvertretende Abteilungsleiter für Soziales im Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz, Olaf Noll, sowie der Beigeordnete für die Kommunen der Kreisverwaltung Kaiserslautern, Peter Schmidt.
Sozialminister Jung nahm Bezug auf die aktuelle politische Debatte über die Ausgestaltung des Sozialstaates: „In den vergangenen 20 Jahren sind die Kosten für die Leistungen, die der Sozialstaat für seine Bürger bereitstellt, nicht dramatisch angestiegen. Der Sozialstaat wächst nicht wie eine Krake.“ Dennoch befänden sich Kranken- und Pflegeversicherung in der Krise, und viele Bürger hätten das Vertrauen in den Sozialstaat verloren. „Die Caritas ist ein starker Partner, der den Sozialstaat unterstützt. Sie verbindet Herz und Verstand und trägt dazu bei, dass eine solidarische und demokratische Gesellschaft gestaltet wird.“ Jung hob insbesondere die Bedeutung von Hilfen für Kinder und Familien hervor: Sie könnten nur gut aufwachsen, wenn verlässliche Strukturen vorhanden seien.
Holger Maar bedankte sich für den herzlichen Empfang und betonte: „Ich freue mich darauf, in den kommenden Wochen die mehr als 40 Einrichtungen des Caritasverbandes kennenzulernen und meine Erfahrung einzubringen. Mein Ziel ist es, gut zuzuhören, um zu verstehen, was die Mitarbeitenden bewegt. Die Menschen stehen im Mittelpunkt meines Wirkens – deshalb habe ich mich bewusst für die Caritas entschieden.“
Theo Wieder hob abschließend die komplexe Ausgangslage hervor: „Der Caritasverband Speyer befindet sich auf einem Weg der Stabilisierung, ist aber noch lange nicht am Ziel. Bei einem Verband, dessen Auftrag die Nächstenliebe ist, ist Wirtschaftlichkeit Mittel zum Zweck – nämlich Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Das Schiff Caritas muss wieder in ruhige Gewässer gelangen.“ Er wünschte dem neuen Caritasdirektor Gottes Segen und betonte, dass Maar die nötige Professionalität mitbringt, um den Verband zukunftsfähig aufzustellen und auch schwierige Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen.
Text: Melanie Müller von Klingspor

