Montag, 16. März 2026

„Palette an Fragestellungen und Themen gemeinsam gestalten“

Die Mitglieder der Diözesanversammlung stehen gemeinsam auf für Menschenwürde und Demokratie © Bistum Speyer 

Diözesanversammlung tagte im Heinrich Pesch Haus

Speyer. Die Diözesanversammlung im Bistum Speyer tagte am Samstag im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen zu einer Vielzahl an Themen. Bischof Wiesemann begrüßte die Mitglieder und dankte ihnen, „dass Sie sich aufgemacht haben, dass wir diesen Tag mit einer sehr großen und unterschiedlichen Palette an Fragestellungen und Themen gemeinsam gestalten“. Zu Beginn der Versammlung stand ein „Gespräch im Geist“, bei dem sich die Mitglieder der Frage „Was ist unsere Sendung“ widmeten. Mit Blick darauf betonte der Bischof, dass es Aufgabe der Kirche sei, „mitten in den aktuellen Notwendigkeiten in einer komplexen Welt eine kritische und prophetische Stimme erheben zu können.“ Theo Wieder, Vorsitzender der Diözesanversammlung, ergänzte, die Aufgabe des Gremiums sei, „Strahlkraft zu entfalten nach innen, Strahlkraft zu entfalten nach außen, um so auf Menschen zuzugehen“.

 

Einsatz für Menschenwürde und Demokratie

Das Bistum Speyer hat gemeinsam mit den christlichen Kirchen in Rheinland-Pfalz und Hessen anlässlich der Landtags- und Kommunalwahlen die Initiative „Aufstehen für Menschenwürde und Demokratie“ gestartet. Auch die Diözesanversammlung möchte, so die Vorsitzende Dr. Isabelle Faul, ihren „Einsatz für Menschenwürde, Demokratie und Zusammenhalt bekräftigen“, und hat deshalb zur Landtagswahl am 22. März eine entsprechende Erklärung verabschiedet.

Darin heißt es, dass sich die Diözesanversammlung „für Solidarität, Teilhabe und ein respektvolles Miteinander aller Menschen in unserem Land“ einsetzt. „Extremismus und populistische Ideologien sind mit unserem Glauben unvereinbar und haben in der Kirche keinen Platz.“ Die Mitglieder stehen gemeinsam auf für „die universalen und unteilbaren Menschenrechte“, für „den Schutz der globalen Gemeinschaftsgüter“, für „unsere rechtsstaatliche Demokratie“, für „ein politisches Handeln, das nicht an nationalen Grenzen endet“ und für „einen Politikstil, der verbindet statt spaltet“. In der Erklärung heißt es weiter: „Unsere Demokratie braucht Menschen, die Haltung zeigen. Darum rufen wir alle Wahlberechtigten in Rheinland-Pfalz auf: Gehen Sie wählen! Bringen Sie Ihre Stimme ein – für die Würde und Freiheit aller Menschen, für unsere Demokratie und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

 

Innovation und Transformation im Bistum Speyer

Die 2024 gegründete Stabsstelle Innovation und Transformation stellte bei der Diözesanversammlung ihre bisherige Arbeit vor. Sie soll zum einen Entwicklungsprozesse in bestehenden Strukturen fördern und begleiten, zum anderen neue Formen von Kirchen bei der Entstehung unterstützen. Letzteres impliziert auch die Schaffung von mittlerweile zwölf Pionierstellen – Projekte, die Kirche sozialräumlich caritativ mit den Menschen vor Ort entwickeln.

Vier Pionierinnen und Pioniere präsentierten im Rahmen der Versammlung ihre Projekte. Claudia Fischer hat mit der „Alten Eisdiele“ in Lachen-Speyerdorf einen Ort für Begegnung und Austausch geschaffen; Menschen sind eingeladen zum „Ankommen, Erzählen, Nachdenken oder einfach Dasein“. Pionierin Ute Garth widmet sich in der Bücherei Bann der sozialraumorientierten Büchereiarbeit – die Bücherei ist ein Ort zum Wohlfühlen, Lesen, Spielen und Malen. Gerade gestartet sind die Projekte „Digitale Glaubenskommunikation“ von Tanja Rieger, und „Quartier Ludwigshafen“ von Manfred Heitz. Tanja Rieger will aktiv Räume gestalten, in denen Glaube geteilt und neu entdeckt werden kann – dabei gelte es, digitale und analoge Ausdrucksformen zu verbinden, und Pfarreien und Gemeinschaften in dem Prozess auch zu unterstützen. Im neuen Stadtviertel rund um das Heinrich Pesch Haus will Manfred Heitz sich dafür einsetzen, Kirche von Anfang an präsent und erlebbar zu machen, um eine Quartier-Gemeinschaft entstehen zu lassen.

 

Zukunft der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars

Der Verwaltungsrat des Bischöflichen Priesterseminars St. German hat nach intensiven Prüfungen beschlossen, die Bibliothek des Priesterseminars in Speyer zu schließen – Bischof Wiesemann hat die Diözesanversammlung vor seiner Genehmigung um ein Votum gebeten.
Wie Seminarrektorin Tatjana Blumenstein berichtete, war die Zahl der Bibliotheks-Nutzer in den vergangenen Jahren stark eingebrochen, bedingt insbesondere durch die Digitalisierung und die Möglichkeit des Online-Zugriffs sowie durch einen veränderten Bedarf.
Wertvolle Bestände sollen durch das Bistumsarchiv übernommen werden. Weitere historische Bestände können an die Landesbibliothek oder an andere Interessierte übergehen, ein kleiner Teil wird im Seminar verbleiben. Die restlichen Bücher sollen verkauft werden.
Die Mitglieder der Diözesanversammlung bestätigten die Entscheidung des Verwaltungsrates und votierten für eine Schließung der Bibliothek des Priesterseminars.

 

Von Strukturreform bis Finanzen

Generalvikar Markus Magin informierte die Mitglieder der Diözesanversammlung über den aktuellen Stand der Resonanzphase in der Strukturreform. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere Beratungsveranstaltungen und Dekanatsbesuche stattgefunden. „Ich persönlich erlebe eine deutlich größere Bereitschaft als in der ersten Beratungsphase, die vor uns liegenden Herausforderungen anzupacken“, fasste Magin zusammen. „Grundsätzlich wird das Konzept begrüßt.“ Der Schritt hin zu großen Pfarreien scheine große Zustimmung zu finden. Wichtige Themen in allen Veranstaltungen waren die Gestaltung der Gemeindeebene sowie die Machbarkeit für Ehrenamtliche.
Generalvikar Magin betonte, dass bereits zahlreiche Rückmeldungen beim Bistum eingingen, und auch der Online-Fragebogen, der auf der Website des Bistums zu finden ist, werde genutzt. Die synodale Beratungsphase geht noch bis Ende April. Anschließend werden die Rückmeldungen ausgewertet und zu Beschlussempfehlungen für die Diözesanversammlung am 13. Juni gebündelt.

Im Rahmen der Versammlung standen auch Wahlen an: Ursula Schieler wurde zur Delegierten für die von Bischof Wiesemann geleitete Ökumenekommission, Annika Bär zur Delegierten für die ACK-Südwest gewählt. Dekan Dominik Geiger ist neues Mitglied für den Ausschuss „Synodale Prozesse“ der Diözesanversammlung.

Finanzdirektor Christoph Baumann brachte darüber hinaus die Mitglieder im Hinblick auf die Haushaltsplanung 2026 und die finanzielle Entwicklung des Bistums auf den aktuellen Stand. Er führte aus, dass für 2026 im Rahmen des Strategieprozesses geplant ist, zum ersten Mal mit weniger Ausgaben als Kirchensteuereinnahmen in die Konsolidierung zu starten.

Schließlich informierte Kanzleidirektor Wolfgang Jochim die Diözesanversammlung über die „Landauer Erklärung“ zur finanziellen Situation der Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz. Die öffentlichen Träger der Jugendhilfe und die Kirchen der Pfalz, das Bistum Speyer und die Evangelische Kirche der Pfalz, hatten hierzu im Februar einen offenen Brief an die Landesregierung geschickt. Sie fordern eine deutliche Erhöhung der finanziellen Beteiligung des Landes an der Kita-Finanzierung, insbesondere bei den Personalkosten, verbindliche und verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine Umsetzung des vielfach eingeforderten Konnexitätsprinzip. Ohne eine höhere kommunale Bezuschussung können die katholischen Kitas nicht mehr in der bisherigen Anzahl weitergeführt werden.

 

Zum Download:

„Wir stehen auf für Menschenwürde und Demokratie“ - Erklärung der Diözesanversammlung des Bistums Speyer zur Landtagswahl 2026