Montag, 13. April 2026
1000 Jahre Dom-Geschichte im Fokus

Festvortrag von Prof. Dr. Bernd Schneidmüller zum Thema „Der Dom zu Speyer und seine Wege in die mittelalterliche Geschichte“ im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte © Bistum Speyer
Jahrestagung der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte mit Vorträgen und Ehrengabe
Speyer. Mit Blick auf das große Dom-Jubiläum 2030 stand vom 9. bis 11. April die tausendjährige Geschichte der Speyerer Kathedrale im Mittelpunkt der 78. Jahrestagung der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte. Zum Beginn standen mit der Verwaltungsratssitzung und der Mitgliederversammlung die Regularien im Vordergrund. Im Anschluss beschäftigen sich unter der Überschrift „Der Dom zu Speyer im Laufe des vergangenen Jahrtausends“ verschiedene Fachvorträge mit der romanischen Kathedrale.
Zu Beginn standen hier astro-archäologische Überlegungen des österreichischen Bauingenieurs Prof. Dr. Erwin Reidingers zum Gründungsdatum des Domes. Dr. Martin Armgart sprach über „den spätmittelalterlichen Dom anhand von Quellenzeugnissen“. Anschließend beleuchtete Prof. Dr. Hans Ammerich die Zerstörung des Doms im Jahr 1689 und den Wiederaufbau unter Bischof Limburg-Stirum. Prof. Dr. Hannelore Putz, Leiterin des Passauer Bistumsarchivs, widmete sich dem Verhältnis von König Ludwig I. von Bayern zum Speyerer Dom und stellte dieses im Spannungsfeld zwischen Modernisierung und Traditionsbildung dar. Der Direktor des Speyerer Bistumsarchivs, Dr. Thomas Fandel, thematisierte die Feier der Speyerer Domjubiläen im 20. Jahrhundert im Kontext politischer und kirchlicher Entwicklungen. Dem folgte ein Vortrag von Dombaumeisterin Hedwig Drabik, die die Restaurierungsarbeiten am Dom zu Speyer von 1930 bis in die Gegenwart mit Blick auf die technischen Entwicklungen erläuterte.
Den Schlusspunkt der Vortragsreihe setzte der öffentliche Festvortrag von Prof. Dr. Bernd Schneidmüller. Der Historiker, der lange an der Heidelberger Universität gelehrt hatte, sprach über den „Dom zu Speyer und seine Wege in die mittelalterliche Geschichte“. Er machte sich auf die Suche nach Schriftquellen, durch welche der Speyerer Dom „in die Geschichte kam“, und wertete deren Aussagen zu markanten Ereignissen in der Historie der Kathedrale.
Das Tagungsprogramm umfasste neben den Regularien und Fachvorträgen auch mehrere Führungen, unter anderem durch den Dom, die Gedächtniskirche, die Kirche St. Bernhard, den Judenhof sowie das Historische Museum der Pfalz. Einen geistlichen Akzent setzte ein Gottesdienst in der Afrakapelle des Doms, den Weihbischof em. Otto Georgens, Vizepräsident der Gesellschaft, am Samstagvormittag hielt.
Ehrengabe für Dr. Paul Warmbrunn
Ein besonderer Programmpunkt im Rahmen der Jahrestagung war die Ehrung von Dr. Paul Warmbrunn, ehemaliger stellvertretender Leiter des Pfälzischen Landesarchivs. Er wurde für seine Verdienste um die Erforschung der pfälzischen Kirchen- und Landesgeschichte mit der Ehrengabe der Gesellschaft ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Präsident der Gesellschaft Priv.-Doz. Dr. Thomas Brockmann. Er erklärte, Paul Warmbrunn gehöre zu den „profiliertesten Kennern der frühneuzeitlichen Kirchengeschichte“ und habe insbesondere mit seiner Dissertation zur konfessionellen Koexistenz „eine weithin bekannte Grundlagenarbeit“ vorgelegt. Er hob hervor, Warmbrunn sei seinem Forschungsschwerpunkt treu geblieben und habe zugleich ein außergewöhnlich breites Werk geschaffen, das von der Kirchen- über die Justiz- bis zur Wirtschaftsgeschichte reiche. Zudem betonte Brockmann, Warmbrunn habe neben seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Archiv und seinem wissenschaftlichen Œuvre auch ein „beharrliches ehrenamtliches Engagement“ gezeigt. Warmbrunn selbst bezeichnete es als Glückfall, dass er die Archivlaufbahn eingeschlagen und dabei in der gemischt-konfessionellen Pfalz gelandet sei. „Überrascht und überwältigt“ nahm er zur Kenntnis, dass seine Beschäftigung mit der Konfessionsgeschichte mit dem Erhalt der Ehrengabe der Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte eine besondere Würdigung erfuhr.
Die Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte
Die 1948 gegründete Gesellschaft vereint Forschende und kirchenhistorisch Interessierte aus den Bistümern Erfurt, Fulda, Limburg, Mainz, Speyer und Trier. Sie organisiert regelmäßig wissenschaftliche Tagungen, initiiert Forschungs- und Editionsprojekte und fördert den Austausch zwischen Theologie, Kultur- und Geisteswissenschaften. Die Jahrestagungen finden turnusmäßig in den beteiligten Bistümern statt.
