Donnerstag, 04. Juni 2026
Fronleichnam in Speyer: Eucharistie als Antwort auf den Hunger des Menschen
Weihbischof em. Otto Georgens stellt die Kraft der Gemeinschaft in den Mittelpunkt
Die katholischen Christen in Speyer haben Fronleichnam als starkes öffentliches Glaubenszeugnis gefeiert. Im Zentrum standen das festlich gestaltete Pontifikalamt mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in der Kirche St. Joseph und die anschließende Prozession, an der mehrere hundert Gläubige teilnahmen, durch die Innenstadt zum Dom. Die liturgische Gestaltung machte deutlich, dass Fronleichnam weit über den kirchlichen Innenraum hinaus in den öffentlichen Raum hineinwirkt. Rund um diese Feier, die musikalisch vom Ferienchor der Dommusik begleitet wurde, setzte Weihbischof em. Otto Georgens in seiner Predigt einen klaren inhaltlichen Akzent, indem er die Eucharistie als Antwort auf den „Hunger des Menschen“ deutete und damit eine zentrale Lebensfrage in den Mittelpunkt rückte.
Von der Symbolhandlung zur Lebenshaltung
In seiner Predigt entfaltete der emeritierte Weihbischof ausgehend vom Wort Jesu „Ich bin das lebendige Brot“ ein eindrückliches Bild des Menschen als suchendes und hungerndes Wesen. Entscheidend sei, woran dieser Hunger sich orientiere: Rein materielle Fixierungen führten nicht zur Erfüllung, sondern im Extremfall in innere Leere und Zerstörung. Dem stellte er die Eucharistie als Quelle von Beziehung, Gemeinschaft und Sinn gegenüber. Im gemeinsamen Mahl werde sichtbar, dass Leben nicht im Besitz aufgeht, sondern im Teilen, Empfangen und Sich-Schenken seine eigentliche Tiefe gewinnt. „Daher gehört die Eucharistie zum Zentrum unseres Glaubens. Im Essen und Trinken, im Teilhaben am Brot und am Wein berühren sich Gott und Mensch und beide werden eins“, so Georgens in seiner Predigt. Eucharistie sei damit nicht nur liturgisches Zentrum, sondern Ausdruck einer Lebensweise, die auf Begegnung, Dienst und Versöhnung ausgerichtet ist.
Prozession als sichtbare Verankerung im Alltag
Diese Perspektive prägte auch die anschließende Prozession durch die Speyerer Innenstadt bis zum Dom. Bischof Dr. Wiesemann trug die Monstranz mit dem Allerheiligsten sichtbar durch den Stadtraum und setzte damit ein bewusstes Zeichen der Verbundenheit von Glauben und Alltag. Die Feier wurde so zur Bewegung einer Kirche, die unterwegs ist und sich in die Lebenswirklichkeit der Menschen hineinbegibt. Den feierlichen Abschluss bildeten eine Station am blumengeschmückten Domplatz, bei der auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Bürgermeister Dr. Alexander Schubert Fürbitten für ein gutes Miteinander aller Menschen in der Stadt Speyer sprachen, und der sakramentale Segen im Dom durch Bischof Dr. Wiesemann, der die Botschaft der Feier noch einmal verdichtete: Glaube zeigt sich dort, wo er Gemeinschaft stiftet und Orientierung für das Leben in einer komplexen Gegenwart gibt.






