Sonntag, 16. August 2026

„Die Liebe Gottes hat das letzte Wort“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann vertiefte in seiner Predigt an Mariä Himmelfahrt den Gedanken an den Umgang mit Schmerz und Verlust © Klaus Landry 

Feierlichkeiten zum Patronatsfest Mariä Himmelfahrt im vollbesetzten Speyerer Dom

Speyer. Am Vormittag des 15. August feierte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesmann ein feierliches Pontifikalamt im Speyerer Dom. Dieser Gottesdienst war Teil der Feiern zum Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele (kurz: Mariä Himmelfahrt), welches zugleich das Patronatsfest von Dom und Bistum ist.

 

Die Endlichkeit des Lebens

In seiner Begrüßung sagte Bischof Wiesemann, dass dieses Fest einen Umbruch im Leben Marias und aller Menschen markiere, die aus Enge und Bedrängnis kommend in den Himmel und auf das Heil schauten. Sinnbildlich hierfür sei an diesem Tag das große, schwere Hauptportal des Doms weit geöffnet.

Der Bischof vertiefte in seiner Predigt den Gedanken an den Umgang mit Schmerz und Verlust. Er schilderte, wie vor fünf Jahren, nach dem plötzlichen Tod seines Schwagers, eines von dessen Enkelkindern gefragt habe, ob der Opa im Himmel wohl noch seinen Schnurrbart habe. Diese Kinderfrage bringe den Kern des christlichen Glaubens auf den Punkt: Jeder Mensch ist kostbar und einzigartig. Er wird von Gott als konkrete Person mit Leib und Seele bewahrt, mit allem, was ihn als Menschen ausgemacht hat. „Die Hoffnung bezieht sich auf den konkreten Menschen, weil auch die Liebe in den konkreten Menschen hineingeht“, sagte Wiesemann.

Dagegen sei der Glaube an ein Weiterleben in Erinnerungen oder als Moleküle im Universum nur ein schwacher Trost. Die christliche Hoffnung gehe darüber hinaus, führte Wiesemann weiter aus. Das, was im Leben unvollendet und abgebrochen sei, was an Wunden und Verletzungen nicht habe geheilt werden können, das werde bei Gott vollendet. Es könne im Hier und Jetzt bereits als große Entlastung wirken, zu wissen, „das Abgebrochene, das Unvollendete, ich muss das nicht alles allein machen.“ Dies bedeute auch, Frieden mit der Endlichkeit des eigenen Lebens machen zu können. Da, wo die Endlichkeit des Lebens nicht akzeptiert werde und die Menschen sich gottgleich machen, da entstehe eine Selbstherrlichkeit, die in der Autokratie münde und Unfrieden in die Welt trage.

Am Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel komme zum Ausdruck: Maria, die den gewaltsamen Tod ihres Kindes miterleben musste, hat auch die Hoffnung der Auferstehung erfahren. Dadurch könne sie zum Zeichen der Hoffnung und des Trostes werden.

 

Bastian Fuchs ist neuer Domorganist

Im Rahmen des Pontifikalamtes wurde der neue Domorganist Bastian Fuchs von Domdekan Dr. Georg Müller offiziell im Amt begrüßt. Trotz seiner jungen Jahre bringe er schon einiges an Erfahrung mit; zudem einen bayerischen Zungenschlag, der jedoch gut in das Bistum Speyer passe, das Teil des bayerischen Erzbistums Bamberg ist. Als Willkommensgeschenke erhielt er, neben einer kleinen Orgelpfeife, auch ein Flasche Domwein, die ihm verdeutlichen solle, „dass er von einer Bier- in eine Weinregion gewechselt ist“, wie Domdekan Dr. Müller anmerkte.

Außer durch den Domorganisten wurde der Gottesdienst vom Domchor und dem JugendKathedralChor musikalisch gestaltet. Es erklangen Teile der Messe „Salve Regina“ von Wolfram Menschig, das Stück „Ave Verum Corpus“ von Edward Elgar und eine Komposition für Bläser und Orgel „O Königin voll Herrlichkeit“ des neuen Domorganisten Bastian Fuchs. Den Schlusspunkt war die Statio vor dem Gnadenbild der Muttergottes mit dem mittelalterlichen Hymnus „Salve Regina“.

Im Rahmen des Gottesdienstes wurden die Kräuter- oder Würzwische gesegnet, welche die Menschen mit in den Dom gebracht hatten. Diese zeigten, „was uns schon jetzt für Leib und Seele an Schönem im Leben geschenkt ist“, so Bischof Wiesemann.

Eine Aufzeichnung des Gottesdienstes steht auf den Youtube-Kanälen von Dom und Bistum zum Abruf bereit.

 

Stimmungsvoller Abschluss mit Andacht und Lichterprozession

Den stimmungsvollen Schlusspunkt des Festtages bildete die abendliche Andacht unter der Leitung von Pfarrer Thomas Ott. Die musikalische Gestaltung übernahmen der Chor der Dompfarrei Pax Christi und die Dombläser. In ihrer Predigt stellte Kerstin Fleischer, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Bistum Speyer, die Liebe Gottes, die Würde des Menschen und die Kraft des Vertrauens in den Mittelpunkt.

Ausgehend von der Lesung aus dem Römerbrief erinnerte Fleischer an die Zusage: „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.“ Diese Botschaft gelte auch angesichts von Krankheit, Angst, Scheitern und Tod. Mariä Himmelfahrt erzähle davon, „was Gottes Liebe mit einem Menschen vermag“: Gott nehme den ganzen Menschen an – mit seiner Geschichte, seinen Wunden, seiner Hoffnung und seinem Leib.

Zugleich stellte Fleischer die Botschaft des Festes in den Zusammenhang einer Gesellschaft, in der Menschen häufig nach Leistung bewertet würden und zwischen Selbstoptimierung und Selbstzweifeln stünden. „Der Mensch ist mehr. Unendlich viel mehr“, betonte sie. Jeder Mensch trage eine Würde, die er sich nicht selbst verdienen müsse, sondern die ihm geschenkt sei.

Maria könne dabei gerade angesichts von Schmerz und Ungewissheit ein Vorbild sein. Sie habe Gott mehr zugetraut als ihren eigenen Ängsten und Befürchtungen. Glaube bedeute deshalb nicht, auf alles eine Antwort zu haben, sondern auch dort vertrauen zu können, wo Antworten noch fehlen. „Kontrolle sagt: Ich muss wissen, was kommt. Vertrauen sagt: Ich weiß nicht, was kommt – aber ich weiß, wem ich entgegengehe und wer mit mir geht.“

Das Magnificat deutete Fleischer als Gegenentwurf zu Macht, Reichtum und Selbstdarstellung. Maria stelle nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern sage: „Meine Seele preist die Größe des Herrn.“ Darin liege auch eine besondere Form innerer Freiheit: Der Mensch müsse seinen Wert nicht durch Leistung oder die Anerkennung anderer verdienen.

Zum Abschluss rief Fleischer dazu auf, selbst Menschen der Hoffnung zu sein: „Menschen, die Hoffnung ausstrahlen; Menschen, die aufrichten; Menschen, die Vertrauen säen und wachsen lassen.“ Mariä Himmelfahrt verweise dabei auf die Zukunft des Menschen bei Gott. „Wir feiern unsere Zukunft“, sagte Fleischer. „Maria ist uns voraus, und deshalb dürfen wir hoffen – auch wenn wir nicht alles verstehen, auch wenn wir Angst haben und auch wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht.“

Sie betonte: „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes“, darin liege die Hoffnung des Tages. „Und Maria steht heute vor uns als das große Zeichen dafür: Die Liebe Gottes hat das letzte Wort.“

Gottesdienst im vollbesetzten Speyerer Dom © Klaus Landry 

Die musikalische Gestaltung des Pontifikalamtes übernahmen der Domchor und der JugendKathedralChor © Klaus Landry 

Im Rahmen des Gottesdienstes wurde der neue Domorganist Bastian Fuchs (Mitte) von Domdekan Dr. Georg Müller (links) und Domkapellmeister Markus Melchiori (rechts) offiziell im Amt begrüßt © Klaus Landry 

Die Feierlichkeiten zu Mariä Himmelfahrt fanden mit einer abendlichen Andacht und einer Lichterprozession ihren Abschluss © Klaus Landry 

Hauptabteilungsleiterin Kerstin Fleischer predigte im vollbesetzten Dom im Rahmen der Abendandacht © Klaus Landry 

Die musikalische Gestaltung der abendlichen Andacht übernahmen der Chor der Dompfarrei Pax Christi und die Dombläser © Klaus Landry 

Die Feierlichkeiten zu Mariä Himmelfahrt fanden mit einer abendlichen Andacht und einer Lichterprozession ihren Abschluss © Klaus LandryDie Feierlichkeiten zu Mariä Himmelfahrt fanden mit einer abendlichen Andacht und einer Lichterprozession ihren Abschluss © Klaus Landry