Montag, 17. August 2026
Kolping Rheinland-Pfalz und Diözesanverband Speyer: Sonntagsschutz darf nicht zum Reparaturin-strument für strukturelle Probleme werden
Kaiserslautern, 10.08.2026 - Aufgrund des extremen Niedrigwassers am Rhein wurde das Sonntags-fahrverbot für Lkw in Rheinland-Pfalz seit letztem Wochenende gelockert. Der Kolping Landesverband Rheinland-Pfalz betrachtet diese Entscheidung mit Sorge. Verständnis für die besondere Situation und die damit verbundenen Herausforderungen für Wirtschaft und Versorgung bedeute nicht automatisch Zustimmung zur Lockerung des Sonntagsschutzes.
„Der Sonntag ist für uns ein gesellschaftlicher Wert. Er schafft einen gemeinsamen Rhythmus, ermöglicht Familien gemeinsame Zeit, Erholung, Ehrenamt und Begegnung. Gerade deshalb sollten wir sehr sorgfältig damit umgehen, wenn der Sonntagsschutz zugunsten kurzfristiger wirtschaftlicher Problemlösungen eingeschränkt wird“, erklärt Diakon Andreas W. Stellmann, Vorsitzender des Kolping Landesverbandes Rheinland-Pfalz.
Aus Sicht von Kolping stehen gute Arbeit, der Schutz von Familie und gemeinsamer Zeit sowie die Be-wahrung der Schöpfung in einem engen Zusammenhang. Der Sonntag ist dabei ein wichtiger Bestandteil einer Gesellschaft, in der der Mensch und nicht allein wirtschaftliche Effizienz im Mittelpunkt steht.
Die aktuelle Situation auf dem Rhein macht nach Auffassung der beiden Kolpingverbände zudem ein grundlegenderes Problem sichtbar: Die Abhängigkeit von funktionierenden Verkehrswegen und die zunehmenden Herausforderungen durch klimatische Veränderungen erfordern langfristige Antworten.
„Mit der Lockerung des Sonntagsfahrverbots lösen wir ein akutes Problem – aber nicht dessen Ursa-che“, erklärt Matthias Donauer, Leiter des Arbeitskreises Landespolitik des Kolping Landesverbandes Rheinland-Pfalz. „Wenn Niedrigwasser dazu führt, dass unsere Logistik an ihre Grenzen kommt, müssen wir uns fragen, wie wir unsere Verkehrsstrukturen resilienter und klimaverträglicher gestalten können. Eine kurzfristige Verlagerung auf die Straße kann keine langfristige Strategie ersetzen.“
Kolping plädiert deshalb dafür, die nun geltende Regelung tatsächlich als Ausnahme für eine außer-gewöhnliche Situation zu behandeln. Gleichzeitig brauche es mehr politische Anstrengungen für eine nachhaltige und krisenfeste Logistik, eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf geeignete Ver-kehrsträger und eine Infrastruktur, die auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zuverlässig funktioniert.
„Als Kolping wollen wir wirtschaftliche Realität und soziale Verantwortung nicht gegeneinander aus-spielen. Gute Arbeit, intakte Familien und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen gehören zusammen“, betont Stefan Krantz, Diözesanvorsitzender des Kolpingwerks Speyer. „Der Sonntag darf nicht zum Reparaturinstrument für Probleme werden, die wir an anderer Stelle langfristig lösen müssen.“
„Wir sehen deshalh sieht die aktuelle Lockerung daher nicht als zukunftsweisende Lösung, sondern als Anlass, die langfristigen Herausforderungen von Verkehr, Klimawandel und Arbeitswelt stärker in den Blick zu nehmen“, betonen Stellmann und Krantz für die beiden Verbände abschließend.
