Dienstag, 20. September 2022

Trauer um Monsignore Erich Ramstetter

Monsignore Erich Ramstetter 

Ludwigshafen. Der frühere Ludwigshafener Dekan Monsignore Erich Ramstetter ist tot. Er starb am Freitag, 16. September 2022, im Alter von 96 Jahren in seinem Geburtsort Ludwigshafen. Das katholische Dekanat Ludwigshafen verliert mit ihm einen engagierten Wegbegleiter.

„Monsignore Erich Ramstetter war für die Gemeinde St. Josef, Friesenheim und ganz Ludwigshafen eine Konstante“, sagt Pfarrer Dominik Geiger. Besonders eng war der am 20. September 1924 geborene Geistliche mit der Friesenheimer Gemeinde St. Josef verbunden. Hier wirkte er vom 1. Oktober 1960 an zuerst als Pfarrer und ab 5. Oktober 1971 bis zu seinem Ruhestand 1998 als Dekan an der katholischen Kirche St. Josef. Noch mit weit über 90 Jahren ließ er es sich nicht nehmen, in „seiner“ Kirche noch Gottesdienste zu feiern.

Fast 40 Jahre im aktiven Dienst haben in der Gemeinde St. Josef ihre Spuren hinterlassen. „Er hat die Menschen in St. Josef geprägt und sich beim Aufbau der Gemeinde sehr verdient gemacht“, sagt Pfarrer Geiger. Ramstetters Wirken sei bis heute zu spüren und er genieße ein sehr hohes Ansehen auch aufgrund seiner Menschlichkeit. „Ich selbst bin sehr dankbar, dass ich meinen Vor-Vorgänger im Amt als Dekan und auch als Pfarrer an St. Josef und St. Gallus noch persönlich kennenlernen durfte. Er hatte immer ein offenes Ohr für mich, was heute nicht selbstverständlich ist“, würdigt ihn Dominik Geiger, der ab 1. Oktober der neue Ludwigshafener Dekan ist.

Auch die Ökumene war dem Seelsorger ein großes Anliegen und er engagierte sich in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK). Als Dekan hat er sich sehr für die Stadt eingesetzt und in zahlreichen Ausschüssen und Gremien mitgewirkt, unter anderem beim Stadtjugendring und im Jugendhilfeausschuss. Er war vielfältig in Vereinen und Verbänden ehrenamtlich engagiert. Zudem gründete er eine eigene Stiftung, die musikalische Projekte fördert. Die Partnerschaft mit Dessau, heute Dessau-Roßlau, in Sachsen-Anhalt lag ihm besonders am Herzen. Eine enge Freundschaft verband Monisgnore Erich Ramstetter mit dem 2017 verstorbenen Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl.

„Er hat als Dekan und Vorsitzender der Gesamtkirche die Arbeit des Heinrich Pesch Hauses stets gefördert“, sagt Dominik Geiger. So seien die Grundlagen zum Beispiel für den Bau der Heinrich-Pesch-Siedlung durch den Ludwigshafener Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes gelegt worden.

"Das katholische Dekanat Ludwigshafen gedenkt seiner in großer Dankbarkeit. Möge er bei Gott in Frieden ruhen."

Terminhinweis:
28.09., 17:30 Sterberosenkranz und anschl. Totenvesper in St. Josef
29.09., 11:00 Requiem anschließend Beisetzung auf dem Friedhof Friesenheim

Foto: Dekanat/rad

Nachruf des Heinrich Pesch Hauses

Auch die Leitung des Heinrich Pesch Hauses würdigt den verstorbenen früheren Ludwigshafener Dekan Monsignore Erich Ramstetter in einem Nachruf:

"Vier Tage vor seinem 97. Geburtstag ist am Freitag, 16. September 2022, Monsignore Erich Ramstetter verstorben. „Er war über Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit für die Sendung der Kirche in Ludwigshafen“, so charakterisieren ihn Tobias Zimmermann SJ und Ulrike Gentner. „Er hat die entscheidende Bedeutung des kirchlichen Bildungsauftrages für die Zukunft von Gesellschaft und Kirche früh erkannt und das Heinrich Pesch Haus nachhaltig gefördert. Die Mittel, mit denen wir heute, z.B. über die Pesch Siedlung, den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft fördern können, verdanken wir wesentlich auch seiner Vorsorge und Umsicht. Und so werden wir in diesem Engagement immer tief mit ihm verbunden bleiben.“

Monsignore Erich Ramstetter war maßgeblich an der Neugründung des Heinrich Pesch Hauses beteiligt: angefangen beim Kauf der Grundstücke über dem Bau des Gebäudes bis hin zur Ausrichtung. „Er begleitete seither die Arbeit des Hauses inhaltlich und konzeptionell und hatte wesentlichen Anteil an der Gründung der Heinrich-Pesch-Stiftung“, würdigt Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des HPH, die enge Verbundenheit des Verstorbenen mit dem Haus.

Aber nicht nur in der Gründungsphase sei der Ludwigshafener Ehrenbürger ein treuer Begleiter und Ratgeber gewesen, sondern weit darüber hinaus. Er habe es jederzeit verstanden, die Zeichen der Zeit zu lesen und Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu geben. Auch den Mitarbeitenden im Haus sei er immer ein wichtiger Partner gewesen. „Er förderte und forderte gleichermaßen, dass das HPH als katholische Bildungseinrichtung soziale Themen aufgreift und bearbeitet, für Glaube, Gerechtigkeit und Bildung eintritt und dabei auch als wichtiger Partner der Stadt auftritt“, blickt Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Heinrich Pesch Hauses, zurück.

Er und sein Bruder unterstützten auch finanziell Aktivitäten wie das Kinderferienprogramm sowie Sprach- und Spielgruppen für Kinder von Geflüchteten: Eine „wertvolle Arbeit“ nannte Monsignore Ramstetter dieses Ferienprogramm, das bei den Kindern unter anderem das Selbstwertgefühl stärkt und den Horizont erweitert.

Als Dank für diese langjährige Unterstützung und enge Verbundenheit zeichnete ihn das HPH 2018 mit dem „Dei Gloriam Preis“ aus – als ersten Preisträger überhaupt. „Ad maiorem Dei gloriam“ lautet der Wahlspruch der Jesuiten – und das bedeute frei übersetzt, „über den eigenen Tellerrand zu schauen, und sich von Gott und den Menschen in Dienst nehmen zu lassen für eine bessere und gerechtere Welt. Genau das hat Monsignore Ramstetter zeitlebens getan“, so Tobias Zimmermann SJ, Direktor des Hauses.

Monsignore Erich Ramstetter, geboren am 20. September 1925, wirkte vom 1. Oktober 1960 an zuerst als Pfarrer und ab 5. Oktober 1971 bis 1998 als Dekan an der katholischen Kirche St. Josef in Friesenheim. Bis weit nach seinem 90. Geburtstag hielt der gebürtige Ludwigshafener Monsignore Ramstetter Gottesdienste in seiner ehemaligen Gemeinde St. Josef in Friesenheim. Seine Stärke war es, Themen der Kirche für die Menschen verständlich zu übersetzen – damit zeigte er deutlich seine Prägung durch das Zweite Vatikanische Konzil.

Das Heinrich Pesch Haus verliert mit ihm eine sozial und kirchlich vielseitig engagierte Persönlichkeit. „Gott hat mich reich beschenkt. Weil unser Leben immer dann am intensivsten ist, wenn wir für andere etwas tun, möchte ich Sie um Ihre Spende bitten.“ Mit dieser Haltung war Monsignore Erich Ramstetter dem HPH immer ein treuer Begleiter und Unterstützer.

So werden wir ihn in dankbarer Erinnerung behalten."