Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

KrisenBlog

Durch "Erdung" Wut, Traurigkeit und Frust loswerden

03. April 2020, MWS - KrisenBlog

Ich krieg die Krise. Nein. Ich habe schon die Krise! Eingesperrt, ängstlich, gestresst und zum Abwarten verdonnert, das beschreibt die Situation vieler. Wie in einem Kochtopf kann sich mit der Zeit eine ganze Menge anstauen. Wen wundert es da, wenn manch einer schon bei eigentlich nichtigen Anlässen an die Decke geht.

Wer von diesen negativen Gefühlen befallen wird, braucht die Möglichkeit, sich davon zu befreien. „Erdung“ ist in der Folge dringend geboten. Hierunter versteht man verschiedene Arten von Ablenkungsstrategien, die eine heilsame Distanzierung von dem Belastenden ermöglichen können. Erdung trägt gewissenmaßen wieder dazu bei, in ein inneres und äußeres Gleichgewicht zurückzufinden.

Vorab kann man sagen, dass Erdung zu jeder Zeit, an jedem Ort, ohne dass jemand davon mitbekommen muss, praktiziert werden kann. Halten Sie hierfür die Augen geöffnet und lassen sie Ihren Blick im Raum wandern, um im Kontakt mit dem Hier und Jetzt zu bleiben. Sprechen Sie in diesen Momenten nicht über Ihre negativen Gefühle und schreiben Sie sie auch nicht auf, da Sie sich davon ablenken und nicht mit ihnen in Kontakt kommen wollen. Wichtig ist, dass Sie versuchen „neutral“ zu bleiben und Kategorien wie „gut“ oder „schlecht“ außen vor lassen. Alles was Sie sehen, ist so wie es ist. Versuchen Sie in der Gegenwart zu bleiben und sich nicht auf die Vergangenheit oder Zukunft zu konzentrieren. Denken sie aber daran, dass Erdung keine Entspannungsübung ist, sondern eine aktive Ablenkungsstrategie gegen extrem negative Gefühle.

Man unterscheidet verschiedene Arten der Erdung:

Bei der gedanklichen Erdung können Sie für sich versuchen, ihre Umgebung in allen Einzelheiten zu beschreiben. Sie können mit sich selbst „Stadt, Land, Fluss“ spielen, oder in Gedanken ausführlich Alltagstätigkeiten durchgehen, z. B. wie Sie bestimmte Gerichte zubereiten. Sie können sich einen „Sicherheitssatz“ vorsagen: „Ich heiße …, ich bin im Moment in Sicherheit. Ich bin in der Gegenwart, das heutige Datum ist … Schließlich können Sie sich etwas vorlesen, es besonders betonen oder Wörter rückwärts buchstabieren.

Bei der körperlichen Erdung können Sie sich fest an ihren Stuhl krallen, kaltes oder warmes Wasser über die Hände laufen lassen oder ihre Füße in den Boden „graben“. Sie können sich ausstrecken, hüpfen, ihre Fäuste ballen und wieder lösen. Auch etwas essen und den Geschmack im Stillen in allen Einzelheiten beschreiben, kann helfen.

Die tröstende Erdung kann bedeuten, sich selbst freundliche Sätze (wie einem Kind) zuzusagen. Sie können aber auch an Lieblingssachen, Lieblingsfarben, Lieblingstiere … denken. Vielleicht tut ihnen der Gedanke an liebe Menschen, schöne Lieder, Texte und Gedichte gut. Schließlich ist die Erinnerung an sichere Orte tröstlich, die sie in ihrer Fantasie mit all ihren Gerüchen, Farben, Formen und Geräuschen wahrnehmen können.

Erdung kann funktionieren und gut tun. Vielleicht nicht immer bei erstem Mal, aber wie jede Fähigkeit, mit ein bisschen Übung.

Schreiben sie mir, was Ihnen hilft, mit negativen Gefühle fertig zu werden.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger


Bilderflut für Kinder eindämmen

30. März 2020, MWS - KrisenBlog

Ich erinnere mich gut, als mich eine besorgte Mutter angerufen hat und mir ihre Sorgen im Hinblick auf ihren 9 jährigen Sohn geklagt hat. Er hatte in den Nachrichten ein Foto von einem bei einem Verkehrsunfall schwer beschädigten Auto gesehen. Dieses Bild hatte er in Verbindung mit dem Tod seines Onkels gebracht, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. In der Folge war der Junge immer wieder sehr aufgewühlt und hatte Albträume.

Bilderflut für Kinder eindämmen

Kampf oder Flucht?

25. März 2020, MWS - KrisenBlog

Keine Angst, diese Spinne auf dem Foto ist nicht echt. Im wirklichen Leben hätte ich mir nie so eine große Spinne auf den Arm gesetzt, da hätte ich viel zu sehr Angst vor gehabt.

Angst zu haben, Angst zu empfinden ist von Natur aus nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil. Es ist vielmehr etwas Natürliches und aus Sicht der Evolution Überlebenswichtiges. Wären die Urmenschen sorglos mit großen Fleischfressern, wie Hyänen, umgegangen, hätte unsere Spezies womöglich nicht überlebt. Angst hat den Menschen somit vor dem Aussterben bewahrt.

Ausgangspunkt für diese angeborene (Basis-) Emotion ist zunächst die Wahrnehmung einer bestimmten Situation, in unserem Fall: Spinne auf dem Arm. Das, was jetzt blitzschnell in meinem Gehirn abläuft, ist die Interpretation dessen, was ich wahrnehme und damit ist die Frage verbunden: Ist das, was ich sehe, für mich gefährlich oder nicht?

Kampf oder Flucht?

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