Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Kampf oder Flucht?

Avatar of MWSMWS - 25. März 2020 - KrisenBlog

Keine Angst, diese Spinne auf dem Foto ist nicht echt. Im wirklichen Leben hätte ich mir nie so eine große Spinne auf den Arm gesetzt, da hätte ich viel zu sehr Angst vor gehabt.

Angst zu haben, Angst zu empfinden ist von Natur aus nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil. Es ist vielmehr etwas Natürliches und aus Sicht der Evolution Überlebenswichtiges. Wären die Urmenschen sorglos mit großen Fleischfressern, wie Hyänen, umgegangen, hätte unsere Spezies womöglich nicht überlebt. Angst hat den Menschen somit vor dem Aussterben bewahrt.

Ausgangspunkt für diese angeborene (Basis-) Emotion ist zunächst die Wahrnehmung einer bestimmten Situation, in unserem Fall: Spinne auf dem Arm. Das, was jetzt blitzschnell in meinem Gehirn abläuft, ist die Interpretation dessen, was ich wahrnehme und damit ist die Frage verbunden: Ist das, was ich sehe, für mich gefährlich oder nicht?

Wenn ich Spinnenexperte wäre, dann würde mir diese Situation sicherlich keine Angst machen, weil ich wüsste, ob die Spinne giftig ist und weil ich genügend Erfahrungen für einen sicheren Umgang mit solchen Situationen bereits gesammelt hätte. Ob mir etwas Angst macht, hängt also wesentlich an meinen (Vor-) Erfahrungen und meinem (Vor-) Wissen ab.

Für extreme Lebenslagen haben wir Menschen von Natur aus nur zwei Möglichkeiten: Kampf oder Flucht? Entscheidend ist hierbei die Frage: Sind wir in der Lage, uns der Herausforderung zu stellen, haben wir die nötigen Ressourcen (Erfahrung, Wissen, Fähigkeiten, Hilfen) damit umzugehen, können wir den „Kampf“ aufnehmen, oder müssen wir kapitulieren und die „Flucht“ antreten?

Die Ausnahmesituation der Corona-Pandemie macht verständlicherweise vielen Menschen Angst, da eine mögliche Bedrohung für Leib und Leben im Raum steht. Evolutionär betrachtet stehen wir einem unsichtbaren Gegner gegenüber, der uns herausfordert. Da der Großteil der Bevölkerung aber weder die Gefährlichkeit des Virus wirklich einschätzen kann, noch absoluten Schutz davor genießt, ist es schwer gegen diese Bedrohung zu kämpfen. Fliehen im Sinne von Wegrennen ist aufgrund der immer größer werdenden Einschränkungen und der vermeintlichen Allgegenwart des Virus auch nicht möglich. Folglich kann das Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins beängstigende Kreise ziehen.

Umso wichtiger ist es daher, sich auf das zu besinnen und mit dem zu kämpfen, was jeder und jede an Ressourcen hat. Welche Fähigkeiten habe ich, könnte ich wieder aktivieren oder mir aneignen? Liegen mir kreative Arbeiten, bin ich handwerklich-technisch versiert, bin ich der kommunikative Typ? Mit seinen Stärken arbeiten, sich aber auch Auszeiten und Schutzräume zum Musik hören, lesen, beten usw. in der Wohnung oder im Haus zu nehmen. Vieles davon ist nicht selbstverständlich. Darüber gilt es miteinander zu reden, Verständnis zu wecken und sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist nicht immer leicht, aber für das seelische Gleichgewicht enorm wichtig.

Schreiben sie mir, was ihnen geholfen hat und womit sie gute Erfahrungen gemacht haben?

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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