Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Kintsugi - Wertschätzung des Gebrochenen

Avatar of MWSMWS - 06. April 2020 - KrisenBlog

Wenn man im Internet nach dem Begriff „Kintsugi“ (dt. „Goldverbindung, -flicken“) sucht, dann erfährt man, dass es sich hierbei um eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik handelt. Mittels eines besonderen Lacks werden die Bruchstücke zusammengeklebt und fehlende Scherbenteile werden durch eine spezielle Kittmasse, in die feinstes Pulvergold eingestreut wird, ergänzt. Dadurch entsteht ein charakteristisches Äußeres, das die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit eines Objekts in der Vordergrund stellt. Gewissermaßen wird dabei Zerbrochenem neues Leben eingehaucht und Beschädigtem ein neuer Wert zuerkannt.

Besonders Krisen sind Momente und Phasen, in denen Veränderungen stattfinden. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Jedoch gilt es hierbei festzuhalten, dass das Leben ein immerwährender Prozess der Veränderungen ist und somit Krisen quasi zur Tagesordnung des Lebens gehören.

Denken wir beispielsweise an die zwei häufigsten entwicklungsbedingten Krisen unseres Lebens, die Pubertät und die Midlife Crisis (dt. „Lebensmittekrise“). Vor allem die Adoleszentenkrise (= Pubertätskrise) stellt jeden von uns und unser Umfeld vor große Herausforderungen.

Ein weiterer Krisentyp sind schicksalhafte Krisen, vor denen niemand gefeit ist. Durch eine Trennung, eine Krankheit, einen Unfall, einen plötzliches Todesfall (…) müssen wir schlagartig mit einer neuen Lebenssituation fertig werden.

Schließlich gilt es gerade in diesen Tagen auf das Phänomen der gesellschaftlichen Krisen hinweisen, die bei Kriegen, (Welt-) Wirtschaftskrisen und (Massen-) Arbeitslosigkeit auftreten können.

Die Corona-Krise hat sowohl gesellschaftliche wie auch schicksalhafte Aspekte. Die Folgen sind noch nicht absehbar, aber sicherlich weitreichend. Wie wir aus dieser Krise herausgehen werden, ist noch offen.

Vielleicht kann jedoch langfristig gesehen der Blick auf die „Kintsugi“ –Schale eine neue Perspektive auf die Brüche und Scherben dieser Zeit schenken. Vielleicht sehen wir durch die Krise wieder vieles, was vorher als Selbstverständlich erachten wurde, wieder mit größerer Dankbarkeit. Vielleicht schätzen wir unser Miteinander und den Dienst vieler am Gemeinwohl wieder höher ein. Vielleicht trägt diese Krise zu einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhalt bei, auf den viele in diesen Tagen so dringend angewiesen sind.

Schreiben Sie mir, welche Krisenerfahrungen Sie in diesen Tagen machen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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