Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Resilienz und das Stehaufmännchen

Avatar of MWSMWS - 09. April 2020 - KrisenBlog

Stehaufmännchen bzw. Stehauffiguren sind faszinierend. Ihre Stärke besteht nicht darin, starr und fest auf dem Boden verankert zu sein, sondern jeden Schubser, den sie abbekommen, auszupendeln und mit der Zeit wieder in eine aufrechte Position zu gelangen. Gewissermaßen kann sie nichts dauerhaft „umhauen“, sondern nur vorübergehend zwingen, wieder ihr Gleichgewicht zu finden.

Die Kraft oder Fähigkeit wieder in die ursprüngliche Position zurückkehren zu können, nennt man Resilienz. Dahinter verbirgt sich die Eigenschaft, quasi elastisch auf das reagieren zu können, was einen verbiegen, zusammenstauchen oder dehnen wollte. Im übertragenen Sinn bezeichnet Resilienz in der Folge die Fähigkeit eines Menschen, Krisen überstehen und letztlich auch daran wachsen zu können.

Wer will nicht gesund, glücklich und erfolgreich durchs Leben gehen? Wohl jeder hat diese Hoffnung, dass es ihm gut geht und er in stabilen, liebevollen und freundschaftlichen Verhältnissen leben darf. Dass die Wirklichkeit nicht immer so aussieht, ist im Kern allen klar. Demzufolge zieht sich manch einer eine Art von „Ritterrüstung“ an, die ihn vor den Widrigkeiten des Lebens beschützen soll. Jedoch kein noch so ausgefeilter Versicherungsschutz, kein noch so dickes Geldpolster, können die Querschläge und Tiefschläge des Lebens verhindern.

Das, was es zu allererst zu akzeptieren gilt, ist, dass das Leben aus einer Mischung von positiven und negativen Erfahrungen besteht. Glück und Traurigkeit haben beide ihren Platz im Leben. Weiterhin ist die Einsicht wichtig, dass niemand die Vergangenheit ändern kann. Was war ist gewesen, aber die Vergangenheit muss das weitere Leben nicht dauerhaft überschatten. Hierbei ist die Unterscheidung der Dinge wichtig, in welche, die ich ändern und in welche, die ich nicht ändern kann.

Auch wenn wir körperlich mit den Jahren immer mehr an unsere Grenzen kommen, muss dies nicht bedeuten, dass wir nicht noch emotional, intellektuell und spirituell wachsen können. Auch so manche schlimme Erfahrung unseres Lebens kann uns dazu bringen, uns zu bewegen, zu wachsen, neues zu entdecken. Demzufolge gilt es Erreichtes zu feiern, auch und gerade wenn der Weg dahin hart war. Dazu gehört die Einsicht, dass ich mich anstrengen muss und manchmal Entbehrungen in Kauf nehmen muss, um ein Ziel erreichen zu können.

Viel zu viel Energie verschwenden damit, den vermeintlich „schönen Schein“ aufrecht zu erhalten. Für ein strahlendes Image tun wir fast alles. In Folge dessen kann zu wenig Kraft übrig bleiben, das eigentliche Problem anzugehen und zu bewältigen. Letztlich frei werden wir nur, wenn wir in der Lage sind, um Hilfe zu bitten und das an- und auszusprechen, was unser Leben schwer macht.

Resilienz kann in jedem Alter aufgebaut, entwickelt und gefördert werden. Sätze wie, ich habe keine Zeit für Sport, gesunde Ernährung und Meditation sind eigentlich irrsinnig. Wollen wir uns erst Zeit nehmen, wenn uns eine Krankheit dazu zwingt, nicht mehr so weitermachen zu können? Sollten wir es uns nicht wert sein, vorher in unser Wohlergehen zu investieren? 

Schreiben sie mir, wie Sie sich und anderen Gutes tun können.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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