Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

Hinweis: Der nächste Beitrag zum KrisenBlog erscheint Anfang August 2020

KrisenBlog

Hilfen für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern

Avatar of MWSMWS - 27. April 2020 - KrisenBlog

Kinder und Jugendliche erleben auf ihre Weise die Corona-Krise. Für sie ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ihnen fehlen ihre Freunde, ihr Sportverein und ihre Klassenkameraden! Sie sind vielerorts durch das verunsichert und überfordert, was sie zuhause und über die Medien mitbekommen. Was tun – außer Hausaufgaben am PC erledigen? Netflixen, Skypen und Online-Spielen – ist das alles?

Hilfen und Anregungen sind für diese Zeit besonders wichtig. Da es aber zur Zeit nur wenige Orte gibt, wo sie hingehen können, brauchte es neue Ideen und „innere Orte“, wo sie sich etwas Gutes tun können. Sie sind zwar nicht so vertraut und eingeübt, aber nicht weniger hilfreich.

Heute möchte ich deshalb das Kartenset „Ressourcenübungen für Kinder und Jugendliche“ vorstellen, das von Melanie Gräßer und Eike Hovermann jun. entwickelt wurde. Es wird zwar eigentlich in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt, jedoch sind viele Ideen auch im „normalen“ häuslichen Kontext gerade für diese Zeit sinnvoll einsetzbar.

Die Bildkarten beinhalten Ablenkungsübungen für stressige Situationen ebenso, wie Imaginations- und Bewegungsübungen bis hin zum Malen und „Wegschreiben“ negativer Gefühle. Spielerisch kann das Kind oder der Jugendliche z. B. eine Karte aus dem Stoß ziehen und mit einem Elternteil, oder einem Freund/einer Freundin über Skyp oder Telefon, ins Gespräch oder Nachdenken über die Anregungen kommen. Möglich ist natürlich auch, dass sich das Kind/ der Jugendliche (im Anschluss) allein an die Arbeit macht, um kreativ die Themen und Anregungen der Karten umzusetzen.

Exemplarisch möchte ich aus dem genannten Kartenset eine Imaginationsübung für Kraft und Stärke vorstellen, die die Überschrift „Baum“ trägt. Verkürzt dargestellt, stellt sich das Kind/ der Jugendliche eine Landschaft vor, die er gerne mag. Darin steht ein großer, kräftiger Baum mit einem dicken Stamm und starken Ästen, an denen ganz viele grüne Blätter hängen. In seiner Phantasie kann das Kind/ der Jugendliche seine Wurzeln sehen, die das Wasser aus dem Boden aufsaugen und er sieht die Blätter, wie sie sich der Sonne entgegenstrecken. Wurzeln und Blätter bekommen alles, was der Baum für ein gutes Wachstum braucht. In der Vorstellung berührt das Kind/ der Jugendliche nun den Baum. Er wird ganz eins mit ihm und er kann spüren, wie er das Wasser aus dem Boden saugt und wie er durch die Sonne lebenswichtige Lichtstrahlen bekommt. Vielleicht kann das Kind/ der Jugendliche spüren, was er momentan besonders braucht, ein bestimmtes Gefühle, eine nette Geste oder ganz was anderes. In seiner Vorstellung kann er jetzt spüren, wie er das, was er ganz genau braucht, (wie der Baum) über seine Wurzeln und Blätter aufnehmen kann. Er kann nachspüren, wie gut sich das anfühlt und wie er immer mehr Kraft bekommt und sogar zu wachsen scheint. Das Kind/ er Jugendliche kann in Gedanken immer wieder zu seinem Baum gehen, wenn er das Gefühl hat, dass ihm etwas fehlt …   

Die Kraft unserer Gedanken und Vorstellungen ist nicht zu unterschätzen. Jedoch gibt es sicherlich besonders belastende Situationen, in denen konkreter Rat und weiterführende Hilfe angezeigt ist. Hierfür eine kleine Zusammenstellung möglicher Anlaufstellen:

Rat und Hilfe für Kinder-, Jugendliche und Familien:

  • Telefonseelsorge 0800-1110111 oder 0800-1110222
  • Internetseelsorge www.internetseelsorge.de  
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche 116 111
  • Elterntelefon 0800 111 0550
  • Pflegetelefon 030 2017 9131
  • Chatseelsorge der Evangelischen Kirche www.chatseelsorge.de
  • Trauertelefon des Bistums Speyer werktags von 11-13 Uhr, 06232-102 479
  • Seelsorge-Hotline Bistum Speyer 06232-102110
  • Online-Beratung Caritas www.caritas.de/onlineberatung
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 0800 0116 016 www.hilfetelefon.de
  • Hilfetelefon bei sexualisierter Gewalt: 0800 22 55 530
  • Bei Gewalt/Misshandlung/ sexualisierte Gewalt gegen Kinder : Kinderschutzdienste Rheinland Pfalz Adressen und Info unter www.kinderrechte.rlp.de

 

Schreiben Sie mir, welche Erfahrungen Sie mit Hilfsangeboten gemacht haben?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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