Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

Hinweis: Der nächste Beitrag zum KrisenBlog erscheint Anfang August 2020

KrisenBlog

Mit dem Krisenkompass aus der Ausweglosigkeit

Avatar of MWSMWS - 02. Juni 2020 - KrisenBlog

Suizid, Selbsttötung oder Selbstmord sind unterschiedliche Bezeichnungen für eine selbstzerstörerische Tat, die am Ende einer subjektiv erlebten Ausweglosigkeit steht. In einem Prozess einer sich immer mehr zuspitzenden Engführung von Handlungsmöglichkeiten, erscheint der Suizid an einem gewissen Punkt als einzig verbliebene Handlungsoption. Auch wenn statistisch gesehen davon ausgegangen werden kann, dass die überwiegende Anzahl an Suiziden vorher „angekündigt“ wurde, trifft das Umfeld die Nachricht in der Regel nichts ahnend und unvorbereitet. Dieses selbstherbeigeführte gewaltsame Ende bedeutet in der Folge für die Angehörigen nicht selten der Anfang eines lebenslangen Fragens nach dem „Warum“ und der damit verbundenen Schuldfrage.

Zu den Risikofaktoren zählen Depressionen, Suchterkrankungen, Mobbing, chronische Schmerzen, aber auch Vereinsamung, Angst vor Kontrollverlust, Schlafstörungen, Psychosen und posttraumatische Belastungsstörungen. Beim Blick auf diese Liste fällt auf, dass gerade in der Corona-Zeit manche Faktoren gesamtgesellschaftlich stärker auftreten. Beispielsweise sind „Vereinsamung“ und „Angst vor Kontrollverlust“ in Zeiten von „Lockdowns“ (= Ausgangssperren), „Social Distancings“ und Quarantäne weit verbreitet. Hinzu kommen eine Vielzahl an (Zukunfts-) Ängsten, die einen enorm negativen Einfluss auf das psychische Befinden haben können. Dementsprechend ist es erforderlich, dass das Thema Suizid und Suizidalität in dieser Krisenzeit besondere Beachtung verdient.    

Typische Denkmuster von gefährdeten Personen können u. a. sein:

  • Starke Verallgemeinerungen („Ich krieg nie was hin.“ „Es ist alles hoffnungslos“. „Keiner liebt mich“.)
  • Unverhältnismäßig hohe Ansprüche an sich selbst („Wenn ich erst … dann finden mich alle toll.“)
  • Eingeschränktes Denken („Egal, was ich tue, es macht alles nur noch schlimmer.“)

Gefährlich kann es werden, wenn Ressourcen, wie Beziehungsnetze (emotionale Unterstützung, praktische Hilfen), innere Hilfsquellen (Selbstwertgefühl, persönliche Stärken und Bewältigungsstrategien) und äußere Hilfsquellen (gefühlsmäßige und informative Unterstützung, materielle Mittel) aus dem Blick geraten. Dementsprechend kann das Wissen um Hilfen und Anlaufstellen für Betroffene, aber auch für ihr Umfeld, (lebens-) wichtig sein.

Der „Krisenkompass“ der Telefonseelsorge, der seit März diesen Jahres kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden kann, kann daher gerade für die heutige Zeit eine große Hilfe sein. Zur Erklärung heißt es auf der Homepage der Telefonseelsorge:

Der KrisenKompass ist eine App, die dank ihrer Funktionsweise eine Art Notfallkoffer für Krisensituationen ist. Mit verschiedenen Funktionsweisen wie Tagebuchfunktion und persönlichen Archiven, um positive Gedanken oder beispielsweise Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern, kann ein ganz persönliches Rüstzeug für schlechte Momente gepackt werden. Darüber hinaus gibt es Materialien, die in Krisensituationen hilfreich sind, Hinweise zu beruhigenden Techniken, sowie direkte Kontaktmöglichkeiten zur TelefonSeelsorge und anderen professionellen Anlaufstellen. Das Angebot des KrisenKompasses ist als App jederzeit in Griffweite auf dem Handy und damit immer dabei, wenn es nötig wird.                                                    

Quelle: https://www.telefonseelsorge.de/?q=node/7686 - Zugriff (02.06.2020)

 

Für Jugendliche und junge Erwachsene sei zusätzlich noch auf zwei Internetseiten hingewiesen, die neben vielen Informationen auch sog. „Online-Peers“ vermitteln, die als Gesprächspartner hilfreich zur Seite stehen.

1.https://www.u25-freiburg.de/  Dort heißt es:

Schön, dass du da bist!

Du denkst an Selbstmord oder bist lebensmüde?

Wir beraten und begleiten dich bundesweit bei Krisen und Suizidgedanken. Schreib uns, was dich bewegt ...

2.https://www.youth-life-line.de/ Hier ist zu lesen:

Wohin mit meinen Selbstmordgedanken?

Hier helfen Jugendlichen! Persönlich und anonym.

 

Schreiben Sie mir, wer oder was Ihnen weitergeholfen hat, als Sie nicht mehr weiter wussten.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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