Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Trauma bewältigen

Avatar of MWSMWS - 08. Juni 2020 - KrisenBlog

Das griechische Wort „Trauma“ bedeutet so viel wie „Verletzung“ und „Wunde“. Durch Unfälle, Gewalteinwirkung und psychische Erschütterungen können Leib und Seele in der Folge traumatisiert werden. Besonders das „Flugtagunglück von Ramstein“, das am 28. August 1988 siebzig Todesopfer und etwa 1000 Verletzte forderte, war in Deutschland der Beginn einer gesellschaftlichen Sensibilisierung  für die Notwendigkeit einer psychologischen Hilfe bei Psychotraumata. Im Kontext dieser Katastrophe zeigte sich die Wichtigkeit der Nachbetreuung der Opfer und Rettungskräfte, die durch das Erlebte auf vielfache Weise traumatisiert waren. Dieses tragische Ereignis gab den entscheidenden Impuls für die Entwicklung von Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteams. Von herausragender Bedeutung waren hierbei Hartmut Jatzko, Sybille Jatzko und Heiner Seidlitz, die auch das Standardwerk für den Bereich der psychosozialen Nachsorge verfasst haben, nämlich „Das durchstoßene Herz“.

Merkmale potentiell traumatischer Ereignisse sind:

  • Plötzliches und unerwartetes Auftreten
  • Entsetzen (emotionale und kognitive Reaktionen)
  • Subjektiv erlebter Kontrollverlust
  • Infragestellung des bisherigen Wertesystems

Bildlich gesprochen zerbricht durch das Erlebte das bisherige Weltbild. Das, was vorher sicher und vorhersehbar erschien, ist nicht mehr da. Etwas ist eingetreten, was den bisherigen (Erfahrungs-) Horizont „gesprengt“ hat. Entscheidend für die Traumatisierung ist die subjektive (Selbst-) Wahrnehmung und Empfindung im Hinblick auf das Erlebte. Dementsprechend kann das ein- und dasselbe Ereignis bei unterschiedlichen Menschen zu unterschiedlichen Reaktionen und Betroffenheiten führen.

Grundsätzlich können folgende Punkte für die Bewältigung hilfreich sein:

  • positive Gespräche mit Personen des Vertrauens
  • unter Menschen sein
  • Schönes & Angenehmes
  • Entspannungstechniken
  • Bewegung
  • ausreichend schlafen
  • gesund essen
  • die alltäglichen Abläufe
  • Tagebuch schreiben
  • Hilfe annehmen
  • Trauer zulassen

Grundsätzlich sind folgende Punkte für die Bewältigung nicht hilfreich:

  • Alkohol, Medikamente und Drogen zur Entlastung
  • sich in die Arbeit stürzen
  • extremes Vermeiden von Erinnerungen und Gesprächen an das Ereignis
  • nicht mehr unter Leute gehen; sich zurückziehen; Einsamkeit
  • seinen eigenen Körper ignorieren (Essen, Hygiene...)
  • Wut und Gewalt
  • Anderen die Schuld geben
  • riskante Dinge tun
  • Fernsehen oder Computerspielen

Quelle: https://www.bghm.de/fileadmin/user_upload/Arbeitsschuetzer/Fachinformationen/Fachinformationen/FI-0027_Psychosoziale-Notfallversorgung.pdf (Zugriff 08.06.2020)

Hilfreiche weiterführende Infos:

 

Schreiben Sie mir, wer oder was Ihnen weitergeholfen hat.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

Neuer Kommentar

0 Kommentare

Wenn neue Blogbeiträge erscheinen, möchte ich benachrichtigt werden

Benachrichtigung bei neuen Blog-Artikeln