Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Heilsame Trauer - Teil I

Avatar of MWSMWS - 22. Juni 2020 - KrisenBlog

Trauer ist die spontane, natürliche und lebenswichtige Reaktion eines Menschen auf ein Verlusterlebnis. Dabei können die Verluste, um die getrauert wird, sehr unterschiedlicher Natur sein. So kann der Verlust des Arbeitsplatzes, der Tod eines Haustiers und ein unfreiwilliger Umzug ebenso Trauer auslösen, wie eine Scheidung, das alters- oder verletzungsbedingte Beenden eines Hobbys oder im Extremfall der plötzliche Tod eines geliebten Menschen.

Der Grad der Betroffenheit und das Erleben der Trauer sind sehr individuell und abhängig von der emotionalen Bindung und den Begleitumständen. Wichtige Fragen sind hierbei: Welche Vorerfahrungen liegen dem Ereignis zugrunde? Trat der eigentliche Verlust plötzlich oder vorhersehbar ein? In welchem Alter muss das Ereignis mit welcher Unterstützung bewältigt werden? Im Zusammenhang mit Todesfällen spielt die Frage, ob es ein natürlicher oder gewaltsamer Tod war, ein wichtige Rolle.

Es gibt kein Musterbuch oder Lösungsblatt für einen gelingenden Trauerprozess. Pauschale, standardisierte Antworten auf die vielen offenen Fragen, die sich zwangsläufig ergeben, sind problematisch, da sie die Einmaligkeit und Individualität der Betroffenen außer Acht lassen. Dennoch gibt es Leitlinien und Ankerpunkte, die im (über-) lebenswichtigen und letztlich heilsamen Prozess des Trauerns eine Bedeutung haben können.

In einem ersten Schritt können die „10 Merkpunkte – Umgang mit Trauernden“ eine wertvolle Unterstützung durch das Umfeld sein:

 

10 Merkpunkte – Umgang mit Trauernden

 

1. Das Leid, die Klage, die Aussage stehen lassen.

2. Der Trauernde muss so sein dürfen, wie er ist: zerrissen, aggressiv, fragend, klagend. 

3. Der Trauernde braucht ein "Du", eine Klagemauer - bei ihm sein, zeigen "Ich bin für dich da". 

4. Gesten helfen mehr als Worte (z. B. Händedruck, Umarmung ...) - eher "liebend schweigen" als viel reden. 

5. Zeichen der Verbundenheit setzen, z.B.: Blumen schenken,  Hilfen des täglichen Lebens anbieten.

  • anrufen (z. B. "Ich denke an Sie. Wie es Ihnen wohl gehen mag?")
  • einladen (Kaffee, Spaziergang - meist in der 2. bis 3. Trauerphase möglich.

 6. Der Trauernde "sorgt" sich oft um seinen Verstorbenen. Daher sind gute Gebete und einfühlsames Mitbeten willkommen.

7. Wissen um die große Schwierigkeit von Sonn-, Fest- und Gedenktagen. Diese überbrücken helfen.

8. Wissen, dass der Trauernde vieles noch nicht wieder kann .(z. B. unter fröhliche Menschen gehen) 

9. Wissen, dass eine schwere Trauer mit dem "Trauerjahr" nicht beendet ist.

10. Auch Kinder trauern! Aber Kinder und Jugendliche trauern anders.

 

Unterstützung und Anregungen für den eigenen Trauerweg gibt es u. a. unter:

https://www.bistum-speyer.de/seelsorge-und-spiritualitaet/hospiz-und-trauerseelsorge/

 

Schreiben sie mir, wie Sie mit Ihren Verlusten und Ihrer Trauer umgegangen sind.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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