Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

Hinweis: Der nächste Beitrag zum KrisenBlog erscheint Anfang August 2020

KrisenBlog

Heilsame Trauer - Teil II

Avatar of MWSMWS - 29. Juni 2020 - KrisenBlog

Welcher „Trauertyp“ sind Sie?

Bei der folgenden Aufzählung geht es weder um einen Anspruch auf Vollständigkeit, noch um eine Be- geschweige denn Abwertung eines bestimmten „Typs“. „Niemand hat sich selbst gemacht“, das steht fest, aber dennoch kann sich jeder und jede weiterentwickeln und dazulernen; mit Hilfe und wenn er oder sie will. 

Man kann folgende Trauertypen unterscheiden:

  • Hilflose/Versteinerte/ Gelähmte: zeigen wenig Mimik und Gestik
  • Weinende/Überflutete: weinen viel, heftig und immer wieder; sind „nah am Wasser gebaut“
  • Selbstbeherrschte: strengt sich an, keine Gefühle zu zeigen
  • Aktionist: umtriebig, aktiv, immer in Aktion, lenkt sich ab
  • Sich-Zurück-Ziehende: meidet Kontakt/Gespräch zur Außenwelt, klärt Vieles zunächst mit sich selbst
  • Gesprächige: möchte die Eindrücke zum Ausdruck bringen; sucht Orientierung im Gespräch mit anderen
  • Zyniker/Ironiker: bringen die Trauer auf diese Art zum Ausdruck; z.T. Selbstschutz und Suche nach Umgangsformen
  • Bombige: ein („falsches“) Wort bringt sie zum Platzen; reagieren meist „über“
  • Überschwänglich: zeigen meist überzogene Gefühle; lenken ab vom Eigentlichen (Gefühl …)
  • Chamäleonartige: passen sich der jeweiligen Situation gut an; wollen nicht auffallen
  • Sich-Schämende: schämt sich für die (nicht gewohnten) Trauergefühle; fühlt, dass etwas anders ist und schämt sich, vielleicht auch, weil diese Gefühle nicht eingeordnet werden können
  • Befreite: fühlt sich frei und ohne Druck, Belastung, Stress …

 

Neben allgemeinen „Typen“ können geschlechtsspezifische Tendenzen in der Trauer- und Krisenbewältigung eine Rolle spielen. Männer und Frauen trauern anders. Nicht immer, aber tendenziell schon. Vor allem für Männer stellt sich das Thema Trauer (immer noch) anders dar, als für Frauen. Gesellschaftlich gesehen wird Frauen ein offenerer und gefühlsbetonterer Umgang mit ihrer Trauer zugestanden. Kulturelle, traditionelle und generative Prägungen haben immer noch einen Einfluss. So haben folgende (zwar schon ältere) Aussagen über die Trauer von Männern einen anhaltenden Wahrheitskern:

  •  „Das Prinzip Externalisierung und Rationalität, das die Beschäftigung mit dem eigenen "Innen", mit eigenen Befindlichkeiten untersagt. Eigene Bedürfnisse werden in den Hintergrund gedrängt.
  • Das Prinzip Stummheit, das die Sprachlosigkeit über sich selbst meint.
  • Das Prinzip Alleinsein, das impliziert, dass ein Mann mit seinen Schwierigkeiten alleine fertig wird und den Rückgriff auf die Unterstützung durch andere ablehnt.
  • Das Prinzip Körperferne, das die Vernachlässigung des eigenen Körpers und das Ignorieren körperlicher Warnsignale zur Folge hat.
  • Das Prinzip Kontrolle, das sich auch auf die Kontrolle des eigenen Selbst und der eigenen Gefühle erstreckt.

(L. Böhmisch, R. Winter, Männliche Sozialisation, 1993, 128ff. )

 

Für Männer und Frauen gilt gleichermaßen: Trauer macht nicht krank. Aber nicht gelebte Trauer kann krank machen.

 

Unterstützung und Anregungen für den eigenen Trauerweg gibt es u. a. unter:

https://www.bistum-speyer.de/seelsorge-und-spiritualitaet/hospiz-und-trauerseelsorge/

 

Anders

Ich liebe

meinen Mann

Anders

als meinen Sohn

Anders

als meine Tochter

Anders

als meinen Bruder

Anders

als meinen Vater

Anders

als meine Mutter.

 

So unterschiedlich wie meine Liebe ist,

so unterschiedlich ist die Trauer.

 

(Gisela, Teilnehmerin der AGUS – Jahrestagung 2009)

 

Schreiben Sie mir, welchen Stellenwert die Fähigkeit zu trauern in Ihrem Leben hat.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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