Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

Hinweis: Der nächste Beitrag zum KrisenBlog erscheint Anfang August 2020

KrisenBlog

Heilsame Trauer Teil III

Avatar of MWSMWS - 06. Juli 2020 - KrisenBlog

Kinder und Jugendliche trauern anders als Erwachsene. Nicht besser, aber auch nicht schlechter. Das Problem ist oft, dass Erwachsene ihre Maßstäbe für „richtiges Trauern“ auf sie übertragen wollen. Besonders problematisch wird es, wenn Erwachsene mit vermeintlich wohlgemeinte Ratschlägen „von oben herab“ helfen wollen:

  • Sie spielen die Ernsthaftigkeit der Lage herunter und beschwichtigen: „Ist doch alles nicht so schlimm.”
  • Sie ziehen Vergleiche: „Mir ist das auch mal passiert und es ging wieder vorüber”. „Ich weiß, wie es dir geht.”
  • Sie wecken falsche Hoffnungen: „Es wird bestimmt alles wieder gut”.
  • Sie überschütten mit Mitleid: „Du Armer. Wie schrecklich doch die Welt ist”.
  • Sie appellieren an die Vernunft: „Jetzt reiß dich doch mal zusammen." „Bis jetzt hattest du doch eine sorgenfreie Zeit”.
  • Sie nehmen die Gefühle des anderen nicht ernst: „Da braucht man doch nicht gleich verzweifeln”, „Zeit heilt die Wunden” „Andere sind noch schlimmer dran”, „Das Leben geht weiter” „Wir sind auf der Welt, um zu leiden.”
  • Sie schweigen das Thema tot oder lenken vom Thema ab.

Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsenen, …

  • die klare Antworten finden und das Recht des Kindes / Jugendlichen auf Wahrheit respektieren
  • die den Kindern / Jugendlichen aufmerksam zuhören und deren Gefühlsäußerungen unkommentiert stehen lassen können
  • die auch im weiteren Verlauf der Zeit immer wieder Gesprächsbereitschaft und Verständnis signalisieren
  • die sich darum bemühen, Mitschüler*innen für die Situation des betroffenen Kindes / Jugendlichen zu    sensibilisieren, aber dabei dessen Wünsche berücksichtigen
  • die Gefühlsäußerungen des trauernden Kindes / Jugendlichen zulassen können, ohne diese zu bewerten
  • die eigenen Gefühle in Bezug auf Tod und Trauer reflektieren und diese auch zeigen zu können
  • die auch ein schweigendes Kind / Jugendlichen aushalten können
  • die dem Kind / Jugendlichen mit aufmerksamer Wertschätzung begegnen
  • die klare Worte finden und Rituale des Abschiednehmens und der Erinnerungsarbeit kennen
  • die körperliche und psychische Symptome ernst nehmen und dem Kind / Jugendlichen Erholungspausen und Trost anbieten, ohne es zu verströsten
  • die verständnisvoll mit Leistungseinbrüchen des Schülers umgehen, insbesondere in sensiblen Phasen innerhalb der Schulzeit
  • die das Gespräch mit Angehörigen des Kindes / Jugendlichen suchen und gegebenenfalls an Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen vermitteln
  • die für sich selbst sorgen und sich bei Bedarf Beratung und Unterstützung holen

 

Weiterführende Hilfen finden man z. B. bei https://www.youngwings.de/~run/

oder unter:

www.young-creatives-film.de
Die Website zum Kurzfilmprojekt für Halb-und Vollwaisen.

www.start-smart.org
START Smart ist eine Berufsberatungsstelle für Jugendliche, die ein oder beide Elternteile verloren haben. Du findest hier Hilfe bei der Berufswahl, bei der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz und bei allen Themen rund um deine berufliche Zukunft.

www.elternlos.de
Elternlos.de richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die einen oder beide Elternteile verloren haben.

www.trauernde-geschwister.org

Trauernde Geschwister ist ein sechswöchiges Online-Präventionsprogramm für Jugendliche und Erwachsene ab 16 Jahre, die ein Geschwister verloren haben. 

www.da-sein.de
Online-Beratung für trauernde oder lebensverkürzend erkrankte Jugendliche und junge Erwachsene bis 29 Jahre. Beratung für junge Menschen, bei denen ein Angehöriger sterben wird. (Jeweils Peerberatung)

www.kinder.trauer.org
Die Website der katholischen Erwachsenenbildung Koblenz ist speziell für trauernde Kinder und bietet ein Forum und Informationen.

www.u25-deutschland.de
u25 bietet Hilfe für junge Menschen in Krisen und Suizidgefahr. (Peerberatung)

www.neuhland.de
Krisenberatung für junge Menschen bis 25 Jahre

www.frnd.de
Freunde fürs Leben ist eine sehr informative Website über Suizid und Depressionen.

www.youth-life-line.de
Youth Life Line bietet Onlineberatung in Lebenskrisen. (Peerberatung)

www.allesistanders.de
Eine Homepage für trauernde Jugendliche und junge Erwachsene

www.dajeb.de
Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. bietet eine umfangreiche Sammlung von Beratungsstellen nach Postleitzahl.

www.psychotherapiesuche.de
Hilfe und Beratung, wenn du auf der Suche nach einer Psychotherapie bist.

 

Schreiben Sie mir, wie Sie Kindern und Jugendlichen in ihrer Trauer geholfen haben.  

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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