Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Kampf den „Drei Affen“

Avatar of MWSMWS - 12. August 2020 - KrisenBlog

Putzig, witzig, dekorativ sollen sie rüberkommen, die „Drei Affen“. Ob als T-Shirt, Dekofigur, Leinwand, Bettwäsche, Spielzeug, oder Schlüsselanhänger kann man sie sich nachhause holen. Von ihrem Ursprung her stehen sie für den Umgang mit dem Schlechten und versinnbildlichen ein altes japanisches Sprichwort, das auf Konfuzius zurückgeht, dort heißt es:  

„Was nicht dem Gesetz der Schönheit [= angemessenes Verhalten] entspricht, darauf schaue nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf höre nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, davon rede nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, das tue nicht.“

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Drei_Affen (Zugriff 12.08.20)

Kritisch zu hinterfragen sind sie jedoch in ihrer Bedeutung, das Negative ausblenden zu wollen. Dabei geht es nicht um Verdrängung als positiven seelischen Abwehrmechanismus, nach dem Motto „glücklich wer vergisst“, sondern um ein krankmachendes Wegdrücken in den seelischen Untergrund.

Mit negativen Erfahrungen und Realitäten geht jeder und jede anders um. Patentrezepte gibt es nicht. Entscheidend ist die Frage, was mir auf Dauer gesehen hilft bzw. was mich auf Dauer krank macht. Kurzfristiges Ausblenden, weil es darum geht, handlungsfähig zu bleiben, kann ein probates Mittel der Wahl sein. Wenn daraus jedoch eine langfristige Verdrängung wird, kann es gefährlich werden.

Die Corona-Krise hält weiterhin an und es ist eher wieder mit einer Verschärfung der Lange zu rechnen, als mit einer weiteren Entspannung. Die „Drei Affen“, wie auf dem Bild von Hunter Leonard zu sehen ist, können zu einem Mahnmal werden, Dinge nicht zu viel und allzu lang in sich hineinzufressen.

Seit dem 11. März wird offiziell von eine Pandemie gesprochen. Am 25. März  stellte der Bundestag eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ fest. Viel Belastendes ist für viele Menschen seither geschehen. Vielleicht ist es für den ein oder anderen an der Zeit, sich Wege zu suchen, das Erlebte anzugehen und zu bearbeiten. Dies findet unter denkbar schwierigen Rahmenbedingungen statt, zumal das Belastende weiterhin existent ist und ein Ende nicht in Sicht ist. Aber damit das Fass nicht völlig überläuft bzw. wir im Kern nicht dauerhaften Schaden nehmen, ist es womöglich an der Zeit sich zu öffnen. Außerdem ist es, um im Bild zu bleiben, notwendiger denn je sich umzuschauen, hinzuhören und anzusprechen, wo andere leiden und unsere Hilfe nötig haben.  

 

Schreiben Sie mir, wann die „Drei Affen“ ihnen geholfen haben bzw. wann es ihnen schon geholfen hat, das Gegenteil zu tun?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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