Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Mitleid oder Mitgefühl? Welche Haltung in Krisenzeiten besser ist.

Avatar of MWSMWS - 18. August 2020 - KrisenBlog

Beim Schauen von Nachrichten kann es einem schon immer ganz anders werden, besonders jedoch in Pandemiezeiten. Von schlimmen Corona-Schicksalen wird berichtet, die vor schier unlösbaren Fragenstellungen stehen. Existenzkämpfe, aber auch Dramen für ganze Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche sind unübersehbar. Medial, aber auch persönlich, werden viele Fragen aufgeworfen: Wie soll es nur weiter gehen? Wann wird es endlich besser oder wie schlimm soll es noch werden?

Es ist schwer, sich „richtig“ zu all den Ereignissen und Entwicklungen zu positionieren. Leben nach dem Motto: Augen zu und durch, der Welt die kalte Schulter zeigen, Hauptsache man kommt selbst irgendwie durch? Oder Anteil nehmen, Betroffenheit fühlen, einschreiten und helfen, wo es eben geht?

Eine zentrale Fähigkeit, die den Menschen als Menschen ausmacht, ist seine Empathie. Damit ist seine Anlage und Bereitschaft gemeint, sich in andere einfühlen zu können. Maßgeblich sind daran sog. „Spiegelneuronen“ beteiligt, die uns in die Lage versetzen, uns in andere einfühlen zu können. Beim Anblick von Leid und Elend „spiegelt“ sie gewissermaßen deren Gefühlslage in uns selbst. Im Extremfall kann es jedoch vorkommen, dass Menschen, die z. B. Traumatisierte betreuen und begleiten, dadurch selbst traumatisiert werden. In diesem Fall spricht man von sog. „Sekudärtraumatisierungen“.

Umso wichtiger ist der „richtige“ Umgang mit dem Leid anderer. Teilnahmslosigkeit wäre gesellschaftlich und menschlich ebenso fatal, wie eine völlige Identifikation. In der Folge kann es demnach hilfreich sein, den Blick auf zwei landläufig nahezu synonym benutze Begriffe zu lenken, die unbedingt unterschieden gehören. Die Rede ist von „Mitleid“ und „Mitgefühl“.

„Der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl ergibt sich schon aus den Worten. Mitleid heißt mit-leiden. Du leidest mit der betreffenden Person, du verbindest dich emotional mit ihr und ihrem Leiden. Du versetzt dich selbst in ihre Situation (…) Mitgefühl hingegen heißt mit-fühlen. Du fühlst dich in die Lage der Person hinein, kannst ihr Leiden nachvollziehen, aber aus einer objektiven Sichtweise – du leidest nicht mit, weil du einen emotionalen Abstand zu ihr hast und dich nicht an ihre Stelle setzt und ihren Schmerz selbst leidest.“

(Quelle: zeitzuleben.de/warum-mitleid-deinen-gefuehlen-streichen-solltest/ (Zugriff 18.08.20)

Mitfühlen ohne selbst mitzuleiden, ist sicher nicht immer einfach. Je nach Grad der Betroffenheit und der persönlichen Nähe, ist es mal schwerer und mal leichter bei medialen Berichterstattungen eine emotionale Distanz zu wahren.

Auf der Internetseite "zeitzuleben.de" kann man hierzu Hilfreiches finden:

Anzeichen dafür, dass du Mitleid hast:

  • Du bewertest die Situation – oft unbewusst. Du bist froh, nicht in dieser Lage zu sein.
  • Du stellst dich – ebenfalls unbewusst – über diese Person, weil du deine Situation besser empfindest als ihre.
  • Du verbindest dich emotional mit dieser Person und ihrem Leiden. Du machst ihr Leid zu deinem, weil du nicht in ihrer Situation sein möchtest, dir aber vorstellst, wie es wäre, wenn du in dieser Lage bist.
  • Du hast in diesem Moment keine Hoffnung auf Linderung des Leidens.
  • Du fühlst dich hilflos und unfähig, etwas zu tun, weil du dich zu sehr mit der Person und ihrem Schmerz verbindest und dir nichts einfällt, wie du ihre Situation ändern kannst.
  • Du wirst selbst unglücklich und traurig.  

Anzeichen dafür, dass du Mitgefühl hast:

  • Du bewertest die Situation nicht. Du hast keine Gedanken daran, dass du – zum Glück – nicht in dieser Situation steckst und es dir besser geht als dieser Person.
  • Du nimmst Anteil, ohne dich mit dieser Person zu identifizieren. Du kannst dich einfühlen, hältst aber emotional Abstand und betrachtest die Situation objektiv.
  • Du hast Hoffnung, dass man diese Situation ändern und das Leiden lindern kann.
  • Du überlegst, was du tun kannst, um die Lage zu verbessern.
  • Du fühlst dich zuversichtlich, weil du etwas tun und helfen kannst.

Quelle: zeitzuleben.de/warum-mitleid-deinen-gefuehlen-streichen-solltest/ (Zugriff 17.08.20)

 

Schreiben Sie mir, was Ihnen schon geholfen hat mitzufühlen, ohne selbst in Mitleidenschaft gezogen zu werden?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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