Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Kontra-Punkt-Ansatz zur Krisenbewältigung - Teil I

Avatar of KEBKEB - 25. November 2020 - KrisenBlog

Der sog. "Kontra-Punkt-Ansatz" ist ein theoretischer Ansatz aus dem Bereich "Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen für Einsatzkräfte", kurz: "SbE" genannt. Für Feuerwehr, Rettungskräfte, Polizei und Notfallseelsorge werden hierbei entsprechende Ausbildungsmodule angeboten, die helfen sollen, mit potientiell belastenden Ereignissen besser umgehen zu können. Es handelt sich also um einen Theorieansatz, der eine große praktische Relevanz aufweist.

Bildlich gesprochen geht es hierbei um das Aufzeigen und Aktivieren von Kontra-Punkten/Gegengewichten zu zuvor als belastend erlebten Ereignissen. Hierfür hilft die Vorstellung einer Waage, auf deren einen Seite die belastenden Erlebnisse und Umstände liegen und auf der anderen Seite, quasi als Gegengewichte/Kontra-Punkte, sich hilfreiche und entlastende Verhaltensweisen befinden.

 

Auf den Umgang und die Bewältigung der Corona-Krise übertragen, bietet dieser Ansatz einige hilfreiche Gedankengänge und Praxistipps, die in den folgenden KrisenBlog-Einträgen dargestellt werden.

Im ersten KrisenBlog zu diesem Thema möchte ich den Bereich "Beziehungen" thematisieren.

Als Gegengewicht/Kontra-Punkt zum Erleben von Einsamkeit sind Beziehungen lebenswichtig.

Als Folge des "sozial Distancing" und aufgrund der Einführung diverser Kontaktbeschränkungen, ist es nicht verwunderlich, dass zu den Hauptbereichen, unter denen Menschen in Corona-Zeiten am meisten leiden, die mangelnden Möglichkeiten gehören, Beziehungen (aus-) leben zu können. Beziehungen gehören nämlich zu den stärksten Ressourcen, die wir Menschen haben.

Können wir nicht, oder nur begrenzt auf sie zurückgreifen, dann kann sich das Gefühl der Einsamkeit breit machen. Um diesem Gefühl entgegenwirken zu können, braucht es aber in Corona-Zeiten andere/neue Zugänge und Kontaktmöglichkeiten. Skypen, Video-Konferenzen, Sorgentelefone und Online-Beratungen sind verstärkt in Anspruch genommen worden. Und auch wenn sie nicht das Gleiche sind, wie ein "Face-to-Face" Kontakt, bieten diese dennoch Chancen des Miteinanders.

Alternativ wären sog. "Ge(h)spräche" zu nennen, in denen man "Corona konform" mit einzelnen während, z. B. eines Spaziergangs, sich austauschen und reden kann. Weiterhin sind für viele Menschen Haustiere wichtige "Familienmitglieder", mit denen sie "Reden" können. Schließlich bieten auch Gebete die Möglichkeit, quasi dialogisch, Gedanken, Bitten, Dank, Sorgen und belastende Gefühle auszusprechen und ein Stück weit loszuwerden.  

 

Welche Beziehungen sind Ihnen besonders wichtig und wie schaffen Sie es, den Gesprächsfaden trotz Corona nicht abreißen zu lassen?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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