Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Verschwörungstheorien. Ursachen, Gefahren, Lösungsansätze.

Avatar of KEBKEB - 20. Januar 2021 - KrisenBlog

Verschwörungstheorien gab es schon immer. Nicht erst seit Covid-19 kursieren haarsträubende Theorien über vermeintliche Ursachen und Urheber von Ereignissen. Zum Beispiel wurde Juden im 12. Jahrhundert Ritualmorde an Kindern, im 14. Jahrhundert das Vergiften von Brunnen und im 19. Jahrhundert das Anstreben der Weltherrschaft unterstellt. In Deutschland kam nach dem Ersten Weltkrieg die sog. Dolchstoßlegende auf und Holocaustleugner und Reichsbürger haben in unseren Tagen ihre je eigene Weise, Geschichte zu leugnen, zu verfälschen oder umzuinterpretieren.

Verschwörungstheorien dienen seit jeher zur Konstruktion von Feindbildern und damit zur Legitimation von Gewalt. Durch das Internet begünstigt verbreiten sich heutzutage Fehlinformationen zu aktuellen naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen, wie etwa dem Klimawandel und Impfungen, schnell und unkontrolliert und können somit Politik und Gesellschaft negativ beeinflussen.

Wenn man sich wissenschaftlich dem Phänomen der Verschwörungstheorien nähert, dann kann man u. a. festhalten, dass man sie "als ein Krisensymptom, als ein Überbleibsel mythischen, unaufgeklärten Denkens oder im Gegenteil als Begleitphänomen der Aufklärung" bezeichnen kann. Darüber hinaus dienen sie "dem überlasteten Menschen in überfordernden Situationen zur Komplexreduktion und zur Aufrechterhaltung des Glaubens an die Durchschaubarkeit der Realität".      Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rungstheorie (Zugriff 18.01.2021)

Die Psychologin Pia Lamberty, die an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz zu Verschwörungsglauben forscht, schreibt hierzu: „Unsere Forschung hat gezeigt, dass insbesondere bei Menschen mit stark ausgeprägtem Bedürfnis nach Einzigartigkeit die Verschwörungsmentalität stark ausgeprägt ist“, was dazu führen kann, dass sie sich über ein scheinbares Geheimwissen über andere Menschen erhöhen wollen.

Ein häufiger Auslöser für den Verschwörungsglauben sei ein erlebter Kontrollverlust – so wie ihn in der Coronakrise viele Menschen erleben. „Eine Umgangsoption könnte also sein, dass man die Selbstbestimmtheit der Menschen mehr in den Fokus rückt und versucht, sie in die Entscheidungsfindung einzubeziehen“, so Lamberty weiter. Vgl.: https://www.aerzteblatt.de/archiv/214357/Verschwoerungstheorien-Was-gegen-den-Irrglauben-hilft (Zugriff 18.01.2021)

Gerade die Corona-Zeit, die von Ungewissheit und Unplanbarkeit gekennzeichnet ist, verunsichert viele Menschen. Auf diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, in dem zur Verfügung stehenden Rahmen,  "Selbstbestimmtheit und Entscheidungsfindung" zu praktizieren und zu fördern. Dies gilt für alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens. Desto mehr der einzelne bestimmen kann, desto größer ist seine/ihre Stabilität und letztlich auch Zufriedenheit.

Dementsprechend können, da wo es möglich ist,  Planung, Struktur und feste Zeiten zu einem hilfreichen Geländer werden, um die Unwegsamkeiten dieser Tage besser bewältigen zu können. 

 

Schreiben Sie mir, wie Sie mit Verschwörungstheorien umgehen?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

Neuer Kommentar

0 Kommentare

Wenn neue Blogbeiträge erscheinen, möchte ich benachrichtigt werden

Benachrichtigung bei neuen Blog-Artikeln