Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Parole oder Mantra?

Avatar of KEBKEB - 27. Januar 2021 - KrisenBlog

Die Nerven liegen bei vielen blank. Reserven gibt es fast nicht mehr. "Ich krieg langsam wirklich die Krise. Wie lange noch müssen wir durchhalten und den Corona-Wahnsinn aushalten? Ich kann, ich will nicht mehr!" Solche und ähnliche Gedanken gehen in diesen Tagen vielen Menschen durch den Kopf. Wen wundert es da, dass Durchhalteparolen die Runde machen, nach dem Motto: "Fenster auf, Augen zu und durch".

Wenn man auf den Ursprung des Wortes "Parole" schaut, dann entdeckt man schnell Bezüge zum Militär. Unter Parole ist in diesem Zusammenhang ein Kennwort, ein Losungswort zu verstehen, dass Zugänge gewähren soll. Parolen sind in diesem Sinn quasi "Türöffner", die eine Zugehörigkeit und eine Berechtigung zum Ausdruck bringen. Gerade das Militär ist hierbei aber auch bekannt für markige Sprüche, die als Durchhalteparolen verstanden werden können. Die drei Einprägsamsten, die ich in meiner Zeit in der Militärseelsorge kennen gelernt habe,  lauteten:

  • Klagt nicht, kämpft!
  • Stress hat nur der Leistungsschwache.
  • Mann oder Maus?

Zugegebenermaßen nicht unproblematische Parolen, die im Kontext der Corona-Krise äußerst viel Sprengstoff liefern.

Die wohl bekannteste Pfälzer Durchhalteparole hat 1997 der Radrennfahrer Udo Bölts geprägt, indem er während der Tour de France seinem damaligen Teamkollegen Jan Ullrich zurief: "Quäl dich, du Sau!"

Woher bekomme ich Kraft, wenn ich (gefühlter Maßen) am Boden liege?

Einen interessanten Ansatz für die heutige Zeit, können sog. "Mantras" bieten. Ihrem Ursprung nach stammen sie aus dem Hinduismus und Buddhismus und können wörtlich mit "„das, was denjenigen beschützt, der es erhalten hat“ übersetzt werden. Das Bekannteste ist das „OM“, das seit Jahrtausenden Anwendung findet. Diese heilige Silbe setzt sich aus drei Buchstaben zusammen, nämlich A U M. Sie repräsentieren die Dreieinigkeit universeller Prinzipe: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Ziel dieses Mantras ist es, sich zu zentrieren und innere Ruhe und Harmonie herzustellen.

Aus dem Bereich des Christentums, ist das sog. "Herzensgebet" zu nennen, innerhalb dessen der Name "Jesus" als Mantra gesprochen wird. Ein anderes Beispiel für ein christliches Mantra, ist das aramäische Wort "MA - RA - NA - THA". Es entstammt dem 1. Korintherbrief, Kapitel 16, Vers 22 und kann mit "Komm, HERR!" übersetzt werden.

Mantras können, regelmäßig praktiziert, zu einer Kraftquelle für den Alltag werden. Sie "erden" uns Menschen und geben somit Halt und schenken Ruhe in einer ungewissen Zeit.

Parolen oder Mantras? Entscheiden Sie selbst, was Ihnen mehr gut tut.

Schreiben Sie mir von Ihren Erfahrungen mit (Durchhalte-)Parolen oder Mantras.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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