Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Geschmack-los oder Geschmack-voll?

Avatar of KEBKEB - 12. Mai 2021 - KrisenBlog

Zu den unterschätzten Folgen einer Corona-Erkrankung zählt der (zeitweise) Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Ananas und Melone schmecken auf einmal gleich und Nagellack stinkt überhaupt nicht mehr.

Nicht Wenige, die unter Corona leiden bzw. gelitten haben, beklagen den Verlust dieser Sinne, die manchmal auch Monate später sich noch nicht wieder voll eingestellt haben. Auch wenn im Vergleich zu anderen Folgen der Corona-Erkrankung dies eher unbedeutend erscheinen mag, ist der (zeitweise) Verlust dieser Sinne dennoch alles andere als unerheblich.

Denn gerade in Zeiten der Entbehrung, war und ist das Essen und Trinken für viele eine der wenigen übrig gebliebenen Genußquellen. Dann den Geschmack und Geruch los zu sein, ist bitter.

Von Ignatius von Loyola ist das Zitat überliefert:

"Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge".

Viel technisches und medizinisches Wissen haben wir im letzten Jahr erworben, das sicherlich wichtig und hilfreich war. Dennoch wird wohl ebenso das Gefühl der vielen Einschränkungen und Verluste dominierend gewesen sein. Aufgrund mangelnder Altenativen haben wir versucht Ersatzbefriedigungen zu finden. Dies hat auf eindrückliche Weise gezeigt, wie sehr wir Menschen auch "Genußwesen" sind. Nicht nur der Kopf und der Verstand wollen bedient werden, sondern mindestens ebenso Körper, Leib und Seele.

Demenstprechend kann vielleicht gerade das Wort von Ignatius von Loyola zu einem hilfreichen Krisenbegleiter werden. "Inneres Schauen" und "Verkosten der Sinne" laden dazu ein, achtsam, mit Bedacht wahrzunehmen, was in und um mich herum geschieht und was ich zu mir nehme. Sie sind das Gegenteil einer Haltung des "Wahllosen ins sich Hineinstopfens", sondern Ausdruck eines wirklich geschmack-vollen Lebens.

Worin besteht bei Ihnen die Würze des Lebens?

Mit was versüßen Sie sich den Tag?

Was gehört für Sie zu einem geschmack-vollen Leben?

 

Schreiben Sie mir, ich würde mich freuen.

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

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