Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Seelische Gesundheit ist ein hohes Gut

Avatar of KEBKEB - 10. Juni 2021 - KrisenBlog

Körperliche und seelische Gesundheit sind unbezahlbar. Vor allem psychischen Belastungen und Krankheiten, haben einen enorm negativen Einfluss auf die Lebensqualität. Nichts kann mehr wirklich genossen werden und für Angehörige und Freunde wird es mit der Zeit immer schwerer, Verständnis für die Betroffenen aufzubringen.

Laut Bundesministerium für Gesundheit erkranken schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung, Tendenz steigend. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation, werden im Jahr 2030 Depressionen weltweit das häufigste Leiden sein.

Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/depression.html (Zugriff 10.06.2021)

Und dennoch sind seelische Erkrankungen in der Gesellschaft immer noch stigmatisiert. Ein offener und verständnisvoller Umgang mit diesen Erkrankungen lässt seit langem auf sich warten. Gerade die Corona-Zeit hat viele Menschen in psychische Abgründe gestürzt. Selbst vermeintlich psychisch stabile Menschen, sind an und über ihre Grenzen gekommen.

Wieso tun wir uns immer noch so schwer mit diesen Erkrankungen, die längst als Volkskrankheiten bezeichnet werden können? Ist es immer noch ein Unglaube im Hinblick auf Krankheiten und Gebrechen, die man äußerlich nicht sofort erkennen kann, sondern glauben muss, dass sie der andere wirklich hat? Ist es die Angst, bei näherem Hinschauen und bei näherer Auseinandersetzung selbst in einen Strudel quälender Fragen und Gedanken zu geraten? Ist es eine Ignoranz Dingen gegenüber, nach dem Motto: es darf nicht sein, was nicht sein darf? Was meinen Sie?

Mit Blick auf Kinder und Jugendliche wird deutlich, wie drängend und allgegenwärtig psychische Probleme in allen Altersklassen geworden sind. Wartezeiten von einem halben - bis zu einem Jahr auf einen Therapieplatz sprechen eine deutliche Sprache und zeigen den Ausnahmezustand, indem wir uns befinden. (Tages-)Kliniken sind überlaufen und Therapieplätze wurden in Lock-Down-Zeiten vielerorts schmerzlich vermisst. Wen wundert es da, wenn Suizidgedanken, Suizidversuche und vollendete Suizide gerade im letzten Jahr besonders spürbar wurden. Oscar Wilde hat in diesem Zusammenhang einmal bitterbös konstatiert: "Selbstmord ist das größte Kompliment, das man der Gesellschaft machen kann."

Es braucht ein neues Denken und Fühlen psychisch kranken Menschen gegenüber. Es braucht mehr Therapieeinrichtungen für alle Altersklassen. Es braucht einen offenen Umgang und eine selbstverständliche Akzeptanz bei Arbeitgebern, Versicherungen und Behörden. Schließlich braucht es eine kritische Innenschau auf die Gesellschaft, die Depressionen und andere psychische Erkrankungen massenhaft hervorbringt.

 

Weiterführende Hilfen und Informationen finden Sie unter:

 https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe

https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/depression-ratgeber-fuer-angehoerige

https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/krankheit/behandlungundpflege/depression-erkennen-und-behandeln

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/depression.html

https://www.depressionsliga.de/?page_n14=2

 

Schreiben Sie mir, wie Sie den Umgang mit dem Thema Depressionen in unserer Gesellschaft wahrnehmen?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

 

 

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