Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Äußerer und innerer Aufbau

Avatar of KEBKEB - 06. September 2021 - KrisenBlog

Als wir von Seiten der ökumenischen Schul(-notfall-)seelsorge in der letzten Woche den Schulstart in Ahrweiler mitbegleitet haben, konnten wir die enormen Fortschritte und Anstrengungen bei den Aufräumarbeiten seit der Flutkatastrophe vom 14. Juli bestaunen. Berge von zerstörtem Hausrat und unzählige Autowracks sind mittlerweile abtransportiert worden. An allen Ecken und Enden arbeiten Firmen, Hilfsorganisationen und weiterhin freiwillige Helfer*innen, um den langen Weg zurück zur Normalität zu schaffen.

Das stimmt hoffnungsvoll, dass schon so viel passiert ist. Dennoch ist offensichtlich, wie lange und beschwerlich der Weg noch sein wird. Kein Sprint, sondern ein elend langer Marathon liegt vor den Betroffenen und Verantwortlichen. Der äußere Wiederaufbau wird viele Jahre dauern, vielleicht sogar ein ganzes Jahrzehnt.

Am Beispiel der Flutkatastrophe wird aber auch deutlich, wie lange die innere Verarbeitung und Bearbeitung von Krisen und Katastrophen für Menschen in Wirklichkeit dauert. Innere Prozesse schreiten nämlich nur äußerst langsam voran und brauchen (viele) Jahre, bis wieder eine "relative Normalität" erreicht ist. Die Schere zwischen unterschiedlichen Graden an Betroffenheiten geht weit auseinander und was für den einen absehbar wieder normal wird, ist für den anderen noch überhaupt nicht vorstellbar.

Das, was wir von Seiten der ökumenischen Schul(-notfall-)seelsorge zu hören bekamen, hat uns angerührt. Die geschilderten Schicksale und Erfahrungen waren heftig. Diese Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen werden Zeit brauchen, viel Zeit, um mit dem Erlebten umgehen zu können.

Ob und wie der Wiederaufbau der Seele, der Wiederaufbau des Vertrauens in das Leben glücken wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, Betroffene jeglichen Alters werden dafür viel Zeit und Hilfe brauchen.

 

Schreiben Sie mir, welche (langfristigen) Ideen für Hilfe Sie haben?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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