Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Soziale Ängste

Avatar of KEBKEB - 19. Oktober 2021 - KrisenBlog

"Schule ist für mich Horror", schrieb mir ein Schüler vor einiger Zeit in der Online-Beratung.
Auslöser für sein Empfinden war allerdings nicht, dass er sich gemobbt fühlt, oder unter dem schulischen Leistungs- und Notendruck leidet, sondern das Gefühl beobachtet zu werden. Soziale Situationen machen ihm schlichtweg Angst. Kaum vorstellbar für einen Außenstehenden, wie es für ihn sein muss, in der Schule die nahezu pausenlosen Begegnungen und Interaktionen durchstehen zu müssen.

Corona hat bei vielen - vor allem jungen - Menschen enorme psychische Schäden angerichtet. Die Opferzahlen in diesem Bereich übersteigen die physischen Schädigungen wohl deutlich. Ein Wort, das in diesem Zusammenhang die Runde macht, lautet "Cave-Syndrom". Vom englischen Wort für Höhle (= cave) abgeleitet, bedeutet es die Tendenz, lieber in der "eigenen Höhle" zu bleiben, als (wieder) rauszugehen.

Grundsätzlich ist dies in "Post-Lockdown-Zeiten" erst mal eine völlig normale Erscheinung. Das sichere und vertraute Terrain wird nur ungern verlassen, vor allem wenn man sich über einen längeren Zeitraum damit gut arrangiert hat. Problematisch wird es allerdings, wenn aus dem eingeübten Social Distancing soziale Ängste entstanden sind. Die antrainierte Angst vor dem Virus, ist zu einer Angst vor Nähe und vor physischen Miteinander mutiert.

Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass man "Ängste wieder verlernen kann", in dem man sich in entsprechende Situationen bewusst begibt. Außerdem ist es wichtig, zu allererst die eigene Unsicherheit zu thematisieren und ggf. unter Einbeziehung von Personen des Vertrauens, begleitete Schritte in wiedergewonnene "Normalität" zu wagen. Hierzu zählt die Frage, ob wir uns die Hand oder Faust geben sollen und wen wir wieder in den Arm nehmen wollen, was essentiell für das Wohlbefinden des Menschen ist. 

 

Schreiben Sie mir, wie es Sie mit den zwischenmenschlichen Unsicherheiten umgehen?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Cave-Syndrom-Das-Post-COVID-Sozialleben-421282.html (Zugriff 19.10.2021)

https://web.de/magazine/gesundheit/cave-syndrom-angst-alltag-haelfte-jungen-menschen-betroffen-35853880 (Zugriff 19.10.2021)

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