Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Wegen Umbau geschlossen!

Avatar of KEBKEB - 22. November 2021 - KrisenBlog

Eigentlich müssten alle in der Klasse ein Schild mit der Aufschrift: „Wegen Umbau geschlossen!“ umhängen haben. Wen wundert es, wenn Schüler*innen im besten Pubertätsalter wenig Interesse an- und Verständnis für schulische Themen haben. Sie sind auf ihrer körperlichen und seelischen „Großbaustelle“ mit anderen Dingen beschäftigt. Mit was, davon erfahren Eltern und Lehrer*innen oft erst spät, wenn überhaupt.

Grundsätzlich kann man sagen, dass dieser Situation eine pubertäre „Veränderungskrise“ zugrunde liegt. Pubertierende sehen sich in ihrem Alltag verstärkt mit Situationen konfrontiert, die sie an – oder sogar über - ihre Grenzen bringen. Von außen an sie gestellte Ansprüche treffen auf individuelle Überforderungssituationen. Eine noch in der Ausprägung befindliche eigene Identität muss sich an der Vielzahl an Forderungen und Handlungsoptionen abarbeiten. Das hierbei immer wieder erlebte Versagen braucht, um aufgefangen zu werden, die Mobilisierung von Ressourcen. Hierzu kann z. B. ein aufbauendes und verständnisvolles Gespräche mit einem Freund/ einer Freundin zählen. Können solche Ressourcen mobilisiert werden, kann die Überforderungssituation bewältigt werden.

Veränderungskrisen, die auch in späteren Lebensabschnitten (z. B. Beginn der Elternschaft, Auszug der Kinder, Alter) auftreten können, sind also geprägt von: Konfrontation, Versagen, Mobilisierung und Bewältigung. Soweit ein „idealtypischer Verlauf“.

Wenn jedoch eine Mobilisierung von Ressourcen nicht möglich ist, weil z. B. aktuell kein Freund/ keine Freundin zur Verfügung stehen, kann dies zu einem Rückzug und Resignation führen. Wenn dann eine Mobilisierung von Ressourcen dauerhaft nicht möglich wäre, besteht die Gefahr einer Chronifizierung, was zu einem Vollbild der Krise führen kann. Die Folgen können unterschiedlicher Natur sein. Psychische Probleme können hier ebenso ihren Ursprung haben, wie psychosomatische Problematiken.

Auf diesem Hintergrund hat die Entdeckung, Entwicklung, Förderung und Stärkung von Ressourcen eine entscheidende Bedeutung für die Bewältigung von pubertären Veränderungskrisen und ist vordringlich in der Begleitung und Arbeit mit Pubertierenden.

 

Schreiben Sie mir, wie Sie versuchen Ihren pubertierenden Kindern zu helfen?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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